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Poetisches Spiel einer Virtuosin

Pianistin Sofja Gülbadamovakleinen füllt den Saal bis auf den letzten Platz

veröffentlicht am 05.11.2017 um 14:24 Uhr

Sofja Gülbadamova verzauberte das Publikum mit ihrem empfindsamen Spiel am Klavier. Foto: ar
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Autor

Rudi Rudolph Reporter
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BAD PYRMONT. Schon in den vorigen Jahren hatte die russische Pianistin Sofja Gülbadamova das Publikum in kleinen Saal des Konzerthauses mit ihrem überaus empfindsamen Spiel bezaubert. Wohl ein Grund dafür, dass der Saal an diesem Samstagnachmittag bis auf den letzten Platz gefüllt war, und die Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Charmant moderierte Sofja Gülbadamova ihre Stücke, die unter dem Titel „Tschaikowsky pur – die Jahreszeiten“ ganz ihrem Landsmann Peter Iljitsch Tschaikowsky gewidmet waren.

Zwei opulente Klavierwerke standen auf dem Programm, darunter zunächst der Zyklus „Die Jahreszeiten“, ein Auftragswerk von Tschaikowskys Verleger Nikolaj Bernard. Dieser wollte in seiner monatlich erscheinenden Musikzeitschrift „Nouvelliste“ jeweils eine dem entsprechenden Monat vorangestellte Komposition veröffentlichen, der Tschaikowsky wiederum ein poetisches Zitat russischer Dichter voranstellte. Alexander Puschkin, Leo Tolstoi oder Afanassi Afanassjewitsch Fet lieferten dazu Beiträge und die zwölf Stücke tragen monatsentsprechende Titel. Diese illustrierte die 36-jährige Pianistin mit ungeheurer Sensibilität, jedoch kamen kraftvolle Passagen ebenso zum Ausdruck.

Ein Konzertbesucher bewunderte die technisch brillante und dennoch höchst feinfühlige Interpretation mit den Worten „Ihre Hände sprechen mit dem Klavier“. So kam etwa „Januar – Am Kamin“ adäquat bedächtig und der dunklen Jahreszeit angemessen, der „März – Lied der Lerche“ jubilierte und tirilierte, der „Juni – Barkarole“ vermittelte eine romantische Bootsfahrt, und der „September – Jagd“ donnerte mit Hornstößen und der wilden Hatz einer Jagdmeute daher.

Obwohl der Zyklus nach seiner Veröffentlichung sehr erfolgreich war, ist er heutzutage im Konzertgeschehen eher selten anzutreffen, da er nicht an die Bravourstücke eines Rachmaninoff, Chopin oder Liszt heranreicht, doch eine wunderbar leichte Reise durchs Jahr war er allemal.

1882 entstanden die „Klavierstücke op. 51“, die Tschaikowsky wohl weniger aus innerem Antrieb denn aus Geldnot schrieb. Und so bedauerte er selbst in einem Brief an seinen Bruder Modest: „Schade ist auch, dass ich mir vorgenommen habe, um des Geldes willen sechs Klavierstücke zu schreiben“, was ihm dennoch immerhin 600 Taler einbrachte.

Diese sechs Klavierstücke waren für Amateurpianisten und den kultivierten bürgerlichen Salon gedacht, und fünf davon greifen populäre Tanztypen auf. Walzer, Polka und Menuett sind da vertreten, nur das Stück Nr. 2, die „Romance“, besitzt eher lyrisch-liedhaften Charakter. Alle sind verschiedenen Damen gewidmet, und so lauten die eher scherzhaft gemeinten Vortragsanweisungen beispielsweise „mit Leidenschaft und Eifersucht“, „mit viel Gefühl“ oder auch „mit Raserei“.

All diese Varianten bediente Sofja Gülbadamova mit Vehemenz und tiefgehender Intensität, sodass die Besucher nach einem erfüllenden Konzerterlebnis und zwei Zugaben den Heimweg antraten.

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