weather-image
14°

Pyrmonter Behindertenbeirat muss Spitzenamt neu besetzen

Persönliche Gründe: Bernd Plöger tritt zurück

BAD PYRMONT. Seit Gründung des ersten Pyrmonter Behindertenbeirats engagiert sich Bernd Plöger für die Rechte und den Abbau von Barrieren für Menschen mit Handicap. Das will er auch weiterhin tun. Aber künftig nicht mehr an der Spitze des Gremiums. Sein Rücktritt vom Vorsitz hat verschiedene Gründe.

veröffentlicht am 02.08.2016 um 20:57 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:16 Uhr

270_0900_8160_pn110_0308_3sp_jl_Bernd_Ploeger_344.jpg
Juliane Lehmann

Autor

Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Wer etwas verändern will, braucht einen langen Atem. Das weiß Bernd Plöger allzu gut. Schon seit dessen Gründung setzt sich der 56-Jährige im Beirat für Menschen mit Behinderung für die Belange Gehandicapter ein. Streitet für den Abbau von Barrieren, unterstützt andere Betroffene aber auch ganz praktisch, wenn sie sich ratsuchend an ihn wenden.

Zwei Jahre lang stand der Pyrmonter an der Spitze des Gremiums. Doch damit ist nun Schluss. Plöger ist vom Vorsitz des Behindertenbeirats zurückgetreten. „Das ist eine rein persönliche Entscheidung“, erklärt er. „Im Beirat bleibe ich ja auch auf jeden Fall. Aber eben nicht mehr in der bisherigen Funktion.“

Der Rückzug sei auch keine spontane Entscheidung, sagt Plöger weiter. Das Amt habe er eigentlich schon länger abgeben wollen. „Aber meine Stellvertreterin Christina Marx hat mich damals überredet weiterzumachen.“ Bei der nächsten Sitzung des Behindertenbeirats Anfang September werden nun die Karten neu gemischt.

Durch seine Kommunalwahl-Kandidatur für den Pyrmonter Stadtrat setzt SPD-Mitglied Plöger nun andere Prioritäten – und strebt ein anderes Forum an, um sich für „eine barrierefreie Stadt einzusetzen“, wie er dieser Tage auf seiner Facebook-Seite schrieb.

Aber es ist nicht nur das. Auch die eigene Gesundheit zeigt dem ihm Grenzen auf. Er lebt mit der unheilbaren Augenkrankheit Retinopathia pigmentosa. Sie zerstört die Netzhaut und führt zur Erblindung. Ganz stark vergrößerte kontrastreiche Buchstaben auf dem Bildschirm kann Plöger entziffern. Aber aufgrund des extrem eingeschränkten Sehfeldes funktioniert die räumliche Orientierung gar nicht mehr ohne Unterstützung.

Seit Jahren ertastet sich Bernd Plöger seine Wege nicht mehr nur mit einem Blindenstock, sondern mithilfe seines Führhundes. Und genau da liegt ein Problem: „Norris“ lässt nach. „Er führt mich jetzt im achten Jahr“, erklärt sein Herrchen. „Umgerechnet in Menschenjahre ist er etwa 70 Jahre alt. Seine Konzentration lässt nun früher nach, und er streikt auch mal.“

Einem Führhund nicht mehr blind vertrauen zu können, schafft ein echtes Problem. Denn für den Mann mit der Hand am Geschirr-Griff könnte der Weg über die Straße schlimmstenfalls lebensgefährlich sein. Also bleibt Plöger nichts anderes übrig, als seinen Hund aufs Altenteil zu schicken. „Dadurch verliere ich allerdings einen Teil meiner Mobilität“, erklärt er.

Sicher, sagt Plöger, er könnte versuchen, den Hund an Menschen abzugeben, die sich ausgemusterter Führhunde annehmen. Aber das käme für ihn nicht infrage. „Ich könnte Norris nicht einfach weggeben, nachdem er so lange so viel für mich getan hat.“

Einen neuen Führhund anschaffen will sich der Halter zu Norris’ Lebzeiten nicht. „Dann müsste ich zwei Hunde betreuen“, sagt er. Norris brauche täglich etwa zwei bis drei Stunden Fürsorge. Und es müsse immer jemand da sein, er sich um ihn kümmere. Das will Bernd Plöger nun tun, so lange es notwendig ist.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt