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Warum Ira Weidner in Bad Pyrmont bleibt

Pastorin mit Pumps und WhatsApp

BAD PYRMONT. Seit drei Jahren ist Ira Weidner Pastorin in Bad Pyrmont – auf Probe. Im Dezember wurde ihre Stelle ausgeschrieben und sie hat sich erfolgreich darauf beworben. Und das, obwohl der Start schwierig und die Belastung durch Vakanzen und vielen Beerdigungen groß war. Wir haben sie zum Gespräch getroffen.

veröffentlicht am 13.02.2019 um 16:19 Uhr
aktualisiert am 13.02.2019 um 18:30 Uhr

Pastorin Ira Weidner an der Tür der St.-Johannes-Kirche in Holzhausen. Über den Becher mit der Aufschrift „Dich hat der Himmel geschickt“, den ihr ein Gottesdienstbesucher schenkte, hat sie sich sehr gefreut. Foto: uk
Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
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„Dich hat der Himmel geschickt“ steht auf der himmelblauen Tasse, die Pastorin Ira Weidner nach dem letzten Weihnachtsgottesdienst an der Tür der St. Johannes-Kirche in Holzhausen geschenkt bekommen und über die sie sich sehr gefreut hat. „Ich spüre, ich werde gebraucht“, schreibt sie dazu in der nächsten Ausgabe des Gemeindebriefs „Querbet“. Die 35-Jährige hat sich nach dem Ende ihrer dreijährigen Probezeit als lutherisch-evangelische Pastorin für Holzhausen und Hagen dafür entschieden, in Bad Pyrmont zu bleiben.

Zum Gespräch um 10 Uhr kommt sie in modischen Pumps, den Talar fürs Foto hat sie in der Tasche. Zu diesem Zeitpunkt hat die Pastorin schon gut drei Stunden Arbeit hinter sich gebracht, sprüht aber vor Temperament und Begeisterung für ihre Aufgabe. Sieben Mails und acht Anrufe auf dem Anrufbeantworter mussten erledigt werden; dazu die Nachrichten per WhatsApp ihrer „Konfis“, wie sie die Konfirmanden liebevoll nennt. Die digitale Kommunikation kann und will Weidner nicht ignorieren. Denn es sind nicht nur die Konfis, die auf diese Weise Kontakt suchen. „Meine Oma liegt im Sterben. Können Sie bitte für sie beten?“, las sie eines Tages in einer digitalen Nachricht, die ihr eine Frau geschickt hatte. „Ich weiß nicht, ob sie mich ansonsten angesprochen hätte“, meint sie dazu. Ihre Antwort an die Bittstellerin versah sie mit dem Foto einer Kerze.

Ihr Arbeitstag kann lang sein und erst um 22 Uhr enden. Gespräche mit den Mitarbeitern des Kirchenamtes, Geburtstagsbesuche, Treffen mit Hochzeitspaaren, Konfirmandenunterricht, Absprachen mit der Organistin, Gottesdienste und die Mitarbeit in vier Ausschüssen des Kirchenvorstands nehmen Zeit in Anspruch. Und die vielen Beerdigungen. 90 hatte sie davon letztes Jahr, gut 50 wären für so eine Pastorenstelle üblich. „Heute habe ich einmal keine Bestattung“, erzählt sie erleichtert. Sie weiß um die Bedeutung von Trauerfeiern für die Angehörigen und nimmt sich viel Zeit – 5 Stunden alles in allem je Bestattung; unabhängig davon, welche Arbeit ansonsten auf sie wartet, die ja auch erledigt werden muss.

Ein freies Wochenende im Monat steht der mit einem promovierten Theologen verheirateten Geistlichen zu. Seit der Reformation gehören die Verkündigung des Evangeliums, die Erteilung der Sakramente, die Seelsorge und die Lehre zu den Aufgaben eines Pastors oder einer Pastorin. „Alles andere mache ich ehrenamtlich“, sagt sie und nennt als Beispiele Freizeiten oder Spieleabende mit Jugendlichen oder Seniorennachmittage, die sie auf keinen Fall missen wolle. „Die Freizeiten machen mir Spaß, und ich liebe meine Omis“, strahlt sie. „Ich habe mich ganz bewusst und aus vollem Herzen für die Stelle entschieden. Trotz hoher Belastung durch Vakanzen, der Gemeindegröße mit über 3200 Mitgliedern für den ,Holzhagener‘ Bereich, Unmengen an Beerdigungen und der noch aufzuarbeitenden Fusion“, schreibt sie in ihrem Querbet-Beitrag.

Vor drei Jahren vereinigten sich die vier Gemeinden zur Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Bad Pyrmont. „Mit mir kam die Veränderung“, sagt Weidner. Verantwortlich für die Fusion war natürlich nicht sie, sondern die sinkende Zahl an Gemeindegliedern, aber sie wurde damit in Verbindung gebracht. Angesichts der vorherigen langen Vakanz war die Angst groß, dass sie die Gemeinde schnell wieder verlassen könnte. Weidner macht kein Hehl daraus, dass sie sich anfangs nicht wohlfühlte, weil man sie nur in ihrer Funktion als Pastorin und nicht als Mensch gesehen habe. „Ich musste kämpfen, um mir das aufzubauen, was ich heute habe“, sagt sie. Auch das sei ein Grund dafür, warum sie sich für Bad Pyrmont entschied, obwohl es Anfragen anderer Gemeinde gab. Aktuell sind in der Landeskirche Hannover 26 Stellen vakant.

Am 13. Februar 2016 – auf den Tag vor drei Jahren – wurde sie ordiniert, die Stelle in Holzhausen ihr zugewiesen. „Der Kontakt mit Jung und Alt, das mir entgegengebrachte Vertrauen und die Vielfalt sind die schönen Seiten dieses Berufs, der für mich eine Berufung ist“, sagt sie. Schwierig seien die Entscheidungen, mit denen sie es nicht jedem recht machen könne, manche sogar vor den Kopf stoße. „Aber dazu stehe ich“, betont sie. Doch das Schöne überwiegt. Für die Leser der Querbet-Ausgabe, die sie als Redakteurin verantwortet, schreibt sie: „Vielen Gemeindemitgliedern konnte ich Trost und Freude zusprechen. Immer wieder sind Menschen überrascht, dass ich als Pastorin so bin, wie ich bin, und lassen sich anstecken von der Gemeinschaft und Lebensfreude, die allein aus meinem Glauben kommt.“
Am Sonnabend, 2. März, wird Ira Weidner, um 15 Uhr in der St. Johannes-Kirche durch Superintendent Meyer als Pastorin der I. Pfarrstelle eingeführt.



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