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Mehr Kunden auf dem Wochenmarkt – aber es fehlen ein paar Beschicker

Pandemie fördert Open-Air-Einkauf

BAD PYRMONT. Obst und Gemüse, Fisch, Fleisch, Geflügel, Wurst, Backwaren, Bioprodukte, Blumen und einen Imbiss – auf dem Pyrmonter Wochenmarkt gibt es all das zweimal pro Woche verlässlich auf einem Platz. „Samstags läuft es sehr, sehr gut“, sagt Andreas Pekrul. Der leichte Aufschwung habe auch mit der Pandemie zu tun.

veröffentlicht am 26.08.2021 um 06:00 Uhr

Juliane Lehmann

Autor

Reporterin (Pyrmonter Nachrichten) zur Autorenseite

Pekrul zählt zu den Urgesteinen des kleinen Marktes. Mit 18 Laufmetern ist sein Obst- und Gemüsestand der größte auf dem Areal an der Luisenstraße. Vor Jahrzehnten ist der Kaufmann in die Fußstapfen seines Vaters Roland Pekrul getreten, der zum Sortiment des Sohnes nun Honig aus seiner Imkerei beisteuert.

Dem Pyrmonter und dem guten Dutzend weiterer regionaler Beschicker halten viele Kunden seit Jahrzehnten die Treue. Für sie zählt der Dreiklang aus „Qualität, Beratung und Frische“, wie eine Kundin die Vorzüge benennt.

Unter der Corona-Pandemie habe die Nachfrage eher nicht gelitten, glaubt Pekrul. Zwar gibt es auf dem Wochenmarkt – obwohl unter freiem Himmel und weitläufig obendrein – noch immer die Pflicht zum Tragen medizinischer Masken. „Aber die Geschäfte laufen jetzt sogar etwas besser“, stellt d er drahtige 56-Jährige fest. „Die Pandemie hat ein bisschen Aufschwung gebracht.“ Draußen einzukaufen empfänden viele Kunden als angenehmer als den Aufenthalt in Supermärkten.

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Mirko Fienemann zählt zu den jüngeren Anbietern. Er baut seinen Bio-Stand seit 2015 zweimal wöchentlich in Pyrmont auf. Foto: jl

Etwa so lange wie Pekrul ist auch Volker Gebert dabei. Der Gärtner ist mit seinem Sortiment maßgeblich verantwortlich für Aberhunderte von Farbtupfern auf dem Pyrmonter Marktplatz. Auf die Frage, wann er hier angefangen hat, hält der Grohnder die flache Hand auf Oberschenkelhöhe. In seiner Kindheit nahm ihn der Vater mit zum Markt nach Pyrmont. Seit den 1980ern macht er den Job. „Man muss das aus Überzeugung tun“, sagt er. „Die Knüppelei darf man nicht rechnen.“

Anders als den Lebensmittel-Anbietern hat ihm die Pandemie massiv zugesetzt. Im Frühjahr 2020 musste er sein ganzes Sortiment vernichten, wie er sagt. Und in diesem Jahr durfte er bis Ende Februar auch nicht auf den Markt, weil Blumen keine Lebensmittel sind. „Das hält man nicht aus“, sagt er. Weil „die Hilfen nur in der Theorie gut waren, aber nicht in der Praxis“, blieb ihm – außer dem Dichtmachen – nur eins: „Ich habe mich in Schulden gestürzt.“

Viele seiner Kundinnen und Kunden kennt Gebert seit Jahrzehnten. Ihre Fragen beantwortet er ebenso geduldig wie kompetent. „Aber im Alter geben immer mehr Leute ihre Gärten auf.“ Gefragt seien dann eher blumige Geschenke.

Kundinnen ganz unterschiedlichen Alters bedient Mirko Fienemann aus Holzminden. Zu denen, die seinen kleinen Bio-Stand ganz bewusst ansteuern, gehören auch Familien mit kleinen Kindern, erzählt der Händler und Anbauer, als gerade ein junges Paar mit vollen Einkaufsbeuteln abgezogen ist.

Die Herausforderung, noch mehr jüngere Kunden zu gewinnen, scheint allgemein allerdings ebenso groß wie die, den über die Jahre geschrumpften Beschickerkreis zu erweitern. Nicht zuletzt deshalb scheiterte 2020 ein Vorstoß aus dem Pyrmonte rRathaus zur Anhebung der Standgebühren. Sowohl der Stadtverwaltung als auch der Politik war klar: Mit einer drastischen Erhöhung hätte man wahrscheinlich die verbliebenen Anbieter vergrault.

Bad Pyrmonts städtische Wirtschaftsförderin Michaela Hanke will das Gegenteil. Was ihr fehlt: „Bei Käse und Kurzwaren haben wir einen Totalausfall“, sagt die Betriebswirtin, die als Studentin selbst ein paar Jahre auf lippischen Wochenmärkten jobbte. Sie möchte die Suche nach neuen Händlern intensivieren – auch um der Kurstadt ein Stück Lebensqualität zu sichern. Im Fokus hat sie dabei auch Gewürze und Wolle.

Hanke betrachtet den Markt für die Innenstadt, für die Einwohner und Gäste Bad Pyrmonts als „wichtigen Faktor“.

Fehlende Flächen sind übrigens das geringste Problem. So können potenzielle Beschicker auf der Internetseite der Stadt lesen: „Das Platzangebot auf dem Pyrmonter Wochenmarkt ist derzeit noch nicht ausgereizt.“



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