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Exoten wieder in Gartenanlagen

Palmen wie im Paradies

BAD PYRMONT. Unbestritten, der Pyrmonter Palmengarten ist ein herausragendes Element des Bad Pyrmonter Kurparks. An der Schlossgraft gelegen, erfüllt dieser Sondergarten die Sehnsucht des Kurgastes nach den klimatisch wärmeren Mittelmeerländern. Jetzt kommen die Palmen zurück aus dem Winterquartier.

veröffentlicht am 18.04.2017 um 16:04 Uhr

Palmentransport mit Pferd und Wagen in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts. foto: SAmmlung Museum im schloss
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Autor

Dieter Alfter Reporter
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BAD PYRMONT. Betrachtet man den heutigen Kurpark, dann korrespondiert diese südliche Kulturlandschaft mit dem japanischen Bambusgarten, der als asiatische Antwort auf der gegenüberliegenden Seite der Schlossinsel, also westlich der Schlossgraft, Antwort gibt.

Der Besucher des Kurparks kann, wenn er im Sommer durch die Parkanlage flaniert, ganz unterschiedliche Elemente der Gartenkunst erleben. Das barocke Alleensystem und der nach englischem Vorbild angelegte Landschaftsgarten des späten 18. Jahrhunderts sind in ihrer Verbindung die Basis aller Elemente.

Der Hofgartendirektor Werner Dirks (1867-1957) gilt, so formuliert es einst der kenntnisreiche Joachim Garfs, als Vollender der Pyrmonter Parkanlagen. Ihm bleibt es vorbehalten, aus älteren und neueren Parkteilen verschiedenen Charakters ein einheitliches, harmonisches Ganzes zu formen. Er sieht in dem Park „eine Bildergalerie“ ganz im Sinne einer Landschaftsmalerei, die er auch privat pflegt.

Sein ungewöhnlichstes Werk sollte der Palmengarten werden. Anders als in Gewächshäusern, will Dirks Palmen vom späten Frühling bis zum Herbst in einer Freianlage aufstellen, um die Illusion einer südlichen Landschaft zu erzeugen. Aus diesem Grund reist der Hofgartendirektor im Jahr 1911 an die italienische Riviera, um beim Kunst- und Handelsgärtner Ludwig Winter in Bordighera zwölf stattliche Dattelpalmen von etwa drei Meter Höhe zu kaufen.

Ein Jahr darauf, im Jahr 1912 stehen diese Prachtexemplare von Phönix-Palmen in den „Französischen Anlagen“ an der Graft. Während des 1. Weltkrieges kann Werner Dirks aus privaten Gewächshäusern, die aus Kohlemangel nicht mehr beheizt werden, Palmen für Bad Pyrmont übernehmen. Die Zahl der Palmen wächst auf diese Weise beträchtlich und verzaubert die Parkanlage an der Schlossgraft in die gewünschte südliche Pflanzenwelt, die auch mit Hilfe von Springbrunnen die Idee vom Paradies verkörpert.

Um 1920 stehen etwa 330 große Palmen verschiedener Arten auf diesem Gelände. Die Älteste ist etwa 400 Jahre alt, die Größte misst zehn Meter und die Schwerste wiegt um die 200 Zentner. Im Winter befinden sich die Palmen in den eigens dafür gebauten Palmenhäusern. Der Hin- und Rücktransport der großen Palmen entlang der Schlossstraße ist Jahr für Jahr eine besondere Sehenswürdigkeit. Mit den heutigen Maschinen mag man sich gar nicht vorstellen, wie kräftezehrend der Transport mit Pferd und Wagen in der Anfangszeit ist. Die Fotografie dokumentiert, dass damals sechs Männer beim Aufstellen der Palmen im Palmengarten notwendig sind. Heute braucht es weniger „Manpower“, aber die von Staatsbadgärtnermeister Michael Mäkler und seinen Mitarbeitern seit Dienstag wieder erstrebte Präsentation eines Palmengartens hat nichts von seinem exotischen Flair verloren, hat eher noch dazugewonnen.

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