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Mit dem Klischeebild vom Förster hat der Arbeitsalltag von Uwe Schenkemeyer nichts zu tun

Ohne Forsthaus und Jagdhund

Bad Pyrmont. „Förster retten vielleicht nicht die Welt, helfen aber, sie ein großes Stück schöner zu machen.“ Dieses Zitat stammt nicht von Uwe Schenkemeyer, sondern von Hans Jacobs, Vorsitzender des Bundes Deutscher Forstleute (BDF), aber der Leiter des Pyrmonter Stadtforstbetriebes sieht es genauso. „Der Wald hat in der Bevölkerung einen sehr hohen Stellenwert, und unsere Aufgabe ist es, nicht nur seine ökonomische Funktion sondern auch seine Erholungsfunktion zu erhalten“, betont er. Schenkemeyer ist gerne Förster und hat seine Berufswahl bis heute nicht bereut, auch wenn er nicht im idyllischen Forsthaus mit Jagdtrophäen an der Wand und dem treuen Jagdhund an der Seite sitzt, sondern in einem nüchternen Büro im Rathaus, denn das Forsthaus hat die Stadt vor vier Jahren verkauft. „85 bis 90 Prozent meiner Zeit verbringe ich hier“, berichtet der diplomierte Forstingenieur, der in Göttingen Forstwirtschaft studiert hat.

veröffentlicht am 22.05.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 11:21 Uhr

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Autor:

Hans-Ulrich Kilian
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Natürlich, den Traum vom idyllischen Forsthaus habe er am Anfang schon gehabt, gesteht er lächelnd. „Den hatte irgendwann wohl jeder von uns einmal. Aber es ist eben nichts daraus geworden.“ Zum Beruf eines Försters gehört auch die Jagd. „Einen Jagdschein habe ich, das ist Voraussetzung.“ Doch Schenkemeyer jagt nicht. „Mir fehlt die Passion dafür.“ Dass die Jagd notwendig sei, damit der Wald sich entwickeln könne, daran lässt er keinen Zweifel. „Die Freude an der Natur hat mich schon als Schüler veranlasst, diesen Beruf zu ergreifen und diese Freude habe ich mir erhalten.“

Und nun sitzt er am Schreibtisch, kümmert sich um den Holzverkauf, schreibt Wirtschaftspläne, regelt naturschutzrechtliche Fragen und die Zusammenarbeit mit den anderen Dienststellen der Stadtverwaltung. Sein Kollege Karl-Wilhelm Struck ist dagegen fast ausschließlich im Wald – und hat im Gegensatz zu ihm auch einen Hund. „Die Arbeit haben wir so aufgeteilt, das war von Anfang an so und ist in Ordnung“, betont der Forstingenieur, der aber zusätzlich die Teilreviere Holzhausen und Hagen betreut und während der Holzernte dort fast täglich nach dem Rechten sieht.

Doch Schenkemeyer und seine vier Mitarbeiter machen sich nicht nur Freunde. Das Fällen von Bäumen sorgt auch für Konflikte, die wohl alle Förster auszuhalten haben. „Die Satzung für den Forstbetrieb der Stadt schreibt in erster Linie eine Gewinnerzielung vor, und den machen wir mit dem Verkauf von Holz“, stellt er klar. Doch wenn Bäume reihenweise am Boden liegen, dann gibt es Beschwerden aus der Bevölkerung. „Wenn jemand mit einem Waldbild schon lange vertraut ist und plötzlich feststellt, dass wir dort Bäume gefällt haben, dann gibt es Kritik“, berichtet er. Das betreffe besonders das Gebiet am Bomberg, denn dort seien viele Spaziergänger unterwegs. „Den Ärger darüber kann ich vollkommen nachvollziehen, aber so etwas lässt sich nicht vermeiden, denn es ist ein Irrglaube, dass wir nur kranke Bäume fällen, und um es platt zu sagen: Wo gehobelt wird, da fallen Späne.“

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Forstleute sind heute Manager der Prozesse im Ökosystem Wald. Sie müssen Klimawandel, Energiewende und die wachsenden Ansprüche der Gesellschaft an den Wald mit wirtschaftlichen Erwägungen und den Notwendigkeiten des Natur- und Artenschutzes unter einen Hut bringen und langfristig vorausdenken. „Heutige Entscheidungen werden bis in die nächsten paar hundert Jahre überdacht“, so der BDF-Vorsitzende Hans Jacobs. Auch Schenkemeyer ist dies stets präsent. „Das Zielalter einer Buche ist 130 Jahre“, erläutert er. Will heißen: Ist der Baum 130 Jahre alt, dann ist er in der Regel optimal zu vermarkten. Das entspricht gut vier Generationen. Seine Aufgabe ist es, möglichst qualitativ hochwertiges Holz aufzuziehen, um möglichst gute Verkaufserlöse für die Stadt und das Land Niedersachsen zu erzielen, mit dem sich Bad Pyrmont die Bewirtschaftung teilt.

Und wo bleibt dabei die Erholungsfunktion des Waldes? „Wir müssen nicht jeden Baum fällen, der Geld bringen würde und wir tun das auch nicht, wenn es wirtschaftlich vertretbar ist“, versichert er. So sei man bemüht, schöne Bäume entlang der Wanderwege zu erhalten. Oben im Langen Grund gib es eine geschätzte 400 Jahre alte Eiche, die langsam ihrem Ende entgegengeht und die der Förster in Ruhe lässt. Das Areal ringsrum wurde eingezäunt, um Spaziergänger vor fallenden Ästen zu schützen. Hier hat Schenkemeyer auch einen Waldlehrpfad anlegen lassen, den er als weiteres Beispiel dafür anführt, dass er den Wald nicht nur unter wirtschaftlichem Gesichtspunkt sieht.

Ganz in der Nähe sind an diesem Tag seine drei Forstwirte damit beschäftigt, Bäume zu pflanzen. Schenkemeyer sieht nach dem Rechten. Er fragt, wie weit sie mit der Arbeit sind und wo es noch etwas zu tun gibt. Anschließend setzt er sich in seinen Kleinwagen – auch das Klischee vom Geländewagen erfüllt er nicht – und fährt zurück in sein Büro im Rathaus.

Uwe Schenkemeyer (re.) erkundigt sich bei Forstwirt Frank Lönnecker über den Stand einer Baumpflanzung. Doch im Büro verbringt der Forstingenieur viel mehr Zeit als im Wald. uk



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