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Problem mit Toiletten am Bahnhof

Notdurft in den Büschen - weil Bahnhofs-WC geschlossen ist

BAD PYRMONT. Die Erfahrung, die Helga P. aus dem Lippischen jüngst gemacht hat, wirft erneut ein Schlaglicht auf die unbefriedigende Situation am Pyrmonter Bahnhof. Die Toiletten sind nur zu bestimmten Zeiten geöffnet, was laut Helga P. dazu geführt hat, dass ihre Freundin ihre Notdurft im Gebüsch verrichten musste.

veröffentlicht am 14.11.2017 um 13:53 Uhr
aktualisiert am 14.11.2017 um 18:40 Uhr

Die Toiletten im Bahnhof sind grundsätzlich abgeschlossen, den Schüssel gibt es im Kiosk – aber nur zu den Öffnungszeiten. Foto: yt
Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
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Helga P. hatte ihre Freundin an einem Samstag um 10 Uhr vom Zug abgeholt. Die Freundin sei zu 100 Prozent schwerbehindert, können nicht richtig gehe, leide unter Atemnot und habe einen künstlichen Blasenausgang. „Sie musste dringend zur Toilette, doch die war abgeschlossen.“ Was folgte, war für die Freundin entwürdigend. „Sie musste am Parkplatz des Bahnhofs zwischen den Zügen auf der einen und den Autos auf der anderen Seite und wartendenden Fahrgästen am Bahnsteig ihre Notdurft im Gebüsch verrichten“, berichtet sie im Gespräch mit dieser Zeitung. „So etwas passiert in einer Kurstadt. Ich habe mich fremd geschämt.“

Bei der Stadtverwaltung ist das Problem der Öffnungszeiten bekannt, doch sieht man dort zurzeit keine Möglichkeit, das zu ändern, da mit der Pächterin des Bahnhofskiosks, die sich um die Toiletten kümmert, vereinbart worden sei, das ausschließlich während der Öffnungszeiten des Kiosks von montags bis freitags. „Die Situation ist sicherlich unbefriedigend, aber unbeaufsichtigt lassen können wir die Anlage nicht. Das führt leider nur zu Vandalismus“, begründet Stadtsprecher Wolfgang Siefert, warum die Anlage grundsätzlich abgeschlossen und ständig geöffnet ist. Nach Auskunft der Betreiberin des Kiosks lohnen sich längere Öffnungszeiten für sie nicht.

Das Bahnhofsgebäude gehört einer Immobilienfirma aus Bayern, die Deutsche Bahn betreibt hier lediglich eine Haltestelle für die S-Bahn und ist nach eigenen Angaben nicht verpflichtet, öffentliche Toiletten anzubieten. Dort weißt man die Verantwortung sogar der Kommune zu. Das Angebot öffentlicher Toiletten sie nicht Aufgabe der Bahn, sondern eine Maßnahme der Daseinsvorsorge und daher dem kommunalen Wirken zuzuordnen, lautet die grundsätzliche Haltung der Bahn zu diesem Thema.

„Wir haben uns darum gekümmert“, betont Siefert. „Sonst wären die Toiletten vor einigen Jahr verschlossen worden. Wir haben damals erreicht, dass der Eigentümer in die Anlagen investiert und uns die Aufsicht darüber überlassen hat“, sagte er. Die Pächterin des Kiosks habe sich bereit erklärt, sich um die Toiletten zu kümmern und den Schlüssel herauszugeben. „Und diese Dienstleitung bezahlt die Stadt.“

Aber offenbar weiß nicht jeder in der Stadtverwaltung über die Details dieser Regelung Bescheid. Als Helga P. im Rathaus anrief, um sich zu beschweren, da habe man sie mit dem Bauamt verbunden. „Dort habe ich die Auskunft erhalten, dass die Bahn dafür zuständig ist“, berichtet sie.

Für die Freundin von Helga P. war die unschöne Erfahrung bei ihrer Ankunft in Bad Pyrmont nicht die einzige, die sie mit zurück nach Hannover nahm. Wegen ihrer Atemnot suchte sie am Abend des selben Tages vor der Rückreise vor dem Bahnhof einen Platz zum Ausruhen. „Doch der Warteraum der Bahn war gegen 19 Uhr geschlossen und es gab keine weitere Sitzmöglichkeit“, erzählt Helga P. „In diesem Fall sollte das Ordnungsamt der Stadt zuständig sein, doch das war es dann auch nicht. Hier schiebt nur einer dem anderen die Verantwortung zu“, lautet ihr Fazit aus diesen Erlebnissen.

Die Vorsitzende des Pyrmonter Seniorenbeirates, Annegret Webel, beschäftigt sich schon lange mit dem Bahnhof – weniger mit den Toiletten, sondern hauptsächlich mit dem allgemeinen Pflegezustand – und fordert von der Stadt einen Kümmerer. Bislang vergeblich. Jetzt hat sie für ihr Anliegen die Unterstützung der Politik gesucht und vergangene Woche die Gelegenheit, die Problematik der „Gruppe 17“ vorzustellen, wie sie auf Anfrage bestätigte. Eine Antwort steht noch aus.

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