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„Oper légère“ mit 100 Zuhörern im großen Saal deplatziert

Niveau fällt Umständen zum Opfer

BAD PYRMONT. Es wäre die Operette aller Operetten vom Allerfeinsten mit Champagnerlaune und im Dreivierteltakt geworden, hätte nicht der Umstand, dass der Auftritt nicht im gesperrten Kurtheater stattfinden konnte, für einen sehr erheblichen Makel gesorgt.

veröffentlicht am 30.12.2018 um 21:34 Uhr

Das Talent von Jeong-Min Kim (Flügel) und Franziska Dannheim kommt im großen Saal nicht zur Geltung. foto: ar
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Rudi Rudolph Reporter
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So musste die „Oper légère“, ein kreatives Kind der in Tübingen geborenen Sopranistin Franziska Dannheim und ihrer begleitenden Spitzenpianistin Jeong-Min Kim, vor rund 100 Zuhörern im großen Saal stattfinden – ein absoluter Fauxpas. In der Atmosphäre des Kurtheaters, auch in der Wandelhalle oder im kleinen Saal – okay, im Konzerthaus auf der großen Bühne aber ein kläglich seitlich aufgestellter Flügel, und die grandiose Sängerin ohne unterstützende Mikrofonanlage. Da konnte die Operette „Die Fledermaus“ von Johann Strauss, der Höhepunkt der „Goldenen Operettenära“, nur mittelmäßig ans Publikum gelangen. Wohlgemerkt, anwesend waren eine Pianistin, die tatsächlich ein ganzes Orchester zu ersetzen imstande war, und eine umtriebige Sängerin, die von der höchsten Koloratur bis hin zum männlichen Bariton die gesamte Stimmbandbreite brillant ausfüllte.

Mit dem Format „Oper légère“ bereisen und begeistern die beiden Interpretinnen ganz Deutschland, und selten bekommt man eine Operette derart quirlig, empathisch und kompetent erläutert, wie es Franziska Dannheim kann. Sparsamstes Bühnenbild, nämlich ein Notenständer mit einem übergehängten Hausmantel, lässt der Soubrette allen Raum, gestisch, mimisch und letztlich auch gesanglich die „Fledermaus“ witzig und mitnehmend zu erläutern.

Da ist die Handlung, die, mit üblichen Verwicklungen, den Gabriel von Eisenstein den falschen Rat seines Freundes Dr. Falke annehmen lässt, ein falscher Eisenstein gerät ins Gefängnis, die Frau des echten Eisensteins, Rosalinde, will sich mit einem „Alfred“ vergnügen. Haarsträubende Verwicklungen, Täuschungen und Verkleidungen kommen ins Spiel, bevor sich das ganze Getümmel schließlich in Wohlgefallen und zu allseitiger Befriedung auflöst.

Franziska Dannheim wirbelt über die Bühne, erklärt, erzählt, gestikuliert und versucht, das Publikum mit einzubinden. Mit wenig Erfolg, ist doch die Bereitschaft zur Mitwirkung bei der geringen Anzahl von Menschen eher dürftig. Die Gags kommen zwar an, doch bei mehreren der durchweg älteren Zuschauer entsteht auch einfach aufgrund der Entfernung zwischen Bühne und Auditorium ein gewisses Hörproblem, das die Sängerin durch spontane Umsetzung des Publikums zu lösen versucht. Was eigentlich „Die Fledermaus“ ausmacht, wird nur am Rande skizziert. Trotz aller Bemühungen der beiden Künstlerinnen verlassen schon einige Menschen in der Pause die Aufführung, der verbliebene Rest goutiert die Vorstellung jedoch bis zum Schluss.

Franziska Dannheim brachte viele populäre Melodien aus allen drei Akten auf die Bühne, und das postulierte hohe Niveau schien gesanglich vorhanden, fiel aber letztlich den oben beschriebenen unglücklichen Umständen zum Opfer.



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