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Sparkassenpräsident Thomas Mang Ehrengast beim 9. Brudermahl der Freimaurerloge

Niedrigzins ein Fluch geworden

BAD PYRMONT. „Ein Segen war die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank nie – inzwischen ist ein Fluch aus ihr geworden.“ Es sind ungewöhnlich scharfe Worte, die Thomas Mang, der Präsident des Niedersächsischen Sparkassenverbandes, als Ehrengast des 9. Brudermahls der Freimaurerloge Friedrich zu den drei Quellen formuliert.

veröffentlicht am 28.05.2018 um 11:26 Uhr

Polizeihauptkommissar Arnold Schiffling (li.) und Stadtbrandmeister Maik Gödeke (r.) erhielten die ersten Tröster-Teddys für ihre Einsatzfahrzeuge. In der Mitte Thomas Mang, der Ehrengast des Brudermahls, das von Ingo Neumann (2.v.r.), dem Meister vo
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Wolfhard F. Truchseß Reporter
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Und er lässt kaum ein gutes Haar an der Politik des italienischen EZB-Präsidenten Mario Draghi, der offenbar die Nullzinspolitik so lange beibehalten wolle, bis es seinem Land wieder besser gehe.

Fast schon romantisch verklärend erinnerte der Verbandspräsident an die Zeiten, in denen der Präsident der Deutschen Bundesbank noch die Senkung oder Erhöhung der Leitzinsen in der Tagesschau verständlich erläutert hatte. „Das war eine Zeit, in der die Sparer noch ein unglaubliches Vertrauen in die Währungspolitik und die D-Mark hatten“, trauert Mang der Eigenständigkeit und völligen Unabhängigkeit dieser Institution nach. „Das war ein Urvertrauen, das es heute nicht mehr gibt.“

Mang lässt in seiner Rede keinen Zweifel aufkommen, dass er sich mit Europa identifiziert. „Ich bin ein begeisterter Europäer“, betont der Sparkassenvertreter, „aber ich bin nicht begeistert von dem Europa, wie es gelebt wird.“ Es sei klar, dass es Regeln in einer Staatengemeinschaft geben müsse. „Aber diese Regeln müssen für den Bürger nachvollziehbar sein – und daran krankt es.“ Den Vertrauensschwund, den die EU erlebe, begründet Mang mit dem Nationalismus eines Teils der Regierungen, mit nationalen Egoismen, aber auch mit einem zu schnellen Wachstum der Gemeinschaft, einer ungenierten Schuldenpolitik und der falschen Abfolge von Schritten bei der Einführung des Euro mit einer Neigung zu „schmuddeligen Deals“.

Der Sündenfall sei die vor acht Jahren eingeführte Doppelfunktion der EZB gewesen, einerseits mit der Bankenaufsicht beauftragt zu sein, andererseits aber mit dem massenhaften Ankauf von Staatsanleihen als Marktteilnehmer zu fungieren, was zwangsläufig zu Interessenkonflikten führen müsse. Das sei ein Fehler, der längst hätte korrigiert werden müssen. Mit der aufgeblähten Bilanzsumme sei die EZB zu einem Staatsfinanzierer und zu einer Art europäischer Ersatzregierung ohne demokratische Legitimation geworden. Die Frage sei nur, wer für die riesigen Summen an Forderungen aus faulen Anleihen gerade stehen werde.

Dass Draghi die Zinsen außer Kraft gesetzt habe, habe natürlich Folgen. Die erste Frage müsse sein: Wem nützen niedrige Zinsen? Vordergründig gut seien sie für Schuldner, Staaten ebenso wie Unternehmen oder Privaten. Aber nur, wenn die richtigen Schlüsse und Konsequenzen daraus gezogen würden. Schlecht aber seien sie, wenn damit falsche Anreize gesetzt und falsche Projekte angeschoben würden. „Und wem schaden die Niedrigstzinsen?“, fragte Mang ins Publikum. „Erst mal dem Sparer, denn der werde selbst bei einer Miniinflation ausgeplündert und sein Erspartes entwertet.“ Und dann zählte Mang auf, wo Niedrigzinsen negative Folgen haben: bei der Altersvorsorge, weil nicht mehr eingehalten werden könne, was versprochen worden sei; bei den Stiftungen, die stark von Zinserträgen abhängig seien und im Einzelfall noch nicht einmal mehr Zinserträge hätten, die ihre Kosten deckten; bei den Pensionskassen, den öffentlich-rechtlichen Versorgungskassen, bei allen Kapitalsammelstellen, bei den Versicherungen ebenso wie bei den Bausparkassen. „Sie alle werden in Schwierigkeiten geraten.“ Und was geschehe, wenn die Konjunktur kippe? „Welchen Pfeil hat die EZB dann noch im Köcher?“

Und dennoch endete der Abend positiv, denn bei einer Spendensammlung für die Teddy-Stiftung, die Einsatzfahrzeuge der Polizei, der Feuerwehr und der Rettungsdienste mit Tröster-Teddys für Kinder ausstattet, kamen stolze 5000 Euro zusammen.



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