weather-image
29°
Martin Kind zu Gast beim 8. Brudermahl der Freimaurer in Bad Pyrmont

„Niederlagen mag ich gar nicht“

BAD PYRMONT. Was könnte für die Gäste des 8. Brudermahls der Freimaurerloge „Friedrich zu den drei Quellen“ im Fürstensaal des Steigenberger Hotels wohl interessanter sein: ein tiefer Blick in das Leben des Hörgeräteherstellers und Unternehmers Martin Kind oder ein ebenso tiefer Blick auf sein Wirken beim wieder aufgestiegenen Fußball-Bundesligisten Hannover 96. Was Letzteres anging, spannte der diesjährige Ehrengast des Brudermahls die Zuhörer durchaus ein wenig auf die Folter. Denn nach der Vorspeise ließ der 73-Jährige die 85 Gäste zunächst an seinem unternehmerischen Leben teilhaben.

veröffentlicht am 12.06.2017 um 09:03 Uhr

Die 96er-Bonbondose wurde nicht etwa Titus Malms, dem Tafelmeister der Freimaurer beim 8. Brudermahl, von Martin Kind überreicht – Malms hatte sie dem Ehrengast als kleinen Gag geschenkt und dazu eine Broschüre über die Freimaurerloge „Friedrich zu d
wft 4

Autor

Wolfhard F. Truchseß Reporter
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Es war vor allem auch ein Blick in die Technikentwicklung und Fortschritt durch die Digitalisierung. Seien Hörgeräte vor rund 50 Jahren noch kaum leistungsfähig und eher tabuisiert gewesen, wie Kind schilderte, seien sie heute durch die Digitalisierung unauffällig und gesellschaftlich akzeptiert. „Auch Prominente wie Elmar Wepper tragen sie und reden auch darüber“, lobte Kind den erreichten Fortschritt, der seinem Unternehmen mit dazu verholfen habe, Marktführer zu werden.

Vor allem schwärmt der Unternehmer von der Kreativität der Werbesprüche, mit der sein Unternehmen zu einer echten Marke geworden sei. Lange habe er sich gegen den Spruch „Ein Kind im Ohr“ gewehrt, dann aber seinem Sohn und den Werbestrategen nachgegeben. „Es war der richtige Schritt.“ Kind ist aber nicht nur Hörgerätehersteller, sondern handelt auch mit Immobilien, „aber nur in 1a-Lagen“, und macht mittlerweile auch den Optikerriesen Fielmann und Apollo Konkurrenz. „Wir wollen die Nummer 3 auf diesem Sektor werden.“

Für seine drei Enkelkinder, von denen er heftig schwärmt, tummelt sich Kind noch auf ganz anderen Feldern. „Wir haben für sie eine Beteiligungsgesellschaft gegründet, die auch in Startup-Unternehmen investiert.“ Aber Kind warnt: „Das ist ein sehr schwieriges Geschäft, und das Risiko einer Kapitalvernichtung ist sehr groß. Da muss man schon ganz genau hinschauen“, gibt er den gespannt lauschenden Gästen des Brudermahls mit auf den Weg.

Nach Spargel mit kleinem Schnitzelchen vom Schweinerücken und neuen Kartöffelchen mit wahlweise Sauce Hollandaise oder Butter sowie Eis mit Erdbeeren und Sahne zum Dessert kommt Kind endlich auch zum Thema „Hannover 96“ und verschaffteden Gästen sowohl einen Einblick in die sportlichen Aspekte als auch in die wirtschaftliche Problematik. „Mein Schicksal mit 96 begann im Jahr 1997. Der Verein spielte damals in der dritten Liga und war praktisch insolvent.“ Obwohl er nicht Mitglied des Vereins gewesen sei, habe man ihn angesprochen, Verantwortung zu übernehmen. „Sie haben einen Dummen gesucht, der die Arbeit macht.“ Heute würde er Nein sagen, erklärt Kind. „Aber wenn ich Verantwortung übernehme, dann in vollem Umfang. Und Niederlagen mag ich gar nicht.“

Die Analyse sei angesichts der Insolvenz einfach gewesen. Er habe Geld beschaffen müssen und der ersten Mannschaft Ziele gesetzt: den Aufstieg in die Zweite Bundesliga und auch den Aufstieg in die Erste Liga. „Den ersten Schritt haben wir 1998 geschafft, den zweiten im Jahr 2002 und dann 14 Jahre kontinuierlich in der Ersten Liga gespielt und zwei Jahre auch in der Europa-League.“

Der berechtigte Abstieg im Jahr 2015 sei die Folge einer Addition von Fehlentscheidungen und „sehr schmerzhaft“ gewesen. Das neue Ziel habe er der Mannschaft sofort klargemacht: „Wir haben nur ein Jahr Zeit für den Wiederaufstieg“, auch wenn das manche im Verein anders gesehen und ihm vorgeworfen hätten, er baue zu viel Druck auf. Das aber sei Blödsinn gewesen. „Denn wenn den Fußballern so hohe Gehälter gezahlt werden, muss hinten auch was rauskommen.“ Den Bielefeldern sei er dankbar, dass sie mit dem hohen Sieg gegen Braunschweig tatkräftig beim Wiederaufstieg mitgeholfen hätten. „Aber mit dieser Mannschaft haben wir keine Chance in der Ersten Liga“, konstatierte Kind. „Vier Entscheidungen haben wir schon für das Team getroffen, drei weitere werden noch folgen.“

Was bedeute, dass es für die Mannschaft eine Neustrukturierung geben werde. Aber er sei sich sicher, „dass es uns gelingen wird, wettbewerbsfähig zu sein“. Dazu gehöre auch, dass der Verein jetzt für 18 Millionen Euro ohne Kreditaufnahme ein Leistungszentrum gebaut habe, „dass uns konkurrenzfähig machen wird“.

Zur Wettbewerbsfähigkeit gehört für Kind aber auch, dass die wirtschaftlichen Strukturen stimmen – weshalb er seit Langem darum kämpft, dass die Finanziers der Bundesligisten auch die Entscheidungsmacht im Wirtschaftsbetrieb der Clubs bekommen. Für den tiefen Blick in das Geschehen bei Hannover 96 gab es langen und intensiven Beifall.

Weil das Brudermahl der Freimaurer aber nicht nur eine informative und gesellige Veranstaltung sein will, wurde am Ende bei den Gästen gesammelt – für den Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Bad Pyrmont und schließlich ein Scheck über 3000 Euro überreicht.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare