weather-image
21°

Familie kämpft um Pflege

„Nichts ist in Ordnung am Mühlenbach“

BAD PYRMONT Seit 30 Jahren bemüht sich die Familie Blümel aus Holzhausen darum, die Stadt Bad Pyrmont dazu zu bringen, den Bachlauf, der der Stadt gehört und ihr Grundstück quert, so zu pflegen und instand zu halten, wie das ihrer Meinung nach korrekt ist. Jetzt droht Dr. Hubertus Blümel mit rechtlichen Schritten.

veröffentlicht am 04.04.2018 um 11:52 Uhr
aktualisiert am 04.04.2018 um 18:30 Uhr

So sah der Mühlenbach auf dem Grundstück der Familie Blümel vor zwölf Jahren aus. Foto: privat
Hans-Ulrich Kilian

Autor

Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

„Nichts ist in Ordnung am Mühlenbach.“ Dr. med. Hubertus Blümel schlug seine Feststellung den Mitgliedern des Bau- und Umweltausschusses förmlich um die Ohren, als er jüngst die Fragestunde einer Sitzung nutzte, um das Problem, das seine Familie nach seiner Darstellung nun schon seit gut 30 Jahren beschäftige und belaste, öffentlich zu machen. Es geht um den Zustand des letzten Stücks ehemals naturbelassenen Mühlenbachs, der durch Holzhausen fließt und dabei auch das Grundstück quert, das von seinen Vorfahren bereits seit mindestens Ende des 18. Jahrhunderts bewohnt wird.

Es ist eine verfahrene Situation. Die Auseinandersetzung mit der Stadt füllt mittlerweile reihenweise Aktenordner mit einer kaum noch zu erfassenden Zahl an Details. Blümel hält der Stadt unter anderem vor, mit Halbwahrheiten zu argumentieren und dass das Baudezernat nicht wirklich gewillt sei, die Situation so zu ändern, dass der Bachlauf wieder zu pflegen und beherrschbar sei. Die Stadt als Eigentümerin des Bachlaufs lasse das Gewässer verkommen und nehme damit die fortschreitende Zerstörung des ufernahen Grundstücks seit Jahrzehnten in Kauf, so sein Vorwurf. Es gebe seit Jahren weder substanzielle Abhilfe für das Grundproblem des einbetonierten Wehres noch eine verlässliche Bachreinigung zur Milderung der Folgen im Alltag. Zwölf Jahre alte Fotos zeigen einen Bachlauf mit einem gepflegten Ufer, einem steinigen Grund ohne Bewuchs, in dem Kinder spielen und laut Blümel kleine Krebse fangen konnten. Auf anderen Fotos ist ein völlig zugewucherter und verwilderter Bach zu sehen, „der verlandet, verschlammt und versandet ist und in dessen meterweit unterspültem Ufer ein Biotop für Bisamratten entstanden ist, das die Erosion des Uferbereichs zusätzlich bis weit zu unserem Grundstück beschleunigt hat“, wie Blümel feststellt und dabei das Foto einer toten Ratte zeigt. Ausgelöst worden sei die Verringerung der Strömungsgeschwindigkeit durch ein vor über 30 Jahren einbetoniertes längerer Zeit verlegtes Abwasserrohr, das den Bach kurz vor der Grundstücksgrenze quert und den Bach seither aufstaut. An dessen fachgerechter und rechtmäßiger Verlegung habe schon sein Vater Zweifel gehabt.

Aktuell lässt eine dicke Packlage von Wasserbausteinen auf beiden Seiten des Ufers vom einstigen Idyll nichts mehr erahnen. Ein Team des Vereins „Arbeit und Integration Bad Pyrmont“ (AIBP) hat die Steine im Auftrag der Stadt Ende vergangenen Jahres verlegt. Eine Aufgabe, für die es üblicherweise speziell ausgebildete Wasserbauer gibt; für die AIBP war ein solcher Auftrag laut Blümel Premiere: „Mir haben die Männer gesagt, dass sie so etwas noch nie gemacht haben“, berichtet er. Die Stadt setzt Mitarbeiter der AIBP ein, um den Bachlauf pflegen zu lassen. Über diesen Einsatz gehen die Meinungen aber auseinander: Die Arbeiten seien nicht regelmäßig, nicht zu den nötigen Zeiten und immer erst auf Mahnungen hin geschehen, sagen die Blümels; die Entwicklung des Bachlaufs stelle eine durchaus im Sinne des Naturschutzes und des Wasserrechts gewünschte natürliche Entwicklung dar, heißt es in einem Schreiben von Bauamtsleiter Hans-Joachim Böhnke aus dem Jahr 2012.

2 Bilder
Im Herbst hat ein AIBP-Team im Auftrag der Stadt die Ufer des Baches mit dieser Packlage befestigt. Foto: uk

„Schön sieht das jetzt nicht aus“, meint zwar Bürgermeister Klaus Blome, ohne jedoch an der Ausführung Kritik zu üben. Ihm hat Blümel öffentlich vorgeworfen, vor seiner eigenen Bauabteilung eingeknickt zu sein. „Nach zwei Ortsterminen hat der Bürgermeister mir zugesagt, für Abhilfe zu sorgen. Doch passiert ist nichts.“ „Ich verlasse mich auf die Fachleute und die zuständige Wasserbehörde beim Landkreis“, entgegnet Blome auf Anfrage und bezieht sich dabei darauf, dass der Landkreis bislang keinen Handlungsbedarf gesehen und ein Kammerjäger keinen Rattenbefall festgestellt habe.

Blome ist nicht der erste Bürgermeister, den Blümel – beziehungsweise vor ihm sein mittlerweile verstorbener Vater, ein sehr beliebter Tierarzt – um Hilfe gebeten hat. Auch Blomes Vorgänger Klaus-Henning Demuth und Elke Christina Roeder haben sich zu ihren Amtszeiten damit schon ergebnislos auseinandergesetzt. Das ist aktenkundig. So nachgiebig wie sein Vater will der Sohn aber nicht sein. Er ließ den Bauausschuss wissen, dass er nun gewillt sei, auch rechtliche Schritte gegen die Stadt einzuleiten. Eine letzte Chance will er der Politik vorher noch geben. Sein Auftritt vor dem Ausschuss hat Wirkung gezeigt. Auf Anregung des Ausschussvorsitzenden Dirk Emme wollen sich die Politiker vor Ort Ende April nun selber über das Thema informieren. Ob es hilft, bleibt abzuwarten, denn auch Böhnke wird seine Sicht der Dinge darstellen. Blümel jedenfalls ist angesichts der Feststellung von Böhnke, dass man überrascht sei, dass Blümel mit dem gegenwärtigen Zustand nicht zufrieden sei und sich in der Packlage von Wassersteinen schließlich wieder eine Vegetation bilden werde, skeptisch. „Das lässt einmal mehr nichts Gutes ahnen.“



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?