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Die Pyrmonter Elterninitiative „Inklusio“ plant einen Inklusionsbetrieb für behinderte Kinder

Nicht nur irgendwelche Schrauben sortieren

Bad Pyrmont. „Ich kann mir meinen Sohn nicht unter Druck in einer Werkstatt vorstellen, wo er immer das Gleiche tut“, sagt Michaelis Calaminus, „denn mein Sohn Lukas hat viele Interessen.“ Der 16-Jährige mit dem Down-Syndrom ist im Judo-Verein, geht zum Schwimmen, Fußball und Abenteuersport, ist als Messdiener in seiner Gemeinde tätig und besucht die Musikschule. Die Mutter stellt sich für den Heranwachsenden für die Zukunft eine „Lebens-, Lern- und Arbeitsgemeinschaft“ vor, in der er die Unterstützung und Anleitung bekommt, die er benötigt. Genau das könnte ein Inklusionsbetrieb bieten, über den sich die Pyrmonter Elterninitiative „Inklusio“ Gedanken macht.

veröffentlicht am 28.02.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 15:41 Uhr

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Autor:

Claudia Guenther
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„Wir brauchen Leute, die unsere Kinder nicht als Behinderte sehen, sondern als Teil einer Gemeinschaft und sie verstehen wollen.“ Ihrem Sohn solle es, ebenso wie jedem nicht behinderten Menschen, möglich sein, seine privaten Interessen mit seiner beruflichen Tätigkeit zu verbinden. „Mein Sohn soll sich glücklich fühlen und als Mensch geachtet!“ Damit spricht sie vielen Familien in gleicher Situation aus der Seele, die sich in „Inklusio“ zusammengefunden haben und sich Gedanken über die Zukunft ihrer behinderten Kinder machen. Erst durch die Diskussion und die allmähliche Umsetzung der Inklusion „trauen sich manche Eltern endlich mal, für ihre Kinder etwas zu verlangen“, weiß die Lehrerin Calaminus.

Auch Steffi Maltzahn, Vorsitzende des Bad Pyrmonter Beirates für Menschen mit Behinderungen und ebenfalls in „Inklusio“ organisiert, teilt diese Ansicht. „Mein Sohn soll später nicht in der Werkstatt irgendwelche Schrauben sortieren, sondern ganzheitlich leben.“ Geeignet wäre ein ländlicher, familiärer Betrieb, denn er interessiert sich für Tiere und landwirtschaftliche Tätigkeiten.

„Im Rahmen der Sozialgesetzgebung besteht das Bestreben, Menschen mit Behinderung in den 1. Arbeitsmarkt zu integrieren“, erklärt Olaf Heilig, Geschäftsführer des Sozialpädagogischen Zentrums Hameln-Pyrmont und ebenfalls Mitglied im Behindertenbeirat. „Deshalb erhalten zukünftig Betriebe, die auch behinderte Mitarbeiter beschäftigen, eine bessere Förderung.“ Diese Bemühungen werden nach aktueller Rechtslage schon durch Integrationsämter nach Paragraf 132 des Sozialgesetzbuches finanziell unterstützt, auch wenn die „Werkstätten für Menschen mit Behinderung“ weiterhin als eine Säule der Erwerbstätigkeit von behinderten Menschen zu sehen seien. Doch ein gewöhnlicher Geschäftsbetrieb, der Nichtbehinderte wie Behinderte beschäftige, müsse trotzdem marktfähig sein, benennt er den Stolperstein. Deshalb steht er der Initiative bei der Gründung eines integratives Hofprojektes beratend zur Seite. Die Elterninitiative strebt jetzt zur Realisierung eines Integrationsbetriebes eine Vereinsgründung an. „Im Mittelpunkt steht die Bündelung von wirtschaftlichen und sozialen Kompetenzen sowie die Zusammenarbeit von ehrenamtlichen und professionell handelnden Personen.“ Olaf Heilig, Mareen Joachim und Heinrich Dieck werden auf einem Informationsabend am 6. März um 17.30 Uhr im Sozialzentrum (An der Fried 17) über Auflagen, pädagogische und landwirtschaftliche Aspekte Einblick geben.

Ob es ein Hofprojekt werden soll mit Tieren, Landwirtschaft, einer Tischlerei und einem Café, ein Hotel mit einem kleinen Gemüsegarten oder gar ein Heu-Hotel, das will Maltzahn noch nicht festlegen, sondern gemeinsam mit anderen, an einem solchen Projekt Interessierten, entwickeln. „Jeder, der noch dazu kommt, kann die Richtung mitbestimmen.“ Vor kurzem wurde ihr bereits ein Resthof angeboten. „Doch ich muss erst die Mannschaft haben, bevor ich das Schiff besorge, um zu wissen, wo unsere gemeinsame Schnittmenge sein könnte“, erläutert sie .

Am 18. März soll zur Anschauung der „SOS-Hof Bockum“ in Rehlingen (Heide) besichtigt werden. Wer Interesse hat, mitzufahren, der kann sich bei Steffi Maltzahn unter steffi.maltzahn@t-online.de oder 05281/95037 anmelden.

Steffi Maltzahn, Mareen Joachim (SPZ) und Olaf Heilig erkundigen sich bei Sascha Metz, über die pädagogische Arbeit mit Mensch und Tier bezüglich ihres integrativen Hofprojektes auf einem Löwensener Bauernhof.cg



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