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Als „Cavequeen“ schafft es Tim Koller, Ulk und Botschaft zu vereinen

Nicht mit dem Keulchen aufs Mäulchen

Bad Pyrmont. Auch Homosexuelle sind nur Menschen. Das dürfte wohl die Kernaussage des Stückes „Cavequeen“ von Tim Koller sein, mit dem er am Donnerstag die Gäste im gut besuchten Kurtheater begeistert hat. Die Geschichte ist einfach: Sven wacht im Vorgarten seines Hauses auf, weil ihn sein Freund nach alkoholschwangerer Geburtstagsparty rausgeworfen hat. Da sitzt er nun, eingewickelt in Zeitungspapier mit Handy, um gemeinsam mit dem Publikum die Klischees, mystischen Überhöhungen und subtilen Vorurteile durchzugehen und auf realistisches Maß zusammenzufalten.

veröffentlicht am 30.10.2015 um 16:56 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 09:21 Uhr

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Autor:

Carlhermann schmitt
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Was dabei zuerst ins Auge fällt: So ein tuntiger Hüftschwung mit verdrehten Armen und abgewinkelten Handflächen braucht Talent. Und auch die nasal angehauchten Vokale und gedehnten Frikative brauchen langes Training und sind wohl ebenso wenig auf dem Homo-Gen gespeichert wie die Fähigkeit, sich gut anzuziehen, oder der Hang, alles Geschnippelte Carpaccio zu nennen. Und es fing auch gleich stilecht mit Marianne Rosenberg an. Koller lag hinter einem Busch mit offensichtlich wenig an und fauchte ins Publikum: „Haben Sie noch nie einen nackten Mann hinterm Busch gesehen? Dann gehen Sie doch mal nachts in den Kurpark.“ Während er darauf wartete, dass ihn sein Freund Bruno wieder ins Haus lässt, erklärte er an verschiedenen Tierarten wie Pinguinen, Affen und Giraffen, dass Homosexualität gar nicht so abwegig sei, wie von der Kirche immer behaupte. Er sprach über die schwule Nanny zur Steinzeit, die das Überleben der Art sicherte, und hatte dabei immer einen Kalauer parat: „Nein für den Homo Erectus gab’s nichts mit dem Keulchen aufs Mäulchen. SM ist so Bronzezeit, als Ketten in Mode kamen.“ Er überlegte, ob Onanie nur deswegen von der katholischen Kirche zur Sünde erklärt wurde, damit die Priester bei der Beichte auch ihren Spaß hätten. Und erzählte, dass in Paderborn, nachdem das Priesterseminar geschlossen worden sei, die einzige Schwulenbar dichtgemacht habe.

Koller ließ immer wieder Schoten los, die in jedem Kegelverein für Brüller gesorgt hätten und auch im Kurtheater ihre Wirkung nicht verfehlten. Nie ließ er bei allem Ulk indessen seine Botschaft aus den Augen und so stellte er die Frage: „Warum ist es erschreckender, einen Mann zu sehen, der in der Hand eine andere Männerhand hält, als einen, der in dieser Hand eine Waffe trägt?“

Dass viele Gags unterhalb der Gürtellinie angesiedelt waren, lag in der Natur der Sache. Dass Tim Koller zwei Stunden lang auch diese Zoten gekonnt einsetzte, um eine Lanze für den entspannten Umgang von Menschen miteinander zu brechen, das war den großen Beifall wert, mit dem sich das Publikum bei ihm bedankte.

Mit der Regenbogenfahne zeigt Tim Koller Flagge für einen entspannten Umgang mit Homosexuellen.

yt

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