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Auch Heikko Deutschmann und Robert Stadlober konnten das VGH-Literaturfest nicht retten

Nicht mehr als schmückende Namen

Bad Pyrmont. Also – Heikko Deutschmann und Robert Stadlober haben ganz toll vorgelesen am Samstag im Pyrmonter Kurtheater beim VGH-Literaturfest. Die beiden Schauspieler hätten die rund 120 Gäste aber auch glatt mit dem Kleingedruckten eines Versicherungsvertrags faszinieren können.

veröffentlicht am 23.09.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 15:21 Uhr

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Autor:

carlhermann Schmitt
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Was das prominente Duo las, war allerdings auch nicht wesentlich interessanter als solch ein Vertrag. Aber es klang gut: „Goethe und Schiller – Freunde im Geiste“ ist der Text von Friedrich Dieckmann überschrieben, den sie sich vornahmen. Diese Namen schmücken ungemein. Das klingt nach Bildungsbürgertum, Literatur und Kultur, genauso wie Franz Schubert, von dem „Trio Amum“ vier Stücke spielte.

Aber wenn die VGH-Stiftung damit erreichen wollte, war ihr wahrscheinlich ebenso wenig klar wie dem Zuhörer nach der Veranstaltung, der auf alle Fälle enttäuscht sein durfte, egal welchen Vorbildungsstand er hatte. Nur jeweils aus anderen Gründen. So beklagte sich ein Zuhörer, dass er nicht gekommen sei, um die meiste Zeit eingeführt zu werden in die Thematik. „Ich habe mich auf spannend intonierte Wortwechsel zwischen den beiden Dichtern gefreut. Aber ich habe nur bekannte Literaturgeschichte gehört.“

Und auch als Einführung hat der Text seinen Sinn völlig verfehlt. Er wies hin auf „Sturm und Drang“ im Unterschied zur Epoche der Empfindsamkeit, auf Klassik und Romantik, machte in fast jedem Satz ein neues Fass auf: Hier Wieland, dort Herder, hier Faust, dort Franz Moor und Ardinghello.

Das Ganze hörte sich fast an wie das Register einer Literaturgeschichte. Die wurde dann noch eingerahmt in ein wenig Sozialgeschichte, in der sich der literarische Markt bildet. Klar, dass auch die Lesezirkel der Herzogin Anna Amalia ebenso untergebracht wurden wie die Zeitschriften Thalia oder der Musenalmanach im Zusammenhang mit der jeweiligen Epochenkonstellation.

Wer sollte da folgen? Der, der sich in der Literaturgeschichte auskennt, um die politische Lage weiß, und die entsprechenden Philosophieströmungen kennt, braucht keine derartig ausufernde Auflistung. Und wer nicht in der Materie steckt, dem nützt sie erst recht nichts, da damit nichts erklärt wurde, sondern nur der wissend Nickende vom verstört mit dem Schlaf kämpfende getrennt wurde.

Besonders bedauerlich war, dass sich dieses Drama auch auf der Bühne abspielte, wo die drei Musiker vom Trio Amun außerhalb ihrer kurzen Auftritte sichtlich um Contenance bemüht waren.



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