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Wolfsberater Brede bittet vor Eltern, Jägern und Nutztierhaltern um eine sachliche Diskussion

Nicht der Wolf, der Hund ist das Problem

BAD PYRMONT. Seitdem ein Wolf in Sommersell bei Barntrup zwei Ziegen gerissen hat, gibt es viele Fragen an die Pyrmonter Jäger. Sie haben jetzt gemeinsam mit dem Waldkindergarten Löwensen Wolfsberater Heiko Brede zu einem Infoabend eingeladen. Brede betonte, dass es den bösen Wolf nicht gebe und bat um Sachlichkeit.

veröffentlicht am 16.06.2016 um 12:53 Uhr
aktualisiert am 21.12.2016 um 10:21 Uhr

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Autor:

Hans-Ulrich Kilian

„Wölfe sind an Menschen nicht sonderlich interessiert.“ Wolfsberater Heiko Brede unterstreicht diesen Satz. Er hat aber auch eine andere Feststellung, die aufhorchen lässt: „Zwischen 1950 und 2000 haben Wölfe in Spanien vier Kinder im Alter von zwei bis vier Jahren getötet. Wahrscheinlich waren es Muttertiere.“ Chronischer Nahrungsmangel dürfte der Grund gewesen sein. Den müssen Wölfe in Niedersachsen laut Brede nicht fürchten. „Unsere Wälder sind ein Schlaraffenland für die Tiere“, betont er. Und weltweit gesehen, seien tödliche Übergriffe sehr selten.

Nachdem ein Wolf in Sommersell bei Barntrup Ende März zwei Ziegen gerissen hatte, wurden die Jäger immer wieder mit Fragen konfrontiert. „Wissen ist die Grundlage für jede Diskussion“, stellte Hegeringsleiter Hans-Joachim Böhnke im Ratsaal fest. Gut die Hälfte der Gäste waren Jäger, die andere Hälfte Mütter des Waldkindergartens Löwensen und Nutztierhalter.

Brede, Förster in Diensten des Landes Niedersachsen, hatte jede Menge statistisches Material. Fest steht, dass die Population der Wölfe eine rasende Entwicklung genommen habe, und sie weiter zunehmen werde, denn der Wolf genieße höchsten Schutz. Heute leben schätzungsweise in Niedersachsen 50 bis 70 Tiere. Brede: „Die Ausbreitung ist in vollem Gang, Wölfe können in relativ kurzer Zeit sehr große Entfernungen zurücklegen.“

Es sind, das wurde deutlich, nicht die Jäger und auch nicht die Mütter, deren Kinder im Waldkindergarten betreut werden, die sich wegen des Wolfes Sorgen machen. „Viel eher treffen die Kinder auf einen freilaufenden Hund, als auf einen Wolf“, rückte Sieglinde Patzig-Bunzel vom Kindergartenverein die Relation zurecht. Überhaupt sind laut Böhnke Hunde, die Wild töten, das zurzeit größte Problem. Die Jäger müssen laut Brede auch bei zunehmender Population nicht um ihre Beute fürchten. Sie selber erlegten zudem viermal mehr Rehe, Hirsche oder Wildschweine als ein Wolfsrudel fresse.

Was bleibt und in der Zukunft mit Sicherheit noch zunehmen wird, sind die Sorgen der Nutztierhalter. „Sie müssen versuchen, ihre Tiere so gut wie möglich zu schützen“, riet der Wolfsberater. „Das war lange nicht notwendig.“ Das Land fördere zum Beispiel Zäune und Herdenschutzhunde, gleichwohl hoffe er, dass die Landesregierung noch andere Möglichkeiten finde, die Tierhalter zu unterstützen. Brede riet zu einem sachlichen Umgang mit dem Thema. „Den bösen Wolf gibt es nicht. Er hat genauso viel recht auf einen Platz in der Natur wie ein Schmetterling oder ein Mensch.“

Info: Was tun, wenn der Wolf vor einem steht

Diese Ratschläge hat Wolfsberater Heiko Brede:
- Ruhig bleiben
- Weggehen, wenn der Wolf von sich aus keinen Abstand einnimmt – nicht rennen!
- Hunde anleinen
- Verscheuchen - Nie füttern oder anlocken



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