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Teil 2 zum Ende des Weltkriegs vor 70 Jahren: Die Neuorganisation in Bad Pyrmont und Lügde

Neustart in den Rathäusern

Bad Pyrmont/Lügde. Nachdem die Amerikaner einmarschiert waren und alles besetzt hatten, musste auch die Verwaltungsstruktur beziehungsweise das weitere Leben organisiert werden. Im Zuge des Einmarsches waren zunächst Tabaklager in Bad Pyrmont und Lügde ausgeräumt und Zwangsarbeiter befreit worden. Es kam hier und da zu Übergriffen, sodass überall unbescholtene Bürger ohne politische Vergangenheit als Hilfspolizisten eingesetzt wurden. Mein Großvater Heinrich Reese war in Lügde einer der von Mai bis Ende Juli dieses Jahres eingesetzten Hilfspolizisten. Er berichtet darüber: „Wir waren hauptsächlich abends und in der Nacht tätig. Als Bezahlung gab es pro Einsatz 5 Reichsmark und 5 Zigarren.“

veröffentlicht am 09.04.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 18:41 Uhr

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Autor:

manfred willeke
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Schon im April 1945, nach dem Einmarsch der Amerikaner, agierten britische Besatzungsangehörige, um die Amerikaner von den Verwaltungsaufgaben zu entbinden. Am 30. Mai 1945 wurde Feldmarschall Bernhard Law Montgomery offiziell als Oberbefehlshaber der britischen Besatzungszone eingesetzt, zu der auch Bad Pyrmont und Lügde gehörten. Zunächst wurden nun sogenannte Übergangsausweise ausgestellt und alle Bürger mussten, wie zum Beispiel in Lügde, bereits ab 3. Mai Fragebogen zu ihrer Person ausfüllen. Darin waren neben dem Namen und Geburtsdatum, 131 Fragen zur Schulbildung, Ausbildung, Beruf, Militärzeiten, Mitgliedschaft in Parteiorganisationen der NSDAP, Angaben über das Vermögen, militärische Ehrenzeichen, Sprachkenntnissen und vieles mehr zu beantworten. Wer etwas verschwiegen hatte, so war es deutlich am Anfang dieser Fragebogen zu lesen, wurde von der Militärregierung streng bestraft.

Ruheständler wird erster Bürgermeister

Um diese Verwaltungsaufgaben bewältigen zu können, hatten bereits die Amerikaner Bürgermeister ernannt. In Bad Pyrmont wurde der seit 1942 im Amt befindliche Bürgermeister und Landrat a.D. Richard Seebohm am 7. April 1945 verhaftet und am 9. April 1945 der in Bad Pyrmont im Ruhestand lebende Emil Bautz als Bürgermeister eingesetzt. Die Stelle des Kurdirektors, die der am 13. März 1945 verstorbene Georg Gallion inne hatte, blieb zunächst unbesetzt. Erst am 1. Mai 1946 ernannte der Regierungspräsident in Hannover Friedrich Wilhelm Stoltze zum neuen Kurdirektor.

In den damals noch selbstständigen heutigen Ortsteilen Bad Pyrmonts wurden folgenden Bürgermeister eingesetzt: Baarsen, seit April 1945 Landwirt Fritz Eickermann sen. / Neersen, seit April 1945 Mittelschulrektor Detmar Hencke / Eichenborn, seit April 1945 Land- und Gastwirt Heinrich Ruppert / Großenberg, seit April 1945 Landwirt Karl Reese / Kleinenberg, seit Mai 1945 August von der Heide / Hagen, der bisherige Bürgermeister Wilhelm Lindhorst blieb zunächst im Amt / Löwensen, der bisherige Bürgermeister Karl Wöltje blieb zunächst im Amt / Thal, der bisherige Bürgermeister Karl Böke blieb zunächst im Amt.

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Emil Bautz, Bürgermeister in Bad Pyrmont von April bis Dezember 1945.

Im Herbst/Winter 1945 (hauptsächlich im November und Dezember) wurden von der britischen Militärverwaltung zum Teil neue Bürgermeister und auch ernannte Gemeinderäte eingesetzt, die bis zur ersten freien Wahl im September 1946 im Amt blieben. Dies waren in Bad Pyrmont Bürgermeister Architekt Heinrich Mogk und Stadtdirektor Dr. jur. Werner Schulz. Dem Rat gehörten Franz Mühsam, Elisabeth Hoffmeier, Hilde Baumgarten, Gertrud Graf geb. Mittag, Wilhelm Tangermann, Louis Mücke, Ludwig Binder, Hermann Mundhenk, Friedrich-Wilhelm Nolte, Kurt Stuckenbrock, Dr. Paul Tappe, Dr. Hans Lenrtodt, Carl Grossmann, August Potthast, Hermann Wittel, Walter Moebius, Christian Zetzsche, Fritz Drinkuth, Fritz Pfennig und seit März 1946 auch Maria Höfer an. In Baarsen blieb Fritz Eickermann sen. Bürgermeister, Gemeindevertreter waren Willi von der Heide, Ludwig von der Heide, Heinrich Hundertmark, Christian Köster, Ferdinand Giebel, Fritz Stuckenberg, August von der Heide, August Hamann, Frieda Steinmeier, Dr. Heinz Lohrer und seit Frühjahr 1946 auch Fritz Steinhage und August Kipp. Der Gastwirt August Meier fungierte in Neersen als Bürgermeister, dem Gemeinderat gehörten Erich Dreyer, Christian Pfennig, Friedrich Grages, Karl Meier, Friedrich Zurmühlen, August Henne, August Meyer, Johann Moniac, Paul Weier, Else Mikeler und seit Frühjahr 1946 auch August Wilke und August von der Heide an. Eichenborn wurde von dem Land- und Gastwirt Heinrich Ruppert als Bürgermeister geführt, dem als Gemeindevertreter Erich Winter, Heinrich Wesemann, Gustav Epp, Friedrich Klinge, Adele Hartmann, Georg Mergel, August Steinhage und seit Frühjahr 1946 Heinrich Brinkmann zur Seite standen. In Großenberg blieb der Landwirt Karl Reese Bürgermeister, dem Gemeinderat gehörten Heinrich Köhler, Heinrich Wöltje, Wilhelm Henjes, Arnold Klenke, Marta Klenke, Hans Dilbat, seit 1946 auch Heinrich Kleinsorge und August Pfennig an. In Kleinenberg war der Landwirt August von der Heide Bürgermeister, seit im Juni 1946 von Walter Meine abgelöst wurde. Gemeindevertreter waren Friedrich Wesemann, Heinrich Mergel, Heinrich Meier, Eduard Keuneke, Aenne Hess-Jassay, Friedrich Gödeke und Elise Gellner. Seit November 1945 war Heinrich Meier Bürgermeister in Hagen, der am 22. Januar 1946 Gemeindedirektor wurde. Bürgermeister wurde dann Robert Mundhenk, Gemeindevertreter Fritz Angermann, Robert Wieneke, Fritz Pulver, Christian Wiemann, Fritz Köster, Willi Deppe, Emil Henjes, Heinrich Greinert (Waldarbeiter), Wilhelm Fricke, Heinz Brauer, Alwine Strumberg (für die letzten beiden dann Heinrich Greinert (Tischler) und Robert Mundhenk). In Löwensen war seit Dezember 1945 Hermann Lange Bürgermeister, der am 8. Januar 1946 Gemeindedirektor wurde. Bürgermeister wurde dann Heinrich Bock. Dem Gemeinderat gehörten Friedrich Drewes, Karl Rüß, Emil Holzen, Heinrich Bock, Adolf Oelschläger, Karl Pieper, August Pieper, August Blanke, August Kloh, Martha Riepe, Frieda Kleine und Hans-Heinrich Barth an. In Thal war seit September 1945 Carl Bremer Bürgermeister, der am 12. April 1946 Gemeindedirektor wurde. Bürgermeister wurde dann Friedrich Griese, Gemeindevertreter Friedrich Griese, August von der Heide, August Struck, Heinrich Ritterbusch, Julius Maschmeier, Wilhelm Ringe, Meta Blanke, Herta Ringe, Jakob Müller und Heinrich Struck.

In Lügde war seit 1943 Christian Rodeck als Bürgermeister und Stadtdirektor tätig, der von den Amerikanern im April 1945 abgesetzt und dafür der vormalige Bürgermeister Alois Starp als Bürgermeister und Stadtdirektor eingesetzt wurde und auch nach den ersten Wahlen im Amt blieb. Der in Harzberg tätige Bürgermeister Heinrich Kuhle blieb zunächst kommissarisch im Amt, weil der Ort ohnehin keine große Bedeutung hatte und von Lügde aus mit verwaltet wurde. Im Herbst 1945 wurde von der Militärregierung in Lügde Schneidermeister Karl Wulf als ehrenamtlicher Bürgermeister und als sein Stellvertreter Tischlermeister Friedrich Eggert eingesetzt. Dem ernannten Gemeinderat gehörten Josef Blum, Wilhelm Ottolin, Franz Schlieker, Ferdinand Trope Eduard Vielhaus, Heinrich Knake, Heinrich Pape, Eduard Schlieker, Anton Willeke, Franz Bowinkelmann, Josef Friese, Franz Hohmann, Josef Platte, Johann Mund, Creszens Stichternath und Berta Kastler an.

Die eingesetzten Bürgermeister und ernannten Stadt- und Gemeinderäte und Gemeinderätinnen in Bad Pyrmont und Lügde hatten großen Einfluss auf die Neuorganisation der Verwaltung und schließlich auch auf die erste demokratische Kommunalwahl nach dem Krieg, die in der Stadt Bad Pyrmont, deren heutigen Ortsteilen und in der Stadt Lügde und Harzberg am 15. September 1946 stattfanden. Sie legten den Grundstein für die Bundesrepublik und unsere Demokratie.



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