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Soziologe warnt vor falschen Erwartungen

„Neues Wohnen kann die Familie nicht ersetzen“

Bad Pyrmont (rr). Der Soziologe und Stadtplaner Dr. Albrecht Göschel hat sich für innenstadtnahe Wohnprojekte über Generationen hinweg ausgesprochen, wo Jung und Alt barrierefrei, also ohne Barrieren zwischen den Altersstufen, aber auch im architektonischen Sinne leben. „Da muss man den Mut haben, auch einmal Bauruinen zu akzeptieren“, sagte er. Mit dem Vortrag von Dr. Göschel eröffnete die Stadtsparkasse Bad Pyrmont am Mittwochabend im Konzerthaus ihre Projektreihe zum Thema „Barrierefreies Bauen, Wohnen und Leben für alle“.

veröffentlicht am 11.06.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 02:41 Uhr

Dr. A. Göschel
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Wie 350 deutsche Kommunen zählt Bad Pyrmont zu den 20 westdeutschen Städten, die bis 2025 mit einem Bevölkerungsrückgang rechnen müssen. Die Stadtsparkasse will ihren Beitrag mit dem „Wohnpark Alt Bathildis“ leisten, der generationsübergreifendes Wohnen möglich machen soll. Dr. Göschel sieht akuten Handlungsbedarf, die öffentliche Infrastruktur adäquat anzupassen. Zu den zukunftsfähigen Modellen zählt er Wohnformen, die keine Wohngemeinschaften, sondern autonome Wohnungen mit höchstens mal einem Gemeinschaftsraum seien. „Es dürfen keine Konstrukte sein, die Konflikte erzeugen“, warnte er. Von kleinen Wohnobjekten bis hin zu vielen zusammenhängenden Häusern reichen die verschiedenen Wohnformen, wichtig sei es aber, klare Rahmenbedingungen zu setzen und streng damit umzugehen. Vermieden werden müsse ein „Heimcharakter“.

Allerdings sei die Vorstellung, altersübergreifendes Wohnen könne die Familie in ihrem traditionellen Generationenverbund ersetzen, irrig. Zu unterschiedlich seien Wertevorstellungen, Erziehungskonzepte oder auch eigene Bedürfnisse. „Allein beim Thema Erziehung von Kindern in Wohnprojekten scheiden sich die Geister: Richtige Erziehung? Was ist das? Da haben die Leute eine Höllenangst, dann wird die Brut nicht so, wie man sie sich vorgestellt hat.“ Wesentlich für konfliktarmes Zusammenleben seien sozial homogene Gruppen, wobei die Schichtenzugehörigkeit, meistens zur Mittelschicht, mit relativ ähnlichen Verhaltensnormen und -formen, die besten Voraussetzungen biete.

Am Beispiel Tübingens erläuterte Dr. Göschel, dass heute bereits etwa 20 bis 25 Prozent der Stadtbevölkerung in intergenerativen Projekten leben, auf lange Sicht gesehen eine enorme Einsparung im Bereich der städtischen Dienstleistungen, da in 20 bis 25 Jahren keine kommunalen Einrichtungen mehr nötig seien. In Bad Pyrmont könne man Altenwohnen in allen Facetten – auch beim „Wohnpark Alt Bathildis“ – als Chance ansehen, die Stadt zu profilieren. Neben dem Nutzen individueller Lebensformen für Gruppen entstünden auch für die Kommune große Vorteile.



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