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Konzert mit dem Göttinger Symphonie Orchester: Große Musik aber eine fragwürdige Reihenfolge

Nach wenigen Takten tiefes Trauerschwarz

Bad Pyrmont. Im 4. Sinfoniekonzert lud das Staatsbad Pyrmont am Abend vor Ostern zu einer Reise in wirklich völlig verschiedene musikalische Welten ein. Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierkonzert C- Dur, KV 503 und aus Anlass des 200. Todestages von Joseph Haydn dessen für die katholische Kirche über 150 Jahre bedeutendstes kirchenmusikalisches Werk „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuz“ (in der Orchesterfassung) – in dieser Reihenfolge jedenfalls ein Paradoxon. Denn was in dem Klavierkonzert an vorösterlicher Frühlingsstimmung aufgebaut wurde, warf den Hörer im zweiten Teil nach wenigen Takten in tiefes Trauerschwarz des Karfreitags zurück. Die Frage an die Regie: Warum diese Reihenfolge?

veröffentlicht am 13.04.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 10:41 Uhr

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Autor:

Winfried Kühne
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Der Solist Hinrich Alpers am Klavier präsentierte sich mit dem Göttinger Symphonie Orchester unter der umsichtigen Leitung seines Chefdirigenten Christoph Mueller als versierter Mozartspieler. Er ließ sich von dem strahlenden Orchesterklang mit Pauken und Trompeten nicht verführen zu Virtuosität und Brillanz – die waren natürlich auch da.

Er spielte, beinahe beiläufig, ausgerichtet vor allem auf den Klang, auf die Unterschiedlichkeit der Farbgebung, Stimmungswechsel ergaben sich aus dem Moment, urplötzlich, überraschend und mit von Mozart bevorzugten Rubati. Diese wie improvisiert wirkenden musikalischen Einfälle, Temporückungen, hielten das Interesse immer wach. An Herzlichkeit und Innigkeit nicht zu überbieten war die Zugabe: „Erinnerung“ von Robert Schumann aus dem Album für die Jugend, komponiert am Todestag seines geliebten Freundes Felix Mendelssohn- Bartholdy!

J. Haydns Karfreitagsmusik in einer Folge von sieben Adagio-Sätzen mit einer gewichtigen Introduktion und einem Presto Finale, der orchestralen Dramaturgie des biblisch verbrieften Erdbebens, stellen an Spieler wie Hörer höchste Anforderungen. Ein Kompliment den Göttingern! Sie haben bis zur letzten Note die Spannung gehalten, intensiv, engagiert Haydn‘sche Orchestersprache außerhalb der uns bekannten Sinfonien verlebendigt. Große Musik, die deutlich machte, dass der Mittfünfziger Haydn alle Stilmittel des Barock und der Klassik beherrschte. Wie für dieses Auftragswerk der Domherren im spanischen Cádiz vorgesehen, wurde vor jedem Satz das Jesuswort gelesen.

Rezitator an diesem Abend war Detlef Block, der ehemalige Pastor an der Stadtkirche. Er stellte einen Bezug zur Bedeutung der einzelnen Bibelworte für den Menschen von heute durch Texte zeitgenössischer Autoren her. Fragen, die nur jeder selbst beantworten kann, wie „Kann ich vergeben?“, „Wonach dürste ich?“ und „Gehorche oder befehle ich zu viel?“ Eigentlich verbietet sich nach solch einem Werk der Applaus. Man könnte sich auch schweigend eine Minute erheben. Aber dazu hätte es eines Programmzettels bedurft, der an diesem Abend von vielen vermisst wurde.

Haydns Karfreitagsmusik: Dem Orchester gelang es unter der Leitung seines Chefdirigent Christoph Mueller, die Spannung bis zur letzten Note zu halten.

Foto: ein



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