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Zwischen Deutschland und Marokko: Lesung im Gymnasium

Mona Ameziane: Schon ein Blick kann rassistisch sein

BAD PYRMONT. Mona Ameziane (27) ist Journalistin und hat sowohl deutsche als auch marrokanische Wurzeln. Im Pyrmonter Humboldt-Gymnasium hat sie jetzt im Rahmen der Aktion „Schule ohne Rassismus“ aus ihrem Buch gelesen.

veröffentlicht am 02.11.2021 um 15:50 Uhr

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Reporterin

Als Kind eines marokkanischen muslimischen Vaters und einer deutschen katholischen Mutter hat die Journalistin Mona Ameziane (27) zwei Welten kennengelernt und wurde „zwischen Zuckerfest und Weihnachten“ von ihren Eltern, wie sie erzählt, „mit den besten Werten und Normen aus beiden Religionen und Kulturen vertraut gemacht“.

Als Journalistin und Autorin ist sie befreundet mit Vassili Golod, gebürtiger Pyrmonter und jetziger WDR-Redakteur in Köln, der die Aktion „Schule ohne Rassismus“ des Humboldt-Gymnasiums als Pate begleitet. So konnte sie für eine Lesung aus ihrem Buch „Auf Basidis Dach“ im Musikpavillon der Schule gewonnen werden.

Herzlich begrüßt von Schülern und Schülerinnen („Wir freuen uns total“) der Jahrgänge acht bis zehn, las die Autorin am Montagmorgen ungezwungen und offen aus ihrem Erstlingswerk, das sie nach einer Reise mit ihrem Vater durch dessen Ursprungsland geschrieben hat. Zunächst brach sie eine Lanze für das Medium Buch, mit dem sie sich auch in ihren Sendungen beim WDR-Sender 1 Live beschäftigt. Sie wolle das Bücherlesen, das mindestens so cool sei wie eine Fernsehserie, „aus der Streberecke rausholen“ und auch jungen Menschen vertraut machen, erzählte sie.

Als kurioses Kapitel schilderte Mona Ameziane ein Erlebnis, das sie als Gastschülerin in Marokko hatte. Mit der Landessprache noch wenig vertraut, ließ sie sich von einigen Jungs aus ihrer Klasse das Wort „Herz“ übersetzen. Und wendete dies dann auch gleich gegenüber einem Lehrer an mit dem Satz: „Ich habe ein großes Herz“ – nicht wissend, dass das Wort gleichzeitig für „Hoden“ stand. In Marokko ein „unaussprechliches“ Wort, wie sie sagt.

„Wie viel von mir ist Marokko?“ Aber auch: „Was hat Alltags-Rassismus mit mir zu tun?“ Das sind Fragen, die Mona Ameziane für sich und ihre Leser und Leserinnen beantwortet wissen wollte. Da sie im Heimatland ihres Vaters nur in einer privilegierten Gesellschaftsschicht lebte, sei ihr dort Rassismus nicht widerfahren, räumte die Autorin ein. In Deutschland bereitete ihr Unbehagen die Begegnung mit einem Paar, das ganz offensichtlich aus der rechtsradikalen Szene kam und das sie an ein Erlebnis ihrer marokkanischen Großeltern erinnerte, die bei einem Besuch in Deutschland als „Scheiß-Schweinetruppe“ beschimpft wurden.

„Aber Rassismus muss nicht immer offene Beschimpfung sein. Er kann auch latent im Kopf geschehen, in Blicken oder scheinbar harmlosen Fragen“, sagte die Autorin. Und erzählte von sich selbst, wie sie vor einem Flug nach Agadir bei jedem bärtigen Moslem einen Sprengstoffgürtel vermutete. Dass allerdings der oft gehörte Satz „Aber wo kommst du eigentlich her?“, der für viele Menschen mit exotischem Aussehen schon als rassistisch gewertet wird, oft einfach auf echtem Interesse beruhe, wurde sowohl von Mona Ameziane als auch von Vassili Golod aus Erfahrung eingeräumt.

Auch wenn in der anschließenden Diskussion mit den Schülern und Schülerinnen keine „tiefschürfenden“ Fragen gestellt wurden, ließen die aufmerksame Stille während der Lesung und die späteren Gespräche zwischen den Jugendlichen doch ihr Interesse an der Lesung vermuten.



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