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Was die Arbeit an der Spitze des Seniorenbeirats ausmacht – Hans-Georg von Bodecker zieht Bilanz

„Möglichst vielen eine Hilfe und Stütze sein“

Bad Pyrmont. An seine erste Beratungsstunde im Pyrmonter Rathaus erinnert sich Hans-Georg von Bodecker genau. „Da hatte gerade der allfrisch-Supermarkt im Postweg zugemacht, und ein Ehepaar kam zu mir und fragte völlig ratlos: ,Wo sollen wir denn jetzt unser Spreewald- Leinöl kaufen?’“ Der damals neu gewählte Vorsitzende des Pyrmonter Seniorenbeirats sagte ihnen, „wenn sie da immer nur Leinöl gekauft haben, dürften sie sich nicht wundern, dass der Laden schließen musste“.

veröffentlicht am 05.08.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 18.01.2017 um 11:28 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Sieben Jahre lang stand Hans-Georg von Bodecker an der Spitze des Seniorenbeirats. Doch nach zwei Amtszeiten soll nun Schluss sein. „Schon 2004 habe ich mich eigentlich nur breitschlagen lassen“, gesteht der pensionierte Offizier. Doch dann sei für ihn klargewesen: „Wenn ich etwas mache, dann hundertprozentig.“ Eine zweite Wahlperiode hängte er schließlich dran, weil sich kein Nachfolger fand. „Ich war damals wie ein Handelsreisender unterwegs und habe bestimmt anderthalb Dutzend Persönlichkeiten gefragt“, erinnert er sich. Und es dürfte sein soldatisches Pflichtgefühl gewesen sein, das ihn verlängern ließ, um den Bestand des Beirats zu sichern. Denn: „Eine Stadt der alten Menschen braucht einen Seniorenbeirat.“

Das sieht er immer noch so. Doch jetzt ist er froh, dass sich in Annegret Webel eine Kandidatin für den Vorsitz gefunden hat. „Ich hoffe, dass wir den Acker so bestellt haben, dass die Neuwahlen reibungslos geschehen können und die Kontinuität sichergestellt ist.“ Der Vorstand habe sich immer bemüht, möglichst vielen älteren Menschen eine Hilfe und Stütze zu sein. „Ein Schwerpunkt ist natürlich die Beratung“, sagt von Bodecker und erinnert sich an eine Frau, die von knapp 370 Euro Grundsicherung leben musste. Weil die Rentnerin keinen Anspruch auf einen weiteren Zuschuss hatte, „sehen wir dann die Not und können nicht helfen“, schildert der 74-Jährige die Lage. Dank seines zweiten Ehrenamts als Vorsitzender der Johanniter-Hilfsgemeinschaft widerfuhr der Frau dennoch Unterstützung: „Wir haben ihr Päckchen gebracht“, erzählt er. „So bekam sie Butter, Schnittbrot und Quark.“

Einer anderen Frau, die von einer Kleinstrente in einer völlig überdimensionierten Wohnung lebte, steckte von Bodecker jeden Samstag den Wohnungsteil der Pyrmonter Nachrichten in den Briefkasten, bis sie die passende Bleibe fand. Und immer wieder haben er und seine Mitstreiterinnen auch den Stift gezückt und alten Menschen geholfen, Beihilfeanträge auszufüllen.

Manche Ältere sind nach von Bodeckers Überzeugung aber vor allem einsam. „Sie brauchen jemanden, der ihnen zuhört.“

Wenn von Bodecker auf das mit seinem Vorstandsteam Erreichte blickt, fallen ihm aber schnell auch handfeste Ratschläge ein, die Experten bei diversen Vorträgen gaben – so etwa über die Rentenbesteuerung, Betreuungs- und Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht. Und er vergisst auch das Pflegeforum, die Heimbeiräte und den Pflegeführer nicht.

Stolz ist er, dass der Seniorenbeirat durchgesetzt hat, politische Sitzungen nicht nur besuchen, sondern dort auch reden und Anträge stellen zu dürfen. Ebenso kann er auf der Haben-Seite den neuen Bewegungspark verbuchen, für den der Seniorenbeirat 25 000 Euro Spenden aufgetrieben hat. „Das war ein mühsames Geschäft“, sagt er. „Insbesondere die großen Kliniken haben sich vornehm zurückgehalten.“ Was ihn dafür – wie überhaupt der Kontakt zu Jugendlichen – umso mehr freut: „Das Jugendparlament hat 1000 Euro gespendet.“

Allerdings betont er, mit Blick in Richtung Rathaus: „Die Anlage ist erst vollendet, wenn jedes Gerät eine feste Unterlage hat und sie eine ansprechende gärtnerische Gestaltung bekommt.“ Dafür, dass die Geräte in der ersten Zeit nicht vom herabtropfenden Sekret der Lindenbäume klebten, habe der Beirat durch allmorgendliche Wasch-Aktionen selbst gesorgt. Mit Blick auf das Unerledigte betont er: „Spenden werden immer noch gern entgegengenommen.“

Ein Erfolgsrezept für die Beiratsarbeit hat von Bodecker zwar nicht. Nur soviel: „Es kommt auf die richtige Mischung von Diplomatie und Nachdruck an.“ Wer den Entscheidern nur vors Schienbein trete, erreiche nicht viel.

Apropos: Was wünscht er sich für die Senioren in der Kurstadt, das es bisher nicht gibt? Da fällt ihm sofort „ein erschwinglicher Senioren-Mittagsstammtisch“ ein.

Über das Absenken von Bürgersteigen ist der Pyrmonter Seniorenbeirat nach seiner Einschätzung zwar längst hinweg, „aber wir werden tätig, wenn wir die Notwendigkeit sehen“ – nicht nur bei Bordsteinen, sondern auch bei in Stirnhöhe aufgehängten Verkehrsschildern oder fehlenden Zebrastreifen.

Und welche Botschaft hat der scheidende Beirats-Chef an die älteren Menschen in der Kurstadt? „Sie sollten sich nicht isolieren, sondern das vielfältige Angebot Bad Pyrmonts nutzen. Denn nicht alles kostet horrende Summen.“

Und was wird Hans-Georg von Bodecker ohne seinen Job an der Spitze des Seniorenbeirats machen? „Ich werde vermehrt in Konzerte gehen und mich um meine Familie kümmern. Denn man weiß nie, wie viel Zeit einem der Herrgott noch gibt.“

„Das war ein mühsames Geschäft“, sagt Hans-Georg von Bodecker über die Suche nach Sponsoren für den Bewegungspark. Und er betont: „Spenden werden immer noch gern entgegengenommen.“ Allerdings will sich der 74-Jährige demnächst aus dem Gremium verabschieden.

Foto: jl



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