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Das Leben ist nur ein Augenaufschlag

Modjgan Bidardel über die Glaubensgemeinschaft der Bahai

BAD PYRMONT. Modjgan Bidardel, im Iran geboren, in Großbritannien groß geworden, über 30 Jahre in Deutschland verheiratet, ist Angehörige der Bahai-Gemeinde in Bad Lippspringe. In Deutschland sollen rund 6000 Menschen dieser Glaubensrichtung angehören. In Bad Pyrmont hat sie nun einen Einblick in ihre Religion gegeben.

veröffentlicht am 07.12.2018 um 18:31 Uhr

Modjgan Bidardel von der Bad Lippspringer Gemeinde der Bahai gab einen Einblick in ihre Religion. Foto: ti
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Autor

Klaus Titze Reporter
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Es ist wohl schon ein im Hospizalltag verwurzeltes Ereignis, dass die Geschäftsleitung gemeinsam mit dem Pflegebereich und dem Pyrmonter Ärzteverein Fragen darüber zu beantworten versucht, wie Menschen anderer Kulturen oder Religionen mit dem Sterben umgehen, welche Bräuche mit dem Tod verbunden sind. Dies auch, um zu verstehen, was Angehörige sich wünschen, welche Bedürfnisse sie haben, um den Schmerz zu überwinden und Trauer ausdrücken zu können.

So gab es schon etliche Sichtweisen, die in dem Versammlungsraum des Hospizgebäudes im Friedensthal zu hören waren, beispielsweise welche Einstellungen Juden, Muslime oder Hinduisten zum Leben und Sterben haben und durch welches Zeremoniell sich das ausdrückt. Nun war mit den Bahai eine Religionsrichtung vorgestellt, die vielen wohl eher unbekannt sein dürfte.

Dabei handelt es sich um eine recht junge Entwicklung, die Mitte des 19. Jahrhunderts im Iran ihren Ursprung hatte. Inzwischen ist sie nach Aussage von Modjgan Bidardel weltweit in fast jedem Staat vertreten. Zentrum des Glaubens sei mit einem Andachtshaus und Mausoleum Haifa. Modjgan Bidardel, im Iran geboren, in Großbritannien groß geworden, über 30 Jahre in Deutschland verheiratet, ist Angehörige der Bahai-Gemeinde in Bad Lippspringe. In Deutschland sollen rund 6000 Menschen dieser Glaubensrichtung angehören.

Der 1964 eingeweihte Bahai-Tempel in Hofheim am Taunus. Das Land Hessen nahm das Gebäude 1991 in den Kreis der Kulturdenkmäler auf. Foto: dpa
  • Der 1964 eingeweihte Bahai-Tempel in Hofheim am Taunus. Das Land Hessen nahm das Gebäude 1991 in den Kreis der Kulturdenkmäler auf. Foto: dpa

Laut der Referentin ist der Glaube monotheistisch, geht von dem Glauben an einen Gott aus. Dabei werden Propheten wie Moses, Jesus und Mohammed als Boten Gottes angesehen, die mit ihrem Wirken den Menschen Zeichen gaben, sich zu Gott hinzuwenden und ein ehrwürdiges Leben in Liebe zueinander und ohne Gewalt zu leben.

Ähnlich wie in den anderen Religionen gehen auch die Bahai davon aus, dass der Körper nur ein vorübergehender Aufenthaltsort für die Seele ist, die als unsterblich, unvergänglich angesehen wird. Das Leben in dieser Welt sei nur ein Augenaufschlag zu der Ewigkeit der Seele, deren Aufgabe es sei, sich in die Welt Gottes zu begeben, eine Welt, die von Liebe erfüllt sei und in der es somit keine Ängste gebe.

Befragt, ob es neben Geboten auch Verbote gebe, lachte Bidardel herzlich und berichtete, dass lediglich Alkohol und Drogen verboten seien, da sie die Sinne raubten und es wichtig sei, dass der Mensch mit allen seinen Sinnen lebe. Eines der höchsten Gebote sei, keine üble Nachrede zu betreiben. Sie erzeuge Hass und verderbe nicht nur das Opfer, sondern auch den Handelnden. Ansonsten seien alle Alltagsfreuden erlaubt und jeder Mensch könne so leben, wie es ihn glücklich mache.

Ein Sterbender werde mit Gebeten und Meditation begleitet. Dabei seien Hilfen, die ihm die Situation erleichtern, durchaus zugelassen. Allerdings gebe es in ihrem Glauben keine Feuerbestattung. Der Leichnam werde nach der Waschung stets in einem Sarg bestattet. Sehr wichtig sei für die Bahai eine gute Bildung, insbesondere für die Frauen, die eine besonders anerkannte Rolle in der Gemeinde hätten. In ihrer Religion gäbe es keine Unterdrückung oder Nachrangigkeit, jeder Mensch sei als Individuum wichtig.

Insgesamt, so Dr. Hans-Hermann Zimny, der als Vorsitzender des Pyrmonter Ärztevereins die Moderation übernahm, habe er den interessanten Schilderungen von Modjgan Bidardel entnommen, dass es eine sehr progressive und ausgesprochen friedliche Religion sei und die Begegnung mit einem Mitglied dieser Gemeinde einige interessante Informationen für die Zuhörenden hatte.



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