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Neue Ausstellung „Ungeheuer im Schloss“

Mit spitzer Feder im doppelten Sinne gezeichnet

Bad Pyrmont. Ein Papst, dem der Gekreuzigte nur so um die Ohren fliegt, ein kleines niedliches Mädchen mit einem Hitlerbart oder ein geiles Mannsbild, das seinen Hals endlos verrenkt, um einer Dame unter den Rock zu gucken: Es ist nicht alles kindgerecht, was die neue Ausstellung im „Museum im Schloss“ mit Illustrationen und Plastiken von Norman Junge und Nikolaus Heidelbach bietet.

veröffentlicht am 25.11.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 06:21 Uhr

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Autor:

Karin Heininger
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Die „Ungeheuer im Schloss“, so der Titel der am Freitag eröffneten Schau, sind eher etwas für die ganze Familie, mit einigen Aspekten auch für Kinder. So wie die „Kleine Kunstgeschichte des Malers Moll“ von Norman Junge, die im Treppenhaus präsentiert wird. Eine witzige Hasengeschichte über einen Mümmelmann, der viel Farbe verspritzt, Stahlnägel verbraucht, Mohrrüben malt und sogar seine Werke auf den Kopf stellt (Baselitz lässt grüßen). Als er träumt, dass er ein Ohr verliert, „malt er sich mit drei Ohren, so geht ihm keines mehr verloren“.

Ein Baby, das stolz auf seinem leiterhohen Stühlchen sitzt („Erst komm ich“) ist als Werk von Nikolaus Heidelbach der drollige Hingucker über dem Kamin im Festsaal der Beletage. Das interessiert auch Sofia (7) und Sascha (5) aus Hannover, die am Tag nach der Eröffnung mit ihren Eltern durch die Ausstellung schlendern und einige Plastiken von Norman Junge als Kunst zum Anfassen erkunden. So wie das Klavier, dessen einzige Taste beim Drücken gegen ein Sägeblatt schlägt und einen schrägen Ton produziert. Mit einem „Triumphbogen“, der so kriegsversehrt wie viele Soldaten auf Krücken daher kommt, oder einer „Klatschmaschine“ nimmt Junge unsere Welt kritisch unter die Lupe.

Ähnlich tut dies Heidelbach, wenn er gängige Sprichwörter, die er gemeinsam mit Karl Simrock in einem Buch gesammelt hat, auf ihre Wortwörtlichkeit untersucht. Zum Beispiel „Eine „fleißige Hausfrau ist die beste Sparbüchse“ - was man am breiten Schlitz für die Geldscheine auf ihrem Rücken sieht.

3 Bilder

Ob nun kindgerecht oder nicht – eins haben die Illustrationen im Schloss gemeinsam. Sie sind mit spitzer Feder im doppelten Sinne gezeichnet, sind mit äußerster Akribie, Beobachtungsgabe und treffender Charakterisierung gefertigt - sie sind brillant gezeichnet. Das trifft besonders auch auf Heidelbachs Illustrationen zu Franz Kafkas „Gelegenheit zu einer kleinen Verzweiflung“ zu, die in jeder Phase eine geradezu geniale Technik verraten.

Das im Titel vorgegebene Charakteristikum der Ungeheuer sah der Kurator der Ausstellung, Thomas Linden, bei der Eröffnungsrede als das „Fremde, Abgründige, das sich in Vertrautes, Heimeliges einschleicht“. So wie in Heidelbachs Geschichte „Mein Freund Heinrich“, bei der das Gruselige und zugleich Skurrile in der Selbstverständlichkeit liegt, mit der ein Gerippe mit Todesschädel als gleichwertiger Kumpel akzeptiert wird. „Der Nonsens nimmt Gestalt an. Eine ungemütliche Komik zeichnet die Werke der Künstler aus“, betonte der Kurator.

Pfiffige Ideen prägten die Bildersprache für Kinder und Erwachsene, befand Museumsleiter Dr. Dieter Alfter bei der Vernissage, die wegen der Umgestaltung der Museumsetage im Kommandantenhaus stattfand. Gefördert wurde die Schau vom Museumsverein, dessen Vorsitzender Klaus-Henning Demuth sah diese 27. Bilderbuch-Ausstellung als „ungewöhnlich spannend“ an. Die stellvertretende Bürgermeisterin Sieglinde Patzig-Bunzel versicherte: „Die Ungeheuer werden sich hier wohlfühlen und vielleicht sogar dem Schlossgespenst Friedrich begegnen, von dem man lange nichts gehört hat“.

Die Ausstellung ist bis zum 26. Januar täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr zu sehen (24., 25. und 31. Dezember geschlossen).

Ziemlich beste Freunde, wenn auch etwas skurril: Darstellungen wie diese aus dem Buch „Mein Freund Heinrich“ von Nikolaus Heidelbach gehören zu dem, was Kurator Thomas Linden „ungemütliche Komik“ nennt. Hei (4)

„Erst komm ich“: Ein selbstbewusstes Baby, gemalt von Nikolaus Heidelbach, hat die fürstlichen Herrschaften über dem Kamin verdrängt.

Norman Junge

mit seiner Skulptur „Triumphbogen“ - einem Monument auf Krücken.



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