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Mit dem Pyrmonter Benz durch die Wüste

Von Tomas Krause

Bad Pyrmont. Wüstensand unter den Rädern, davon träumen Michael, Ingrid, Daniel, Margit, Gero und Birte. Sie nennen sich „HamBaJo“ – und nehmen teil an der „Allgäu-Orient-Rallye“ 2010. In drei Autos brechen sie im Mai von Oberstaufen ins Königreich Jordanien auf. Der Wagen, den Birte auf der Tour fährt, könnte einigen Pyrmontern bekannt sein, er ist 28 Jahre auf den Straßen der Kurstadt gefahren; Birte kennt ihn noch aus Kindertagen.

veröffentlicht am 08.04.2010 um 11:07 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 15:21 Uhr

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Von Tomas Krause

Bad Pyrmont. Wüstensand unter den Rädern, davon träumen Michael, Ingrid, Daniel, Margit, Gero und Birte. Sie nennen sich „HamBaJo“ – und nehmen teil an der „Allgäu-Orient-Rallye“ 2010. In drei Autos brechen sie im Mai von Oberstaufen ins Königreich Jordanien auf. Der Wagen, den Birte auf der Tour fährt, könnte einigen Pyrmontern bekannt sein, er ist 28 Jahre auf den Straßen der Kurstadt gefahren; Birte kennt ihn noch aus Kindertagen.
„Da warten 14 anstrengende Tage auf uns, ehe wir mit Glück am 10. Mai in Amman unser Ziel erreichen“, sagt Birte Wysniewski. Die junge Frau kommt auch aus Bad Pyrmont. Mit ihren 28 Jahren ist sie die Jüngste im Team und der Kapitän. „HamBaJo, das steht für Hamburg, Basel, Jordanien“, erklärt sie. Das sei zwar nicht originell, erkläre aber am besten die Teamstruktur. Denn Ingrid und Daniel leben in der Schweiz, Birte und der Rest der Truppe in Hamburg.
Das einzige Auto, das die sechs bisher für die Tour haben, ist ein eierlikörfarbener Mercedes, Baujahr 1982, aus Bad Pyrmont. „Ich war auf der Suche nach einem gebrauchten Wagen, was wegen der Abwrackprämie gar nicht so leicht ist“, sagt Birte. Von ihrem Cousin erfuhr sie, dass der alte Mercedes von Heinz Keuneke zu verkaufen war.
 28 Jahre lang hatte Keuneke den Wagen gefahren. Ihm fiel es daher nach eigenen Worten auch schwer, den Wagen nach so langer Zeit zu verkaufen. „Ich habe richtig an dem Auto gehangen“, sagt der Pyrmonter. Als Keuneke den Mercedes damals gebraucht kaufte, war das Auto zehn Jahre alt. Nun war es an der Zeit, den in die Jahre gekommen Wagen zu verkaufen.
Für den Wüsten-Trip ist die Limousine ideal. Denn das Reglement sieht vor, das die Autos irgendwo zwischen den Polen Young- und Oldtimer angesiedelt sein müssen, also entweder älter als 20 Jahre sein müssen oder nicht teurer als 1111,11 Euro sein dürfen. Und das hat auch Vorteile. So habe etwa der Mercedes „nicht so viel Elektronik“, sagt Keuneke. Reparaturen seien verglichen mit heutigen Autos einfacher. Abstriche muss das Team allerdings beim Komfort machen. Auf ihrer Fahrt warten auf Birte und ihre Mitstreiter keine Luxus-Hotelbetten und breite Autobahnen. „Autobahn fahren ist verboten, auch GPS-Geräte dürfen wir nicht benutzen“, sagt Chefin Birte. „Und für Übernachtungen dürfen wir auch nicht mehr als elf Euro zahlen.“ Die Crew wird daher die Vordersitze zurücklegen, um im Auto zu schlafen.
Birte hatte vor einem halben Jahr einen Artikel über die Rallye gelesen und sofort Blut geleckt. Sie recherchierte im Internet und fand eine Seite – gerade noch rechtzeitig. „Die Anmeldung sollte in ein paar Tagen starten. 77 Teamplätze würden dann zur Verfügung stehen“, erzählt sie. Aber erst wollte sie ein paar Nächte darüber schlafen. Als am zweiten Tag der Anmeldung nur noch 6 Plätze übrig waren, schlug sie zu und meldete pro forma vier Leute an. Zu dem Zeitpunkt war Birte noch allein mit der Idee.
Sie konnte aber recht schnell ihren Freund Michael und Arbeitskollegen aus der Schweiz für die Tour begeistern. Erst kurz vor Weihnachten kamen noch Margit und Gero zum Team dazu.
Zum fünften Mal findet die Rallye „Allgäu-Orient“ in diesem Jahr statt. 105 Teams aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien und der Türkei haben sich angemeldet. Ab 30. April liegen die Fahrer mit ihren Kisten auf der Straße. Maximal 666 Kilometer pro Tag dürfen die Teams zurücklegen. Die Strecke kann jeder frei wählen, aber alle müssen am 3./4. Mai in Istanbul sein.
„Es geht nicht darum, wer der Schnellste ist“, erklärt Birte. Pro durchfahrenes Land bekommen die Teilnehmer einen Punkt. In Jordanien steht am Ende eine Wüstenprüfung an – sie ist die einzige Wertung, in der fahrerisches Geschick gefragt ist. „Auf der Fahrt müssen wir Sonderprüfungen machen, für die wir weitere Punkte bekommen.“ Welche Inhalte diese haben, erfahren die Teams kurz vor dem Start. Im vorigen Jahr mussten sie in jedem Land ein Kinderlied singen.
Über die Rallye-Erlebnisse wird der Verlag Tredition ein Buch herausbringen. 15 000 Euro Eigenkapital und einen Großteil ihres Jahresurlaubs investieren die sechs. Jetzt erhoffen sie sich Unterstützung. „Wir können alles gebrauchen“, sagt Birte, „Landkarten, Autoteile, Verpflegung, Tankgutscheine, Geldspenden oder natürlich ein Auto.“
Zum Abschluss der Rallye werden die sechs die jordanische Prinzessin Basma Bint Talal treffen. „Sie ist unglaublich beliebt in Jordanien. Mit ihr und dem ganzen Königshaus wird es einen Empfang für alle Fahrer geben. In Amman ist die Rallye ein Riesen-Event.“ Dann wird das Team „HamBaJo“ vielleicht eine Trophäe bekommen. Der Gewinner bekommt ein Kamel.
Bis es soweit ist, haben sie noch viel zu tun. Sie müssen noch Visa beantragen, Rückflüge buchen, sich über Versicherungen erkundigen und noch zwei Autos organisieren. Erfolg wünscht ihnen Heinz Keuneke, der seinen Worten nach auch zuversichtlich ist, dass sein alter Mercedes die Tortur übersteht. Denn: „Der Mercedes hat mich nie im Stich gelassen.“

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