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Kein Neubau ohne Platz für Autos / Parkraum südlich der Thaler Landstraße für Firma keine Option

Misstrauen gegen Phoenix-Expansionsplan

Löwensen. Der Versammlungsraum im Dorfgemeinschaftshaus füllt sich zusehends, und immer wieder müssen Ortsratsmitglieder weitere Stühle aus einem Nebenraum holen. „Wie sich zeigt sind nicht nur bei mir einige Fragen noch unbeantwortet. Und so ist es gut, dass der Ortsrat Löwensen vor seiner nächsten Sitzung zum Thema Erweiterungsbau der Firma Phoenix Contact den heutigen Informationsabend organisiert hat“, sagt die Ortsbürgermeisterin Sieglinde Patzig-Bunzel (SPD). Nach ihrer kurzen Einführung haben gleich die fachkundigen Referenten das Wort. Hierzu zählten der Pyrmonter Architekt Werner Brandstetter, der seine langjährige Firmenbegleitung als verantwortlicher Baugestalter hervorhebt, und Landschaftsarchitekt Georg von Luckwald sowie dessen Mitarbeiter Georg Seibert aus Hameln.

veröffentlicht am 28.04.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 07:21 Uhr

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Autor:

von Klaus Titze
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Während Brandstetter erläutert, dass die Genehmigung des Bauvorhabens auf dem früheren Aldi-Gelände an der Dringenauer Straße für Juni 2014 erwartet werde, seien die weiteren Planungen einschließlich der hier vorgestellten Gebäudeentwürfe östlich des Königsbrinks noch reine Visionen. Dabei würde es sich um eine Produktionsstätte handeln, die auf dem derzeit geschotterten Parkplatz nahe den Bahngleisen entstehen könnte. In Richtung Dringenauer Straße könne sich dann ein auf Ständern errichtetes Parkhaus für etwa 900 Fahrzeuge anschließen.

Georg Seibert beschreibt die Folgen für das Auengelände, und Georg von Luckwald spricht den Hochwasserschutz an. Zudem kündigt er an, dass in dieser Woche mit der Aufmessung der Emmeraue begonnen werden soll, um den Hochwasserabfluss zu bewerten.

Während der anschließenden Diskussion scheint das Misstrauen von Frage zu Frage zu wachsen. So kristallisiert sich ein vermuteter Zugzwang für Politik, Verwaltung und Architekten heraus. Denn die von Phoenix erhoffte Baugenehmigung für das geplante Schulungsgebäude auf dem Aldi-Gelände hängt offenbar an der Bereitstellung entsprechenden Parkraumes. Zwar hatte Brandstetter diesen Parkraum theoretisch nachweisen können. Doch jetzt muss er einräumen: Wegen der Entfernungen und der Querung etwa der stark befahrenen Thaler Landstraße seien diese Flächen weder attraktiv noch zumutbar – und somit keine Option. Deshalb sei auch der nun vorgestellte Parkhaus-Plan östlich des Königsbrinks entstanden. „Das heißt also, Sie müssen ein Parkhaus bauen, da sonst eine Baugenehmigung in Frage gestellt ist,“ resümieren Versammlungsteilnehmer. Somit sei das Parkhaus wohl eher anstehende Realität als Vision – egal, ob die Produktionsstätte irgendwann gebaut werde oder nicht. „Und wenn sie dann nicht gebaut wird, steht das Parkhaus allein auf einem Gelände innerhalb der schützenswerten Emmeraue, das derzeit noch nicht einmal als Gewerbegebiet ausgewiesen ist“, fürchtet der Landwirt Heiko Quast.

Das Gelände um die geplante Erweiterung wird unter die Lupe genommen.
  • Das Gelände um die geplante Erweiterung wird unter die Lupe genommen.

Zur Erinnerung: Im Oktober 2013 hatte Werner Brandstetter sowohl im Ortsrat Löwensen als auch im Bauausschuss das bereits als Gewerbegebiet ausgewiesene Parkplatz-Gelände an der Bahn als künftigen Parkhaus-Standort vorgestellt. Von einer Produktionsstätte an dieser Stelle und einem sich nördlich anschließenden Parkhaus war da jedoch noch keine Rede. Allerdings erklärte Brandstetter, der zunächst für das Parkhaus avisierte Platz an der Dringenauer Straße habe sich als zu schmal erwiesen – weshalb dann die Parkfläche entlang der Bahnlinie in den Fokus gerückt sei.

Genau diese Variante greift NABU-Sprecher Volker Klingler auf. Er kündigt an, der Naturschutzbund werde sich mit Blick auf die Nachteile eines Baus im östlichen Emmerauenbereich und einer Baumaßnahme an der Dringenauer Straße zur Abbruchkante der Emmerniederung wohl eher für die zweite Variante aussprechen.

„Das könnte ein Königsweg sein“, meint auch Eberhard Weber als Dezernent der Stadtverwaltung. Der Landkreis habe sich aus Naturschutzbelangen zwar schon gegen den Bau an der Dringenauer Straße entschieden. „Aber ich könnte mir vorstellen, diese Alternative erneut ins Gespräch zu bringen und einer neuerlichen Prüfung unterziehen zu lassen“, erklärt er.

Erkennbar erleichtert greifen die Informationsveranstalter diesen Vorschlag auf, und so dürfte die Zustimmung im Ortsrat heute wohl nur noch Formsache sein. Denn die Variante ließe die Bedenken zu möglichen Schadstoffeinträgen durch die Parkplatznutzung, die Verluste von Landwirtschaftsflächen wie auch Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes zumindest nicht unberücksichtigt.

Das spürbare Misstrauen gegenüber Baumaßnahmen, die Natur und Landschaft beeinträchtigen, und den Genehmigungsverfahren dazu dürfte indes nicht so schnell ausgeräumt sein. Den Vertrauensverlust auch in politische Entscheidungen gleichen nur frühzeitige Transparenz und Offenheit aus. Die Veranstaltung in Löwensen könnte den Anfang gemacht haben.

Löwensens Ortsrat tagt heute um 18 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus. Zu Beginn der öffentlichen Sitzung können Einwohner ihre Fragen stellen.

Zahlreich und aufmerksam verfolgen die Teilnehmer der Informationsveranstaltung die Ausführungen des Landschaftsarchitekten Georg Seibert. ti

Der jetzige Phoenix-Parkplatz an der Dringenauer Straße dürfte jetzt doch wieder als Parkhaus-Standort ins Gespräch kommen, obwohl der Raum hier laut Architekt Werner Brandstetter knapp werden könnte. Archiv/HW



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