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Von einer feinen Dame, einem trinkenden Butler und einem Bauern im Trainingsanzug

Miss Sophie und der Schluckspecht

Lügde/Elbrinxen. Auf einen Silvesterkracher ganz eigener Prägung freute sich Elbrinxen schon seit langem. Zum elften Male gingen am Mittwochnachmittag gleich zwei Vorstellungen des legendären Schwarzweiß-Fernseh-Klassikers „Der 90. Geburtstag oder Dinner for one“ über die Bühne, allerdings live, in Farbe und wunderbar originalgetreu von der Elbrinxer Dorfbühne interpretiert. Dabei steht und fällt alles mit den beiden Protagonisten, die mit einer Qualität agieren, die auch für jede andere Bühne ausreichen würde. Mit der steifen Eleganz der englischen Upperclass gibt Reinhild Blum die Miss Sophie, distinguiert und vornehm bis in den kleinen Finger. Detlef von der Heide als Butler James hat den vielschichtigeren Part, muss er doch, außer sich permanent einen anzusäuseln, in die Rolle der vier verstorbenen Freunde von Miss Sophie schlüpfen. Da sitzt jede Bewegung, jeder Running Gag wie das Stolpern über den Tigerkopf, da ist jede Geste fein akzentuiert, jede Handhaltung, jegliche Mimik, und das langsame Abrutschen in die Trunkenheit stimmt. Doch verfallen beide Darsteller nicht in ein plumpes Nachspielen des Originals, sondern behalten ihre eigene Persönlichkeit und interpretatorischen Spielraum.

veröffentlicht am 02.01.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 11:21 Uhr

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Autor:

von Rudi Rudolph
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Natürlich sind Reinhild Blum und Detlef von der Heide in Elbrinxen bekannt wie bunte Hunde, und so gibt es denn auch den einen oder anderen Zwischenruf, wenn etwa Butler James zum wiederholten Mal den Tisch umkreist und Gläser leert. „Du musst nachher noch mal auftreten,“ hört man, denn jeder weiß inzwischen, dass Detlef von der Heide da echten Alkohol konsumiert. Dass ihm davon und bei der um den Tisch zurückgelegten Strecke, den verschiedenen Freundesrollen und der Scheinwerferstrahlung der Schweiß nur so läuft, ist wohl kein Wunder. Was das Publikum erwartet, trifft ein: Das immer undeutlicher werdende „Die gleiche Prozedur wie im letzten Jahr, Miss Sophie?“, das elfmalige Stolpern über den Tigerkopf vor der Anrichte, das Zusammenschlagen der Hacken als Admiral von Schneider. Sir Toby erhält stets eine Zusatzportion Getränk, Mr. Pommeroy piepst mit hoher Stimme, und Mr. Winterbottom wird mit zunehmendem Alkoholpegel immer vertraulicher. So endet das Dinner wie es enden muss: Miss Sophie will sich zurückziehen, und James bleibt nach der obligatorischen Frage „Selbe Prozedur wie im letzten Jahr, Miss Sophie?“ nur das Resümee: „Gut, ich werde mein Bestes geben!“

Und ganz wie im Original blinzelt James nach dem Abgang nochmals schnell mit hochgerecktem Daumen um die Ecke. Das Publikum applaudierte, trampelte und pfiff, und Reinhild Blum, Detlef von der Heide sowie auch Heinz Hagemeyer als Conferencier erhielten lang anhaltenden Applaus. Auch Stephan Rodefeld wurde unter stürmischem Beifall auf die Bühne gebeten, hatte er doch schon im ersten Programmteil als Bauer Ewald im leicht verschlissenen NVA-Trainingsanzug mit deftigen Sprüchen, Witzen und Liedern für ein Warm-up gesorgt, dass den Elbrinxern nur so die Lachtränen liefen.

Schon sein Intro mit einem Alphorn zum Aalefang war bemerkenswert, und als er einen Mitstreiter namens Ludwig aus dem Publikum auf die Bühne zitierte, gab es kein Halten mehr: „Sag‘ mal ‚Hallo!‘, Ludwig!“ Und Ludwig sagte: „Hallo, Ludwig!“

Stephan Rodefeld als Bauer Ewald.

Beide Programmteile ergaben einen durch Feuerzangenbowle abgerundeten hochklassigen Nachmittag, und die Elbrinxer freuen sich jetzt schon, denn auch in diesem Jahr, 2015, gibt es „dieselbe Prozedur wie jedes Jahr.“



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