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So machen Staatsbad, Stadt und Nabu im Grünen gemeinsame Sache

Mehr Wiese statt Rasen – Artenschutz in Bad Pyrmont

BAD PYRMONT. Von geschätzt etwa acht Millionen Tier- und Pflanzenarten weltweit sind rund eine Million vom Aussterben bedroht. Viele Arten könnten schon „in den kommenden Jahrzehnten“ verschwinden, heißt es in einem neuen UN-Bericht. Umso erfreulicher, dass die Tier- und Pflanzenvielfalt in Bad Pyrmont längst einige wichtige Unterstützer hat.

veröffentlicht am 07.05.2019 um 11:54 Uhr

Wildbienen – hier eine Ackerhummel – und andere Bestäuber sind der Natur und den Menschen von unschätzbarem Nutzen. Staatsbad, Stadt und Nabu arbeiten gemeinsam an Wegen, die Artenvielfalt Bad Pyrmont zu sichern und zu befördern. Symbolfoto: Nabu/Hel
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Natürlich gibt es auch in der Kurstadt noch eine Reihe Fans von Kiesbeeten, Steinkäfigen und manikürtem Rasen – in der Annahme, das sei pflegeleicht. Längst aber wächst auch die Anzahl derer, die an einem Strang ziehen für mehr Naturnähe, um Insekten und anderen Kleintieren eine Lebensgrundlage zu bieten. Mit gutem Beispiel gehen hier der Naturschutzbund Nabu, das Staatsbad und der städtische Bauhof voran. Auch in der Absicht, mittelfristig noch mehr private Grundstückseigentümer für den Artenschutz zu gewinnen. Frei nach dem Motto: Blumenwiese statt Rasen, Pflanzenvielfalt statt steriler Kiesgärten.

„Der Kurpark ist ein natürliches Heilmittel“, sagt etwa Staatsbad-Gärtnermeister Michael Mäkler. Pflanzenschutzmittel seien in der Anlage tabu. „Wir düngen die Rasenflächen nicht und vertikutieren auch nicht mehr.“ Durch diesen Verzicht auf bestimmte Pflegearbeiten entwickelten sich im Park Pflanzengesellschaften, die sich an Ort und Stelle wohlfühlten. Inklusive Wiesenschaumkraut, Thymian, Lichtnelken oder Klee.

Was Mäkler besonders aufgefallen ist: Seit die Azaleen im Azaleenweg nicht mehr gegen Mehltau behandelt werden, seien sie insgesamt gesünder. Der Mehltau sei weg. Seine Schlussfolgerung: Die Natur hilft sich selbst.“

Auch gemäht wird im Kurpark nicht mehr überall gleichviel. Denn, so der Gärtnermeister: „In Baumnähe schädigt das Mähen die Wurzeln und fördert Pilzkrankheiten.“ Und in einem Bereich des Bergkurparks werde das Mähen einer Schafherde überlassen. Eine Streuobstwiese und ein Beerengarten existieren ebenfalls schon. Im Palmengarten sind Brennnessel, Giersch & Co. zwar weiterhin nicht erwünscht. Grundsätzlich aber gelten sie Mäkler als essbare Pflanzen, die andernorts auf Staatsbad-Gelände durchaus nicht fehl am Platz sein müssen, etwa in Bereichen mit einer offenen Wiesenlandschaft für Mensch und Tier.

Der Artenschutz beginnt übrigens schon beim Einkauf. Mäklers Tipp für Hobbygärtner: „Gebietsregionale Pflanzen gedeihen besser, als solche ungeklärter Herkunft.“

Steffi Maltzahn vom Nabu verzeichnet denn auch eine steigende Nachfrage nach regionalem Saatgut für Privatgrundstücke. Ein Ziel von ihr und ihren Mitstreitern wäre die Schaffung eines durchgehenden Pollen- und Nektarangebots von März bis November. Dabei strebt der Nabu nicht nur ein „Pyrmonter Bienenbündnis“ an, sondern will auch das Wohlergehen anderer Insekten, Spinnentiere und Vögel befördern. Projekte wie der Zwergenwald, die Reiterwiese, die Blühwiese und die Aussaat von „bunten Metern“ sind wichtige Mosaiksteine auf dem Weg zu diesem Ziel.

Und auch der für den städtischen Bauhof verantwortliche Hans-Joachim Böhnke aus dem Pyrmonter Rathaus bekräftigt, die Stadt wolle auf einigen Flächen „eher Wiese als angelegten Rasen“. Da sei es dann eine „bewusste Entscheidung, dass dort auch mal eine Brennnessel wächst“.

Mit Blick auf die kürzlich beim „Runden Tisch Artenschutz“ im Pyrmonter Rathaus vorgestellten Konzepte kann sich Maltzahn freuen: „Wir sind ja schon mitten in einem Bündnis mit vielen Kooperationen.“ Allerdings wissen sie und die anderen Nabu-Aktiven, die Staatsbad-Gärtner sowie ihre Kollegen vom Bauhof, dass noch einiges an Aufklärungsarbeit zu leisten sein wird, um eine dauerhaft naturnahe Belebung der „sehr leergeräumten Landschaft“ (Maltzahn) zu erreichen.

Da man bekanntlich nur schützen kann, was man kennt, setzt der Nabu auch auf Aufklärung durch Vorträge zu Themen wie Insektensterben, Biotopvernetzungen oder Hausgartengestaltung. Zudem mahnt Steffi Maltzahn auch politische Beschlüsse an, die die Kurstadt auf dem Weg zur Artenschutz-Stadt voranbringen. Das Bienenbündnis soll derweil in greifbare Nähe rücken. Steffi Maltzahn hofft für die Zeit nach den Sommerferien auf den Bündnisbeschluss. Noch vorher, am 2. Juni, dem „Tag des Kurparks“, können sich alle Neugierigen vor Ort über die naturnahe Gestaltung dort informieren.


Naturinteressierte mit Neugierde am Thema Artenschutz, die eigene Ideen oder Fragen anbringen wollen, finden in Hans-Joachim Böhnke einen Ansprechpartner zum Thema im Pyrmonter Rathaus. Telefon 05281/ 949260.



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