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Doch Szenen wie im Kopenhagener Zoo schließt Pyrmonts Tierparkchef kategorisch aus

„Man darf nichts verniedlichen“

Bad Pyrmont. Kinder schlagen ihre Hände vors Gesicht, weil vor ihren Augen das Giraffenkalb Marius obduziert und an Löwen verfüttert wird. So geschehen im Zoo von Kopenhagen. Die Entrüstung von Tierschützern und Besuchern ist seit dem groß, denn ihre vermeintlich heile Welt des Tierparks ist dahin. Eine Szene wie diese wird es im Pyrmonter Tierpark wohl nie geben, obwohl auch hier Ganzkörpertiere, wie es in der Fachsprache heißt, an Löwen, Leopard und Polarfüchse verfüttert werden. „Diese Tiere sind nun einmal Fleischfresser, das darf man nicht verniedlichen“, betont Tierparkchef Linus Kampe.

veröffentlicht am 11.02.2014 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 18:21 Uhr

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Autor:

Hans-Ulrich Kilian
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Fleisch sei für die gesunde Ernährung der Tiere wichtig, unterstreicht er. „Wir verfüttern zu 99 Prozent Rind, das wir beim Großhändler in Paderborn kaufen.“ Aus dem eigenen Bestand werden immer wieder Meerschweinchen und Kaninchen geschlachtet, aber auch schon einmal eine überzählige Ziege, wenn sie für die Nachzucht nicht geeignet ist. Nach Angaben des Verbandes Deutscher und Schweizer Zoodirektoren ist das in Zoos üblich und nicht verboten. „Ein geschlachtetes Zootier hat sicherlich ein angenehmeres Leben hinter sich als ein Tier aus einer Massenhaltung“, so Kampe. Und wenn sich kein geeigneter Platz finde, sei es allemal besser, es zu schlachten, als es in fragwürdige Hände zu geben.

Zu seinen Fleischbezugsquellen gehört hin und wieder auch die Biologische Station in Schieder, die Skudden züchtet. Doch nicht jedes Tier ist für die Zucht dieser alten Schafrasse geeignet. Es landet darum als Fleischfutter im Tierpark. Genverwandte Tiere dürften nicht verpaart werden, so die Begründung.

Die Kritik des Deutschen Tierschutzbundes, dass viele Zoos Tiere unkontrolliert züchten, um mit niedlichen jungen Tieren Besucher anzulocken, nennt Kampe zumindest für seinen Tierpark nicht zutreffend. „Das ist zwar nachvollziehbar, aber das tun wir nicht. Für uns kommt zuerst das Tier, dann der Besucher. Denn wenn die Tiere groß sind, dann interessiert das viele Leute nicht mehr.“ Beim Tierschutzbund geht man davon aus, dass viele dieser herangewachsenen Tiere getötet, verfüttert oder an dubiose Tierhändler, Zoos und Zirkusse verkauft werden. Kampe versichert, er sei grundsätzlich bemüht, nur so viele Tiere zu züchten, wie er selber behalten oder an einen anderen Tierpark abgeben könne. Um das zu erreichen, lasse er Tiere zum Beispiel auch sterilisieren oder kastrieren. Fast alle Zoos beteiligen sich am Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP), auch der Pyrmonter Tierpark, der auf diese Weise im Austausch mit anderen Zoos steht.

Linus Kampe

Ein Urteil über die Tötung des Giraffenkalbs im Zoo von Kopenhagen will und kann Kampe nicht fällen. Die Dänen hatten argumentiert, dass sich kein anderer Zoo bereiterklärt habe, das Tier aufzunehmen, weil die dortigen Giraffen ähnliches Genmaterial aufgewiesen hätten. „Das kann sein“, betont er. „Ein Zoo ist sicherlich kein Schmusebetrieb, aber ich würde niemals ein Tier öffentlich zerlegen und verfüttern, wie es dort geschehen ist.“mit vt



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