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Eine sehr spezielle Atmospähre

Malms verabschiedet sich vom Brudermahl

BAD PYRMONT. Den allerersten Ehrengast für eine Zusage zum „Brudermahl“ gewinnen zu können, war für Titus Malms einfach. Das war der damalige Landrat Rüdiger Butte, den er gut kannte. Doch in der Folge brauchte der Alt- und Ehrenstuhlmeister der Pyrmonter Freimaurerloge „Friedrich zu den drei Quellen“ einige Ausdauer. „Bei einigen Gästen dauerte das viele Monate“, erinnert er sich. Nach zehn Jahren ist für den Begründer des Festmahls nun endgültig Schluss. Ein letztes Mal wird er am Freitagabend als Tischmeister durch die Zeremonie führen.

veröffentlicht am 16.05.2019 um 19:45 Uhr

Seit zehn Jahren findet das Brudermahl der Pyrmonter Freimaurerloge im Steigenberger statt. Foto: pr
Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
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Den Plan für eine Gesprächsreihe, die Pyrmonter Köpfe zusammenbringt und sich durch eine sehr spezifische zeremonielle Atmosphäre auszeichnet, hat Malms bereits in den 1990er Jahren verfolgt. Angeregt wurde er dabei durch die Bremer Schaffermahlzeit, die als das älteste Brudermahl der Welt gilt. Doch zunächst galt es Bedenken von Logenbrüdern zu zerstreuen, die befürchteten, dass sich die immer ein wenig von Geheimnissen umwitterte Gemeinschaft zu weit in die Öffentlichkeit wagte.

„Doch ich wollte etwas Markantes, Unverwechselbares auf die Beine stellen, was dieser ältesten bürgerlichen Vereinigung Bad Pyrmonts gerecht wird“, erklärt er seinen Antrieb, der schließlich im Jahr 2010 zum Erfolg führte. Entstanden sei ein Zeremoniell, das sich an die Sitten der über 240 Jahre alten Loge anlehne, wie es Malms formulierte, die eine Vorstellung von der freimaurerischen Arbeitsweise ermöglichen soll. Zum Beispiel spielen dabei die von den Freimaurern „Kanonen“ genannten Trinkgläser eine Rolle, und auch die Logenbrüder selber kommen zum zeremoniellen Einsatz.

Serviert wird immer Spargel („Damit macht man nichts falsch“) und zum Nachtisch gibt es Eis mit Erdbeeren. Von den Gästen wird Businesskleidung samt Krawatte für die Männer erwartet. Malms legt viel Wert auf den Dresscode, denn die Veranstaltung sei eine Brücke zur Vergangenheit, sagt er. Weil es im Fürstensaal des Hotels Steigenberger, in dem das Brudermahl von Anfang an stattfindet, nur maximal 82 Sitzplätze gibt, darf nur kommen, wer eine Einladung hat.

Für den Ehrengast war immer Malms zuständig. Nach Landrat Rüdiger Butte konnte er Alexander zu Schaumburg-Lippe, den Kriminologen Christian Pfeiffer, die Verlegerin Julia Niemeyer (Dewezet und Pyrmonter Nachrichten), Bremens früheren Bürgermeister Henning Scherf, die Politiker Franz Müntefering und Jürgen Rüttgers, Hannover 96-Boss Martin Kind und den Banker Thomas Mang für eine Teilnahme gewinnen. Allerdings musste Alexander zu Schaumburg-Lippe kurzfristig absagen, weil seine Frau unmittelbar vor dem Brudermahl vor der Niederkunft stand. In diesem Jahr hat der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach zugesagt.

Die allermeisten dieser Gäste hatten nie zuvor etwas von Malms oder dem Brudermahl gehört. Und doch gelang es ihm, sie zu überzeugen. „Die Briefe sind sehr persönlich gehalten“, nennt er die „Macht des Wortes“ als einen Grund für seine erfolgreiche Werbung. Und seine Beharrlichkeit. „Absagen hat es natürlich auch gegeben, begründete oder unbegründete.“

Doch was hat Malms motiviert, das Brudermahl als neues Format zu erfinden, wie er selber sagt. Es sei zum einen die Erwartung an den Ehrengast, der mit seinem Wort Brücken in die Gesellschaft bauen könne.

Es sei außerdem der praktische Aspekt, denn die Loge sammelt unter den Gästen jedes Mal Geld für einen guten Zweck, den der Gast bestimmt und steuert selber mindestens 3333 Euro (Die Drei ist eine freimaurerische Zahl) bei. Auf diese Weise sind bislang insgesamt rund 43 000 Euro zusammengekommen. Und es ist das gemeinschaftliche Erlebnis und die Begegnung am Tisch, die ihm wichtig sei, nennt er seine Gründe. Doch nach diesem Brudermahl ist für ihn Schluss, und zwar konsequent, wie er versichert. „Ich habe immer gewusst, wann es Zeit ist aufzuhören“, betont er. Doch wird es die Veranstaltung auch ohne ihn geben? Er gehe davon aus, denn die Loge sei stolz auf das Brudermahl, weil sie damit ein Format etabliert habe, das so in ganz Deutschland einmalig sei.



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