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Claudia Mieszala ist Präventionsfachkraft im Erzbistum Paderborn aus Überzeugung und mit Visionen

Lotsin mit geschultem Blick

Paderborn/Rheda-Wiedenbrück. „Prävention ist für mich so wichtig, weil ich oft mit Jugendlichen zu tun habe, von denen ich weiß, was sie zu verarbeiten haben. Jahrzehnte des Lebens sind beeinflusst, denn die Belastung geht weit über den Tat-Zeitpunkt hinaus!“

veröffentlicht am 02.04.2016 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 14:12 Uhr

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Claudia Mieszala kommt gerade aus einer Teamsitzung. Sie ist Leiterin des Jugendtreffs in der Innenstadt von Wiedenbrück. Es ging um die Arbeitseinsätze und den Alltag im Jugendhaus „St. Aegidius“ in Wiedenbrück. Das Team kann vom Wissen seiner Leiterin profitieren, die als Präventionsfachkraft für den Pastoralverbund beratend die Umsetzung des institutionellen Schutzkonzepts vor sexuellem Missbrauch unterstützt und zugleich Präventionsreferentin im Erwachsenenbereich der Katholischen Bildungsstätte (KBS) in Bielefeld ist. Bei einer Tasse Tee kommt Claudia Mieszala zur Ruhe: „Es gilt der Erfahrungswert, dass ein Kind sieben Ansprechpersonen benötigt, denen es sich nach einem Missbrauch anvertraut, bis jemand handelt.“ Wachsamkeit fordert Claudia Mieszala in der Alltagsarbeit. Kollegial wird untereinander ausgetauscht, über Beobachtungen und Wahrnehmungen berichtet. Leider bestätige sich auch immer wieder, dass sich viele Missbrauchsopfer scheuen, etwas zu erzählen. Das habe mit Scham zu tun und, weil viele Täter den Opfern einreden, sie hätten es ja selbst so gewollt. Umso wichtiger sei der sensible Umgang. „Auch die Belastbarkeit der Mitarbeiter müssen wir im Auge behalten, wenn sie etwas mitbekommen, was Aufmerksamkeit erfordert.“ Das können Bemerkungen und Erzählungen aus der Familie, dem Freundeskreis oder von Begegnungen sein, die Kinder und Jugendliche bei Treffen im Jugendhaus „mal so nebenher“ fallen lassen. „Dann“, so Claudia Mieszala, „sprechen wir uns im Team ab, beraten uns und holen uns im Bedarfsfall schnell Hilfe bei der Caritas-Beratungsstelle, also bei einer Fachkraft.“

Wichtig sei es, dass sich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schulen lassen. „Ich habe mich durch eine Schulung selbst inspirieren lassen und mich weiter in die Thematik eingearbeitet“, so Claudia Mieszala. Die Vernetzung mit dem Jugendamt, den Ansprechpartnern im Pastoralverbund sowie die Zusammenarbeit mit dem Präventionsbeauftragten des Erzbistums Paderborn und der Koordinierungsstelle im erzbischöflichen Generalvikariat hat die Präventionsarbeit etabliert.

Claudia Mieszala ist in Rheda-Wiedenbrück aufgewachsen und zur Schule gegangen. In Bielefeld schloss sich das Studium der Sozialarbeit an. Vor 15 Jahren übernahm sie die Leitung im Jugendhaus St. Aegidius. „Der erste wichtige Schritt ist es, dem Opfer zuzuhören und es ernst zu nehmen, dann in der Gemeinde die Präventionsfachkraft aufzusuchen oder bei außerkirchlicher Arbeit die Beratungsstelle zu informieren.“ Claudia Mieszala empfiehlt Zusatzqualifikationen wie die Intensivschulung „sexualisierte Gewalt gegen Minderjährige“. „Es ist eine Lotsenfunktion. Ich sehe die Rolle und Aufgabe aber auch darin, meine Begleitung anzubieten“, so Mieszala, die in ihrer Funktion Ansprechpartner ist für Opfer, Täter und auch Mitarbeiter, die einen Verdacht haben. „Jedem sollte klar sein: Wenn die eigene Belastung zu groß wird, weiß ich, dass ich nicht allein gelassen werde. Daher ist es auch meine Versicherung auf Leute zu treffen, die eine ganz besondere Ausbildung haben, um nicht das Gefühl zu haben, wir sind allein“, erklärt die Präventionsfachkraft.

Die nächsten Qualifizierungsmaßnahmen zur Präventionsfachkraft für den Bereich der Gemeindepastoral finden am 15./16. Juni in der Akademie Schwerte und am 22./23. November 2016 im Konrad-Martin-Haus in Paderborn statt. Informationen gibt es dazu bei der Koordinierungsstelle des Präventionsbeauftragen im Erzbistum Paderborn unter 05251/1251427.



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