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Pyrmonts Entrée 2018 noch trister

Löwenzahn statt Palmen auf dem Bahnhofsvorplatz

BAD PYRMONT. Würden Deutschlands hässlichste Bahnhöfe gelistet, dann hätte Bad Pyrmonts graubrauner Siebziger-Jahre-Klotz bestimmt eine Chance auf einen passablen Rang. In der aktuellen Saison sieht vor allem sein Vorplatz so desolat aus wie lange nicht. Denn das Areal muss nun auch noch ohne Palmen auskommen.

veröffentlicht am 12.05.2018 um 10:30 Uhr

Der Bahnhofsvorplatz 2018: Keine Palme kaschiert Tristesse vor dem 40 Jahre alten Zweckbau. Zu gefährlich und zu aufwendig wäre wegen der Brückensperrung der Transport gewesen, heißt es aus der Staatsbad-Gärtnerei. Foto: jl
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Deren grüne Wedel hatten die Tristesse in den vergangenen Jahren wenigstens zum Teil kaschiert.

Doch nun prägt aus allen geeigneten Pflasterritzen sprießender Löwenzahn das Bild. Und die Pflanzen, die eine schmucklose Granitstele in einem kleinen Rundbeet umranden, haben ihre beste Zeit Tage auch hinter sich.

Diverse Verschönerungsvorsätze der Vergangenheit sind also augenscheinlich passé. Über Slogans wie „Der (Kur-) Park fängt am Bahnhof an“, den Stadt und Staatsbad 2005 ausriefen, kann man derzeit nur müde lächeln.

Der Palmentransport vor einem Jahr. Dass die Gewächse in diesem Jahr fehlen, fällt einheimischen Autofahrern kaum auf. Wohl aber Zugreisenden – und Wirtin Claudia Kloß-Fricke. Foto: yt

Klar, viele der weit mehr als 1000 täglich Ein- und Aussteigenden sind Pendler – und hoffentlich betriebsblind. Und wer gar nicht mit dem Zug fährt oder am Bahnhof arbeitet wie Claudia Kloß-Fricke, der vermisst die fehlenden Palmen vielleicht gar nicht. Zumal jetzt, wo Abriss-bedingt kein Autofahrer mehr auf der Bahnhofstraße auf die Station zufährt. „Aber was sollen die Reha-Patienten denken, die mit dem Zug hier ankommen?“, fragt die Inhaberin des Bahnhof-Stübchens. Dass Bad Pyrmont mit dem Bahnhof seine „Visitenkarte“ abgebe, werde in Sonntagsreden zwar immer wieder erklärt. Aber: „Passieren tut dann gar nichts“, ärgert sie sich.

Sie sei bereits mehrfach von Kunden angesprochen worden, denen die Palme fehlten, sagt die 39-Jährige. Und schiebt hinterher: „Ein Taxi- Kunde hat gefragt, ob er hier auf einem Ostblock-Bahnhof angekommen sei.“

Nun wollte sie wissen, warum das Staatsbad in dieser Saison nicht einmal ein paar Palmen vor dem Bahnhof abgestellt hat. Deshalb rief sie bei Michael Mäkler an, dem leitenden Gärtnermeister des Staatsbades. Der habe ihre Frage mit der Gegenfrage beantwortet: „Wie sollen wir denn über die Brücke kommen?“ Denn, klar: Der Weg über die Bahnhofstraße ist seit Mitte Februar wegen des Abrisses der Heemsteder Brücke gesperrt. Und warum konnted er Palmentransport keinen Umweg nehmen? Auf der Ausweichstrecke hätte man zu viel absperren müssen, erinnert sie sich an Mäklers Erklärung.

Hätten es nicht auch kleinere Kübelpflanzen getan, wenn der Transport der großen dem Staatsbad zu heikel erschien? Auch keine gute Idee, habe Mäkler sie beschieden. Die Begründung: Passanten könnten sich an den Wedelspitzen kleinerer Palmen Augenverletzungen zuziehen.

Musste Claudia Kloß-Fricke da noch schmunzeln, fand sie Mäklers letzten Vorschlag nicht mehr lustig: „Er meinte ich könnte ja auch selber Pflanzen hinstellen.“ Dabei bepflanze sie die Kästen vor ihrem Bahnhof-Stübchen doch sowieso schon selbst.

Die Auskünfte aus der Staatsbad-Gärtnerei bestätigt Bürgermeister Klaus Blome. Denn als er durch einen Anruf der Wirtin bei Stadtsprecher Wolfgang Siefert von der Situation am Bahnhof erfuhr, rief er Michael Mäkler selber an – und hörte dieselben Begründungen für den kahlen Vorplatz. „Das Staatsbad sieht in diesem Jahr keine Möglichkeit“, erklärte er auf Anfrage unserer Zeitung. Dass der Umweg für die großen Palmen zu aufwendig und zu gefährlich gewesen wäre, könne er nachvollziehen. „Aber ich werde es mir anschauen“, sagte Blome.

Gäbe es keine Möglichkeit, wenigstens ein paar Pflanzkübel aufzustellen? „Wir fragen im Bauhof, ob die eine Möglichkeit sehen“, sagte Blome.

Zum Schmunzeln bringt die Wirtin immerhin die Idee eines Stammkunden, der regelmäßig zum Currywurstessen zu ihr kommt. „Er guckte auf den Bahnhofsplatz und meinte: Hässlich, aber lecker.“



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