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Wie funktioniert ein Unfallmeldedienst?

Leichter Unfall – viele Retter rücken aus

BAD PYRMONT. „Unfall mit eingeklemmter Person“ lautet die am vergangenen Donnerstag bei Feuerwehr und Rettungsdienst eingegangene Meldung. Wenige Minuten später rückten Feuerwehrwehrfahrzeuge, Rettungswagen und ein Notarzteinsatzfahrzeug aus. Doch am beschriebenen Einsatzort gab es keinen schweren Unfall.

veröffentlicht am 29.01.2019 um 15:20 Uhr

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Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Dabei soll der eigentliche Notruf von einem digitalen „Ersthelfer“– einem Unfallmeldedienst (UMS) abgesetzt worden sein. Seit April vergangenen Jahres müssen alle Neufahrzeuge bis 3,5 Tonnen Gesamtgewicht mit einem „Ecall“-Notrufsystem ausgestattet sein. Die EU wollte das so. Unfallzeit, Fahrzeugposition in geografischer Länge und Breite sowie Fahrtrichtung, Fahrzeug-Identifikationsnummer und, anhand der angelegten Gurte, die Zahl der Insassen wird automatisch an die jeweilige Leitstelle übermittelt.

Die ersten Momente nach einem Unfall – Sekunden der Orientierungslosigkeit. Wo bin ich? Bin ich verletzt, und wenn ja, wie schwer? Und vor allem: Wo ist mein Handy, damit ich Hilfe rufen kann? Wichtige Kriterien, die im Ernstfall über Leben und Tod entscheiden können, und die eCall zu einem großen Teil den Insassen abnehmen soll.

Das System setzt im Fall einer Kollision automatisch einen Notruf ab oder kann auch per Knopfdruck vom Fahrer oder Ersthelfern aktiviert werden. Der Effekt sei laut Aussagen einer EU-Kommission groß. Die Reaktionszeit der Notdienste soll in ländlichen Gegenden um bis zu 50 Prozent verkürzt werden.

Ein Notrufsystem im Auto kann auch per Knopfdruck aktiviert werden. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

In Bad Pyrmont war an der Bismarckstraße allerdings weit und breit keine Unfallstelle zu sehen. Anhand des übermittelten Kennzeichens gelang es den Einsatzkräften, das als solches gemeldete Unfallfahrzeug auf einem Parkplatz zu finden. Wie die Polizei in Erfahrung brachte, war der Skoda gegen 8 Uhr in einen leichten Auffahrunfall verwickelt. Offenbar nichts Dramatisches, kaum Schäden an den Autos.

Die Beteiligten sollen sich nach der Kollision untereinander geeinigt haben, sagte Polizeihauptkommissar Arnold Schiffling vom Kommissariat Bad Pyrmont. „Die Autofahrerin, von deren Fahrzeug der Notruf abging, hat meinen Kollegen gesagt, dass sie selbst den Alarm nicht bewusst ausgelöst habe und auch nicht mitbekommen habe, dass der ausgelöst wurde“, sagt Schiffling.

Doch wie kam es zu der Meldung, die einen solch großen Einsatz auslöste? Im Fahrzeug soll sich nach Polizeiangaben ein „Smart Drive System“ befunden haben – eine nachrüstbare Alternative zur eCall-Anlage. Die Elektronik ist mit Beschleunigungssensoren ausgestattet. Bei einem Unfall sendet auch dieses Sicherheitssystem sofort verschiedene Unfalldaten an ein Smartphone, welches wiederum eine Notrufzentrale kontaktiert.

Es habe sich im Pyrmonter Fall nicht um einen reinen „eCall“gehandelt, sondern um eine Meldung an ein Callcenter eines Anbieters, teilt Kay Leinemann, Leiter Kooperativen Regionalleitstelle Weserbergland in Hameln, auf Anfrage mit. „Immer dann, wenn wir keine Informationen haben, gehen wir vom Schlimmsten aus. Das heißt, dass der Verkehrsunfall so schwer war, dass die Beteiligten nicht mehr in der Lage sind, zu sprechen“, erklärt Leinemann.

Diese Auskünfte habe der Disponent im Callcenter nicht erhalten. Sofern nach einem Unfall keine automatische Sprachverbindung zustande kommt, etwa bei schwachem Netzempfang, rufen die Mitarbeiter einer Notrufzentrale zurück. Antwortet niemand, leiten sie alle für eine schnelle Hilfe notwendigen Informationen umgehend an die zuständige Rettungsleitstelle weiter, damit die Rettungskräfte schnell vor Ort sind.

„Bevor die Technik im Fahrzeug den Sprechkontakt mit der Autofahrerin herstellen konnte, muss die Frau ausgestiegen sein. Daher konnte das Callcenter nicht mehr abfragen, was los sei und ob jemand Hilfe benötige“, vermutet der Leitstellen-Leiter. Folgerichtig alarmierte der Leitstellendisponent neben dem Rettungsdienst und einem Notarzt auch die Feuerwehr.

„Wenn es die Lage nach einem Unfall ermöglicht, sollten Beteiligte eine gewisse Zeit in der Nähe des Autos bleiben. So können sie für Rückfragen zur Verfügung stehen, wenn der Kontakt zur Leitstelle hergestellt ist“, rät Leinemann. Übrigens , oft wurden der Leitstelle in Hameln Unfälle mithilfe des eCall-Notrufsystems noch nicht gemeldet. „Noch keine zehn Mal“, weiß der Leitstellen-Chef.



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