weather-image
23°

Gutachten gibt Entwarnung

Laut Kreis keine Hinweise auf Gefahr aus der Erde

BAD PYRMONT. Die Anlieger der Straße „Am unteren Meere“ müssen sich offenbar nicht vor den Ausdünstungen des Erdfalls fürchten, der in der Nähe ihrer Grundstücke liegt. Auch, wenn es aus den ursprünglich zwei wassergefüllten Einsturztrichtern im Spätherbst zeitweise ziemlich ekelerregend nach faulen Eiern stinkt.

veröffentlicht am 25.01.2017 um 22:00 Uhr

Dieser kolorierte Kupferstich aus dem 1830 vom Bertuch-Verlag (Weimar) verlegten lexikalischen „Bilderbuch für Kinder“ zeigt die Pyrmonter Erdfälle aus der Vogelperspektive. Rechts liegt der obere Erdfall, und links ist das aus zwei Einsturztrichtern
Juliane Lehmann

Autor

Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

„Das ist zwar deutlich oberhalb der Geruchsschwelle“, sagt Udo Hagemann vom Umweltamt des Kreises Hameln-Pyrmont, das noch im November von der Pyrmonter Stadtverwaltung eingeschaltet worden war (wir berichteten). Gesundheitsschädlich seien die Ausdünstungen aber nicht, da sie mit sich mit der Frischluft vermengten. Gleichwohl hat der Diplom-Geograf Verständnis dafür, wenn sich die Anwohner belästigt fühlen.

Die nun vorliegende Einschätzung der Fachleute beruhigt Hagemann jedoch in gewisser Weise. Denn die Ursache des Gestanks ist nicht menschengemacht. Das jedenfalls ergaben die von der Kreisverwaltung beauftragten Untersuchungen durch Dr. Axel Rogge. Der Geologe gilt als Kenner des Pyrmonter Untergrunds. Denn vor 20 Jahren tauchte er hier inhaltlich sehr tief. Der Titel seiner 2001 veröffentlichten Doktorarbeit lautet „Die Geologie und Hydrogeologie im Raum Bad Pyrmont unter besonderer Berücksichtigung des Quellensystems“. Seither hat Rogge das Staatsbad und die Stadt Bad Pyrmont bei diversen Bauvorhaben im Stadtgebiet mit Blick auf den Heilquellenschutz beraten und die Projekte hydrogeologisch begleitet. Aktuell arbeitet er fürs Staatsbad an der Heilquellenschutzgebietsnovellierung. Zudem hat sein Unternehmen im Auftrag des Lügder Unternehmers Dieter Hilpert ein hydrogeologisches Gutachten für den vom Investor gewünschten Neubau am Altenauplatz erstellt.

Für seine Erdfall-Untersuchung habe sich Rogge noch einen Limnologen, also einen Binnengewässer-Fachmann, dazugeholt, berichtet Udo Hagemann. Beide Experten setzten sich auch in ein Boot, um dem Gestank auf den Grund zu gehen, den der untere Erdfall absondert. Dabei überprüften sie Hagemann zufolge zum Beispiel den Sauerstoffgehalt, die Sichttiefe, die Temperatur und die elektrische Leitfähigkeit des Erdfall-Wassers. Eine Erkenntnis aus den Untersuchungen: Sauerstoff? Fehlanzeige. „Das Gewässer ist umgekippt“, sagt Hagemann. Und drinnen finden – wie schon vor Beginn der Tests vermutet – durch ins Wasser gefallenes Laub ausgelöste Abbauprozesse statt. Die dürften den fauligen Geruch in dem konstant 7 bis 8 Grad warmen Wasser mit verursachen. Die aus ursprünglich zwei Einsturztrichtern bestehenden Teichteile sind 26 und 28 Meter tief. Nicht auszuschließen allerdings, dass auch durch unterirdische Auswaschungen freigesetztes Sulfat an die Luft dringt.

Davon geht auch der Anwohner Rainer Lohstädt aus, der den Erdfall seit Jahren intensiv beobachtet. „Das kommt irgendwas von unten hoch“, sagt er. An den Tagen, an denen die Oberfläche plötzlich milchig weiß aussieht, gehen auch keine Enten drauf. Sonst versammeln sie sich oft dort.“

Und wie sieht es mit den Georisiken aus? Könnten unterirdische Auswaschungen irgendwann einen weiteren Erdfall in der Nähe auslösen? „Das hat Dr. Rogge ausgeschlossen“, sagt Udo Hagemann. „Darauf gibt es keine Hinweise.“ Im Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie sieht man das ebenso.

Laut Kreis-Mitarbeiter Hagemann soll es in den 1980er Jahren schon einmal ein ähnliches Naturphänomen mit milchigem Wasser und erheblichem Gestank dort gegeben haben. „Aber wir haben den Erdfall erst seit November auf dem Schirm“, sagt der Kreis-Mitarbeiter. Da Hagemann derzeit ohnehin regelmäßig in Bad Pyrmont zu tun hat, schaut er jetzt auch stets beim unteren Erdfall nach dem Rechten. Denn er will wissen: „Riecht es oder nicht?“



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?