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Beim Lärmaktionsplan der Stadt Bad Pyrmont rückt die CDU die Schillerstraße in den Fokus

Langsamer und leiser auf der Schillerstraße

BAD PYRMONT. An diesem Donnerstag soll der Rat einen Lärmaktionsplan verabschieden. Dabei ist die Schillerstraße in den Fokus gerückt. Nach Ansicht der von der Stadt beauftragten Planer könnten leiser Asphalt und ein Tempolimit 30 helfen, den Lärm zu reduzieren. Doch das Straßenbauamt in Hameln hat Vorbehalte.

veröffentlicht am 12.03.2019 um 13:44 Uhr
aktualisiert am 12.03.2019 um 19:40 Uhr

Mit lärmreduzierendem Belag könnte die Belastung der Anwohner der Schillerstraße geringer werden. Doch die Frage ist, wie leise dieser Belag sein wird. Foto: uk
Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
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Die Anlieger der Schillerstraße wohnen ziemlich laut, denn vor ihren Häusern rauscht rege der Verkehr. Das ist nicht neu, doch es tut sich nichts. Weder gibt es ein Tempolimit auf 30 Stundenkilometer, wie es schon lange Michael Gerth vom Einzelhandelsverband fordert, noch ist der Einbau von sehr leisem Asphalt durch das dafür zuständige Landesamt für Straßenbau vorgesehen. Doch beide Maßnahmen finden sich im Lärmaktionsplan für Bad Pyrmont, den der Rat am Donnerstag beschließen soll.

„An der Schillerstraße und auf einem kurzen Stück an der Hagener Straße werden zahlreiche Wohngebäude sehr hoch belastet“, heißt es im Entwurf des Lärmaktionsplanes, den das Büro „Lärmkontor GmbH“ im Auftrag der Stadt erarbeitet hat. Kommt hinzu: Die gesamte Ortsdurchfahrt der Landesstraße 426 und 430 – also von der Bahnhofstraße über die Südstraße und die Schillerstraße bis hin zur Hagener Straße – liegt laut Lärmkontor eine relativ lauter Asphalt, der bei der nächsten anstehenden Sanierung gegen einen geräuschreduzierenden Belag ausgetauscht werden sollte. Problem: Laut Straßenverkehrsbehörde erfüllen die im Pyrmonter Lärmaktionsplan genannten Asphalte derzeit nicht die Regeln der Technik. Doch genau dieser Belag führt laut den Experten zu einer Reduzierung des Lärms um bis zu 4 Dezibel bis Tempo 50 – mit einer beachtlichen Wirkung. „Wenn wir den Lärm um 1 bis 2 Dezibel reduzieren, dann ist das so, als ob weniger als die Hälfte der Autos dort fahren würden“, betont der Dipl.-Geograph Carsten Kurz von Lärmkontor.

Doch damit nicht genug. Die Experten empfehlen außerdem, im Abschnitt zwischen Schlossstraße und Grießemer Straße eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf Tempo 30 km/h zu prüfen. In diesem Streckenabschnitt gebe es zahlreiche Zu- und Abfahrten, und durch diese Maßnahme würde nicht nur die Verkehrssicherheit erhöht, sondern auch eine Lärmreduzierung von rund 2 bis 3 Dezibel in diesem stark belasteten Bereich erreicht werden. Das Tempolimit, so die weitere Empfehlung, sollte mit Lärmschutzschildern, Tempodisplays und Geschwindigkeitskontrollen unterstützt werden.

Bislang sieht die Pyrmonter Polizei angesichts der relativ geringen Zahl an Verkehrsunfällen unter Sicherheitsaspekten keine Veranlassung für ein Tempolimit. Ähnlich hat sich auch die Stadt immer geäußert. Ende 2017 verzichtete sie auf die Teilnahme an einem Modellprojekt Tempo 30 in niedersächsischen Kommunen, unter anderem weil es weder einen Lärmaktions- noch einen Luftreinhalteplan gebe, so die damalige Begründung.

Doch ohne das Okay des Landesstraßenbauamtes kommen weder Tempolimit noch leiser Asphalt. Das weiß auch die CDU-Fraktion, die deshalb Abstimmungsgespräche der Stadt mit der in Hameln ansässigen Behörde beantragt hat. Sie befürchtet, dass beim anstehenden Ausbau der Schillerstraße im Zuge des Rewe-Neubaus und der Kanalarbeiten eben kein „Flüsterasphalt“ eingesetzt wird – zumindest nicht den im Aktionsplan vorgesehenen.

„Es geht nicht darum, dass wir das alles nicht wollen, es geht darum, dass sichergestellt sein muss, dass die Ergebnisse dieser Maßnahmen auch gewährleistet werden“, nennt Geschäftsbereichsleiter Markus Brockmann den Grund für die Zurückhaltung des Straßenbauamtes. Was geräuschreduzierenden Belag angehe, müsse sichergestellt sein, dass er 12 bis 15 Jahre halte und über diesen Zeitraum auch seine Oberflächeneigenschaften, zu denen auch die Lärmreduzierung zähle, behalte. „Von dem Asphalt, den wir einbauen und der Reduzierung von 2 bis 3 dB ermöglicht, wissen wir das“, so Brockmann. Wenn die Stadt es wünsche, einen anderen Belag auszuprobieren, dann sei das möglich. „Das kostet nicht mehr, aber die Stadt muss bereit sein, das Risiko dafür zu übernehmen.“

Tempo 30 sei dann möglich, wenn dadurch die Lärmreduzierung nachweislich unter den Grenzwert falle, so Brockmann, der betonte, dass er persönlich davon nicht ausgehe. „Das muss rechtssicher sein, sollte jemand gegen ein Tempolimit klagen“, begründet er diesen Vorbehalt. „Wie gesagt, es geht nicht darum, dass ich oder wir das nicht wollen. Es geht darum, dass es was bringt.“ Aber neben dem Nachweis der Lärmreduktion müssten auch alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sein, wie zum Beispiel Lärmsanierung durch Lärmschutzfenster, was das Land Niedersachsen allerdings nicht anbiete.



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