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„Totalausfall“ frisch gedruckt

Krimiautorin Lucie Flebbe setzt Lilas Brille ab

BAD PYRMONT. Was macht eine Schriftstellerin, wenn die Fans nach dem achten, eigentlich letzten Teil ihrer Krimiserie noch mehr wollen? Sie schiebt einen neunten, nun aber wirklich finalen Band nach: Mit „Totalausfall“ liegt der jetzt druckfrisch vor. Seine Autorin Lucie Flebbe ist gespannt, wie das Finale ankommt.

veröffentlicht am 16.08.2017 um 19:50 Uhr

Nachwuchsdetektivin Lila Ziegler hat über zehn Jahre hinweg auch einen Platz im Leben ihrer Erfinderin Lucie Flebbe erobert. Mit Erscheinen des finalen neunten Bandes „Totalausfall“ nimmt die Krimiautorin nun Abschied von Lila. Eine neue Geschichte m
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Denn in all den Jahren, in denen die inzwischen 39-Jährige ihre bis heute 20 Jahre alte Privatdetektivin Lila Fiedler in den unterschiedlichsten Milieus ermitteln ließ, bekam die aus Hameln stammende Wahl-Pyrmonterin nie so viele Publikumsreaktionen wie nach dem vorläufigen Serien-Aus. „Das kann nicht alles gewesen sein!“, war eine typische Rückmeldung.

Das hammerharte Ende von „Am Boden“ war vielen Fans deutlich zu unhappy. Und zu offen. Überraschend zwar. Aber die Leser waren nicht bereit, die ebenso pfiffige wie problembeladen verpeilte Schnüfflerin loszulassen. Es fühlte sich an, als verschwinde ein Mensch ohne Abschied. Im wirklichen Leben ist so etwas unfassbar tragisch. Im Krimi dagegen ein klassischer Cliffhanger.

Letztlich entsprach Lucie Flebbe dem Wunsch der Fans, den eine Leserin so formulierte: „Ich hoffe, dass die Autorin ein Einsehen mit ihren LeserInnen hat und doch noch einen Band schreiben wird.“

Ob Lila Zieglers Erfinderin, die mit dem Erstling „Der 13. Brief“ 2008 den Friedrich-Glauser-Nachwuchspreis gewann, ihren Lesern nun ein Happy End gönnt, verrät sie nicht. Aber die ersten Reaktionen scheinen ihre Hoffnung darauf zu erfüllen, einen gelungenen Schlusspunkt gesetzt zu haben: „Es ist sooo toll. Danke für das Ende. Und ja, ich finde es stimmig“, schriebt ein Fan im Internet, der das Buch gleich am Erscheinungstag verschlang.

Das „Totalausfall“-Manuskript hat die Autorin zwar erst vor rund zwei Monaten beim grafit-Verlag abgegeben. Aber nach neun Lila-Büchern mit insgesamt 2393 Seiten ist für sie der Abschied jetzt besiegelt. „Im Buch vergeht ja weniger Zeit, aber ich habe zehn Jahre daran geschrieben. Ich werde es nicht mehr aufwärmen.“

Die Recherchen für Band 9, der in einer psychosomatischen Klinik spielt, waren zwar nicht so aufwändig wie sonst. Denn das Milieu ist der Physiotherapeutin Flebbe nicht fremd. Doch die losen Handlungsfäden aus acht Bänden zusammenzuführen war auch nicht ohne.

Und was wird jetzt, ohne Lila Ziegler? „Im Moment versuche ich noch, umzuschalten.“ Zum unerlässlichen Hineinversetzen in ihre Kunstfigur gehörte es eben auch, alles durch Lilas Brille zu sehen. „Vor allem mein Mann findet den Abschied sehr traurig“, sagt die Autorin, nur halb im Scherz. „Auch, weil er so lange mit Lila gearbeitet hat.“

Was den Verlust aufwiegt: Lucie Flebbe hat schon mit den Recherchen für einen ganz neuen Krimi begonnen. Wie immer mit Unterstützung ihres Mannes. „Er ist nicht nur mein erster Testleser. Er beschäftigt sich auch mit den Sachthemen und den Örtlichkeiten.“ Das heißt: Detlef Flebbe fotografiert alles, was seiner Frau später authentische Schilderungen ermöglicht. Bei einem Hospitanz-Tag im Jobcenter Bochum waren das zum Beispiel neulich Fußbodenbelege und Mülleimer. „Es wird um Langzeitarbeitslosigkeit gehen“, deutet sie an.

Das Thema hat sie seit fünf Jahren auf dem Zettel. „Jetzt kann ich eigentlich anfangen zu schreiben.“ Die Geschichte legt sie wieder als Serie an, denn: „Ich schreibe gerne lang.“ Mit dem ersten Band will sie Ende 2018 fertig sein.

Und wie konzipiert sie ein neues Buch? „Erst habe ich den Plot, dann entwerfe ich die Hauptfiguren. „Dabei bin ich sehr akribisch. Denn sie müssen spannend genug sein, um ein Buch zu tragen.“

Und was liest Lucie Flebbe, wenn sie sich nach Feierabend in einer Pyrmonter Rehaklinik nicht gerade gemeinsam mit ihrem Mann um die drei jüngsten Kinder kümmert oder eben schreibt (neuerdings übrigens erstmals am eigenen Schreibtisch)? „Querbeet“, sagt sie. Zuletzt ein Fantasy-Kinderbuch, davor den Krimi einer Autorenkollegin aus ihrem Verlag. Besonders imponiert ihr jedoch das Werk des britisch-kanadischen Autors Arthur Hailey (1920-2004) – nicht zuletzt, weil intensives Quellenstudium seinen Welterfolgen „Hotel“ und „Airport“ Authentizität verlieh.

Apropos: Warum siedelt sie nicht endlich mal einen Krimi in Bad Pyrmont an? „Ach, hier bin ich ja sowieso immer“, winkt sie lachend ab. „Aber inspirierend wäre die Stadt durchaus.“ Ein paar Pyrmont- Kurzkrimis gebe es schon, aber noch unveröffentlicht.

Lucie Flebbe ist zwar nicht der Typ Mensch, der anderen Ratschläge erteilt. Aber einen Tipp hat sie doch für alle, die das letzte Lila-Ziegler-Buch lesen wollen: „Mit dem Ende anzufangen, wäre Schwachsinn. Man muss ,Am Boden‘ und ,Totalausfall‘ zusammen als großes Finale sehen.“



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