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Personalengpass beim Müllkonzern Remondis

Krankheitswelle verzögert Abfuhr Gelber Säcke

BAD PYRMONT. Wenn sich kurz vor dem Wochenende, zwei Tage nach dem Abfuhrtermin, noch immer Hunderte von Gelben Säcken in der Kurstadt türmen, wurmt das viele Pyrmonter. Der für die Abholung verantwortliche Konzern Remondis begründet den Verzug mit einer Krankheitswelle.

veröffentlicht am 26.04.2019 um 22:41 Uhr

Oben hui, unten pfui: Seit Mittwoch türmten sich an diversen Stellen innerhalb und außerhalb des Kurbezirks noch immer Hunderte von Gelben Säcken. In der Rathausstraße verliehen die von den Stürmen der Vortage verwehten Kirschblütenblätter dem trauri
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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„Herzlich willkommen im Remondis-Kundenservice.… Leider befinden sich alle unsere Mitarbeiter im Kundengespräch.… Bitte haben Sie einen kleinen Moment Geduld, der nächste freie Annahmeplatz ist bereits für Sie reserviert… Besuchen Sie uns auch im Internet“. Diese und weitere Hinhalte-Ansagen strapazierten dieser Tage die Geduld diverser Pyrmonter. Sie wollten den Entsorgungs-Konzern Remondis aber weder irgendwo besuchen noch ihre Zeit in der Musikmüll-Endlosschleife einer 0800er-Nummer verplempern. Sie hatten nur zwei Fragen: Warum liegen die Gelben Säcke immer noch da. Und wann werden sie abgeholt? Denn von denen türmten sich auch zwei Tage nach dem regulären Abholtermin noch Hunderte in der Stadt.

Eine Antwort blieb das Berliner Callcenter des internationalen Abfall-Giganten jedoch schuldig. Nach drei Minuten Wartezeit keimte zwar kurz ein Funken Hoffnung auf, als am anderen Ende der Leitung ein echter Mensch den Hörer abzuheben schien. Doch auch die leicht sächselnde Männerstimme entpuppte sich als Anrufbeantworter, der eine Nachricht zu hinterlassen bat. Aufs Band gesprochene Rückrufbitten liefen dann gleichfalls ins Leere.

Derweil lagen in Teilen der Fußgängerzonen im Kurbezirk, aber auch in der Hauptallee sowie an den Rändern diverser Wohnstraßen noch Hunderte von Säcken herum.

Am Freitagnachmittag holt ein Remondis-Abfuhrwagen die ausstehende Bad-Pyrmont-Tour nach. Foto: jl

Gemessen an den Verspätungen zu Beginn des Abholerwechsels im Januar wären zwei Tage Verzug zwar wirklich kein Weltuntergang – wenn nicht gerade das Wochenende vor der Tür gestanden hätte. Da haben viele null Toleranz. Die ersten Bürgerbeschwerden liefen denn auch bereits am Donnerstag im Pyrmonter Rathaus auf.

Die Stadtverwaltung hat bei der rein privatwirtschaftlich unter mehreren Müll-Multis bundesweit aufgeteilten Sack-Abfuhr des Dualen Systems allerdings gar nichts zu melden. Ordnungsamtsleiterin Sabine Jösten schrieb laut Stadt-Sprecher Wolfgang Siefert dennoch am Donnerstag eine deutliche E-Mail an Remondis. Und die Außendienstler des Ordnungsamts gingen auf Tour und listeten die betroffenen Bereiche auf. „Mehr können wir nicht tun“, bedauerte Siefert. Das Abholen der Säcke etwa durch den Bauhof auf Kosten von Remondis sei so kurzzeitig nicht möglich. Bei einer solchen „Ersatzvornahme“ als Sanktion seien längere Fristen einzuhalten.

Eine Erklärung für den Verzug lieferte dann eine Pressesprecherin aus der Firmen-Zentrale in Lünen. „Wir hatten viele krankheitsbedingte Ausfälle“, erklärte sie auf Anfrage. „Auch ein von uns beauftragtes Subunternehmen schaffte die Sammlung nicht flächendeckend.“ Der Wegfall zweier Arbeitstage an Karfreitag und Ostermontag habe die Verspätung indes nicht verursacht. Der sei in der Planung berücksichtigt.

Auf den Frust der Endkunden angesprochen, die die Abfuhr der Plastikverpackungen bekanntlich bereits beim Einkauf mitbezahlen, beteuerte die Sprecherin: „Wir sind stets bemüht, das wieder auszubügeln, indem wir künftig eine sichere Entsorgung gewährleisten.“ Allerdings dürfe man nach verpassten Abfuhrterminen nicht einfach bei nächstbester Gelegenheit in Fußgängerzonen fahren. „Dazu brauchen wir dann eine Sondergenehmigung der Kommune.“

Dass das Ordnungsamt der Stadt Bad Pyrmont – sofern noch während der Dienstzeit – so eine Erlaubnis ohne Zögern erteilen würde, dürfte jedoch außer Frage stehen. Denn niemand will die Kurstadt-Optik durch Gelbe Säcke verschandelt sehen. Schon gar nicht am Wochenende, wenn Gäste kommen.

Immerhin: Die Meldungen blieben letztlich doch nicht ohne Folgen. Am Freitagnachmittag rückte Remondis an und sammelte die Säcke ein.

Im Rathaus bleibt indes der Wunsch, über absehbare Abfuhr-Verspätungen beizeiten informiert zu werden. „Wenn die uns einfach Bescheid geben, wissen wir schon, was zu tun ist“, sagt Wolfgang Siefert. „Dann können wir die Bürger über die Medien informieren, und die Säcke stehen nicht so lange draußen.“

Der Pyrmonter Georg Schwientek gehört zu denen, die wenig Verständnis haben für die säumige Leistung des Müll-Multis. „Welche Fehlertoleranz erlauben wir?“, fragt er. Er findet, es könne nicht angehen, dass es anscheinend nirgends eine Instanz gebe, die die Einhaltung getroffener Vereinbarungen prüfe und den Leistungserbringer bei Nichterfüllung zur Rechenschaft ziehe. „Wir Kunden bezahlen doch dafür.“

Welchen Einfluss der viel propagierte Plastikverpackungs-Verzicht auf die Personalausstattung der Abfuhrunternehmen hat, bleibt offen.



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