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"Kopfprämie" zum Scheitern verurteilt?

Lügde (jl). Bis zu 50 000 Euro will das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium jungen Ärzten zahlen, die bereit sind, sich in Lügde niederzulassen. Denn die Emmerstadt zählt zu den Mangelgebieten im Lande. Sie steht auf Rang 51 in einer Liste von 65 Orten, denen absehbar „eine Gefährdung der hausärztlichen Versorgung droht“, wie das Düsseldorfer Ministerium anhand der Zahl und Altersstruktur der praktizierenden Ärzte ermittelt hat.

veröffentlicht am 05.01.2010 um 21:13 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 02:21 Uhr

Dr. Rainer van Elten
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 Am 15. Dezember lief die erste Antragsfrist ab. „Bis dahin sind bei uns 35 Anträge eingegangen, sechs davon aus dem Regierungsbezirk Detmold“, erklärte gestern ein Ministeriumssprecher auf Anfrage. Wieviele Mediziner den Zuschuss zur Niederlassung in Lügde und seinen Ortsteilen nutzen möchten, könne er nicht sagen. Das verbiete der Datenschutz.
 Immerhin ein Lügder Arzt, der bisher als Angestellter in einer Lügder Praxis arbeitete, soll zu den Antragstellern zählen, verlautet aus einer anderen Quelle. Ob er in den Genuss der Förderung kommt, ist aber noch nicht entschieden. „Die Anträge werden derzeit geprüft“, so der Ministeriumssprecher.
 So mancher sieht die Landarzt-„Kopfprämie“ allerdings skeptisch. Einer der Zweifler ist Dr. Rainer van Elten. „Die Aktion von Minister Laumann ist zum Scheitern verurteilt, und das weiß er auch“, sagt der Lügder Mediziner. „Denn mittlerweile hat sich auch unter den Ärzten, die für eine Niederlassung infrage kämen, herumgesprochen, dass man an den Behandlungskosten der eigenen Patienten in Form von Regressen bis zur Pleite beteiligt wird“, so Dr. van Eltern weiter.  Seinen Recherchen nach müssen allein Ärzte in Westfalen-Lippe jährlich Regresse in Höhe von 5,5 Millionen Euro bezahlen.
 Der Lügder Arzt selbst sah sich nach einer Wirtschaftlichkeitsprüfung vor zwei Jahren Regressforderungen von 118 000 Euro gegenüber, weil er einigen Schwerkranken unter seinen Patienten angeblich über sein Praxis-Budget hinaus zu viele Heilmittel verschrieben hatte. „Doch ich konnte nachweisen, das die Berechnungsgrundlage nicht stimmte“, sagt der Arzt. Letztlich habe er nichts bezahlen müssen, und auch aktuell verlangen die Prüfer kein Geld von ihm zurück.
 Einige seiner Kollegen in anderen Orten haben da weniger Glück: „Einer hat schon 200 000 Euro bezahlt, und eine Ärztin hat vor einiger Zeit Insolvenz angemeldet, weil sie die Regressforderungen nicht erfüllen konnte“, sagt der Lügder Arzt. Arbeitsbedingungen wie diese hätten dazu geführt, dass kaum noch jemand als Hausarzt arbeiten wolle. Und weil speziell die lippischen Ärzte aus Angst vor Regressforderungen immer weniger verschrieben, sei das daran orientierte Budget immer weiter gesunken.
 Van Eltens Systemkritik will man in Düsseldorf nicht gelten lassen. „Unser Aktionsprogramm und die Regressforderungen sind zwei verschiedene Paar Schuhe“, sagt der Ministeriumssprecher und spricht von „Einzelfällen“. Für ihn zählt, mit Blick auf den drohenden Ärztemangel: „Wir tun immerhin ’was.“
 Dass einmalige finanzielle Anreize nicht genug sein könnten, merkt man inzwischen allerdings auch in Berlin: So forderte der neue Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller (CSU), gerade in einem Interview: „Die Budgetierung muss weg.“ Nur dann wisse der Arzt, dass er für seine Leistung am Kassenpatienten auch bezahlt werde. Zöller plädiert zugleich für eine höhere Vergütung, „damit sich Ärzte auch im ländlichen Raum niederlassen“. Übrigens: Bis März können niederlassungswillige Ärzte erneut Zuschüsse in Düsseldorf beantragen.



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