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Liedermacher aus München überzeugt durch musikalische Vielfalt und nimmt Bad in der Menge

Konstantin Wecker rockt den Schlosshof

Bad Pyrmont. Sein Lexus Geländewagen mit dem Kennzeichen M-KW parkt geschamig versteckt am Kommandantenhaus und damit im weniger einsehbaren Schloss-Bereich. Das Bühnen-Outfit mit schlammfarbener Jeans, lässig über der Hose hängendem Hemd, etwas zu knapper Fleece-Weste und seiner Regenbogen-Friedenskette um den Hals lässt vermuten, dass er gerade aus der Nachbarschaft mal eben eilig zum Termin auf die Bühne gekommen ist. Um dann links zu singen und rechts zu kassieren?

veröffentlicht am 23.07.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 22:41 Uhr

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In der Tat greift Konstantin Wecker bei seinem Open-Air-Auftritt in Bad Pyrmont zunächst sozialkritische Themen auf, setzt sich in seinen Songs mit Politik und Gesellschaft auseinander. Doch spätestens, als der Liedermacher, Komponist, Schauspieler und Autor mit „Das Lächeln meiner Kanzlerin“ eine Persiflage auf Angela Merkel vorträgt, ist das anfangs durchaus vorhandene Eis zwischen den rund 800 Schlosshof-Besuchern und dem Münchener geschmolzen, und der hat sein Pyrmonter Publikum ganz fest im Griff. Denn er verspricht: „Ach könnte ich an ihrer Brust nur einmal doch versinken – dann wähle ich, ich schwöre es, auch niemals mehr die Linken.“

Aber der 65-Jährige mahnt auch: „Nur ein Prozent von dem Geld, das jährlich für Waffen ausgegeben wird – und der Hunger in der Welt wäre ein für alle Mal behoben.“

Nach der Pause dann ein ganz anderer Wecker: Weniger kampfeslustig, sondern poetisch und fast schon sentimental. Aber sein aktuelles Bühnenprogramm heißt schließlich „Wut und Zärtlichkeit“. Und das lebt Wecker auch auf der Freiluftbühne im Schlosshof. Er zitiert Bertolt Brecht, trägt Besinnliches von Rainer-Maria Rilke vor, singt bekannte und weniger bekannte Songs, erinnert an die 1970er und 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts und kokettiert: „Eine herrliche Zeit – da wurden meine Lieder noch im Rundfunk gespielt.“

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  • Musikalischer Ausflug nach Jamaika: Konstantin Wecker und Nils Tuxen bei einer Reggae-Nummer im Schlosshof. Fotos: HW, jl

Doch Wecker präsentiert auch in Bad Pyrmont kein Best-of-Programm, sondern konzentriert sich mit einigen Ausnahmen („Genug ist nicht genug“, „Es herrscht wieder Frieden im Land“) auf die Songs seines aktuellen Albums. Und auch das heißt: „Wut und Zärtlichkeit“.

Aber das ist Wecker pur. Was für ihn zählt, ist die Musik. Und so zündet der Pianist geradezu ein musikalisches Feuerwerk im Schlosshof. Unterstützt von seinen virtuosen Musikern Jo Barnikel (Tasten), Nils Tuxen (Pedal Steel Guitar, Bass, Gitarre) und Jens Fischer-Rodrian (Gitarre, Schlagzeug). Nicht minder virtuos an ihren Instrumenten als Wecker am Flügel sorgen sie feinfühlig und voller Spielfreude dafür, dass seine Botschaften dem Publikum unter die Haut gehen.

Fast schon genial: der beinahe 45-minütige Zugabenteil des 65-Jährigen, der sich in Bad Pyrmont erstaunlich fit zeigt. Gerade hat er sich von seinem Publikum verabschiedet, um dann ganz plötzlich ein Bad in der Menge zu nehmen und im Schlosshof zu singen. Am Ende stehen alle, feiern Konstantin Wecker und seine Musiker mit frenetischem Applaus.

Wecker hat in der Kurstadt alles gegeben und eindrucksvoll mit Sozialkritischem und Einfühlsamem sein Können bewiesen. Auch musikalisch – mit Rock, Blues, Jazz, Reggae und bajuwarischer Volksmusik („Weil ich Dich liebe“). Und selbst, wenn Wecker „Ein Männlein steht im Walde“ intoniert, gibt er dem Kinderlied eine besondere Note. Nur einen Song singt er nicht: „Kokain“. Das ist für ihn kein ganz offenbar Thema mehr.

Ovationen für den Star: Beim Applaus hält es das Publikum nicht mehr auf den Sitzen.



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