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Einzigartiges Angebot in OWL für benachteiligte Jugendliche

Kombinierte Ausbildung

Detmold. Das Jobcenter Lippe hat eine Kombi-Ausbildung ins Leben gerufen für benachteiligte Jugendliche, die auf dem Ausbildungsmarkt nicht vermittelbar sind. Diesen Jugendlichen soll das neue Angebot gleichberechtigte Chancen auf den Arbeitsmarkt eröffnen. Wie das funktioniert, zeigt das Beispiel von Marco Meyer, der seit März bei den Staatlichen Bad Meinberger Mineralbrunnen zum Maschinen- und Anlagenführer ausgebildet wird.

veröffentlicht am 02.10.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 02:41 Uhr

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„Wir können und wollen es uns als Gesellschaft nicht leisten, Jugendliche zurückzulassen, nur weil sie ein wenig mehr Hilfe brauchen“, erklärt Landrat Friedel Heuwinkel. Er begrüßt daher die Initiative des Jobcenters, sowohl überbetriebliche als auch betriebliche Elemente in einer Ausbildung zu kombinieren. Zielgruppe dieses Modells sind Jugendliche mit Benachteiligung in den Bereichen Schule, Soziales und Entwicklung.

Die integrative Benachteiligtenausbildung – eine Ausbildung, die ausschließlich bei einem Bildungsträger und nicht in einem Betrieb durchgeführt wurde – gehörte lange zu den Standard-Maßnahmen, die von allen Arbeitsagenturen und Jobcentern bundesweit angeboten wurden. Doch durch den geringen Praxisbezug konnten nur die wenigsten Teilnehmer im Anschluss auf den Arbeitsmarkt vermittelt werden. Daher haben die meisten Arbeitsverwaltungen diese Maßnahmen gestrichen, doch ohne ein Ersatzangebot werden die betroffenen Jugendlichen alleingelassen.

Vor einem Jahr startete für Marco Meyer und seine Azubi-Kollegen nun das Kombi-Modell. Das erste Jahr der zweijährigen Ausbildung absolvieren sie beim Bildungsträger „SOS-Kinderdorf Detmold – Kinder-, Jugend- und Berufshilfe“. Danach wurden sie von einem Unternehmen als Auszubildende im zweiten Lehrjahr übernommen. „Hier lernen sie das, was ich als ‚Stallgeruch‘ bezeichnen würde“, erklärt Andrea Berger, Vorstand des Jobcenters Lippe. Damit gemeint ist, dass die Jugendlichen hier lernen, sich in ein Arbeits- und Betriebsklima einzufinden, auf Kunden einzugehen oder unter Zeitdruck arbeiten zu müssen. „All dies ist Arbeitgebern genauso wichtig wie ein Abschlusszeugnis“, so Berger.

„Auch für die ausbildenden Unternehmen ist dieses Angebot interessant“, ist sich Wolfgang Eidmann, Fachgebietsleiter für unter 25-Jährige beim Jobcenter Lippe, sicher. Denn sie bekämen für das zweite Ausbildungsjahr einen gut vorgebildeten Azubi, den sie im Betrieb einsetzen können, ohne die Kosten für das erste Ausbildungsjahr zu tragen. Eine Einschätzung, die Volker Schlingmann bestätigt. Der Geschäftsführer von Bad Meinberger Mineralbrunnen hat gute Erfahrungen mit seinem Kombi-Ausbildung-Azubi Marco Meyer gemacht. „Herr Meyer ist ein sehr motivierter und engagierter Auszubildender, der sich voll in unser Produktionsteam integriert hat“, berichtet Schlingmann. „Wir bilden insgesamt elf junge Menschen aus und unterstützen dabei sehr gern Jugendliche, die nicht die optimale Eintrittskarte besitzen, um einen problemlosen Einstieg in die Berufswelt zu finden.“ Voraussetzung für den gelungenen Übergang in einen regulären Betrieb ist die gute Vorbereitung im ersten Lehrjahr beim Bildungsträger. „Zusätzlich zu den Ausbildungsinhalten arbeiten wir mit den Teilnehmern unter anderem an ihrer Sozialkompetenz, ihrer Kommunikations- oder Konfliktbewältigungsfähigkeit“, erklärt Bärbel Tödtmann, Sozialpädagogin beim SOS. Dabei könne ihnen der Bildungsträger den geschützten Rahmen geben, den die Jugendlichen brauchen, um zu den regulären Auszubildenden aufzuschließen. „Hilfe zur Selbsthilfe ist hier das Motto“, ergänzt Wolfgang Eidmann. Vom anfänglich geschützten Rahmen werden die Jugendlichen dabei Stück für Stück auf mehr Eigenverantwortung vorbereitet.

Derzeit nehmen neun Jugendliche am ersten Durchgang der Kombi-Ausbildung teil und werden im Sommer nächsten Jahres ihre Ausbildung abschließen. Sechs der an der Kombi-Ausbildung mitwirkenden Unternehmen haben bereits ihrem Azubi eine Übernahme nach der Ausbildung angeboten. „Dieses tolle Zwischenergebnis zeigt, dass es sich lohnt, Zeit und Aufwand in die Arbeit mit diesen Jugendlichen zu stecken“, lobt Landrat Heuwinkel. Nachdem das Jobcenter die Kombi-Ausbildung zunächst nur für die Berufe Maschinen- und Anlageführer sowie Bauten- und Objektbeschichter anbietet, soll die Berufspalette im nächsten Jahr mit Start des zweiten Durchganges ausgedehnt werden.



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