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Stadtelternrat sieht Zwischenbilanz der Landesregierung zur frühkindlichen Bildung skeptisch

Kita-Pläne verunsichern die Familien

BAD PYRMONT. Gut gemeint, aber nicht bis zum Ende durchdacht – so sehen die Bad Pyrmonter Eltern die Ankündigungen der niedersächsischen Landesregierung zur frühkindlichen Bildung. Die Unsicherheit sei groß, heißt es in einer Stellungnahme des Stadtelternrates der Kindertagesstätten Bad Pyrmont.

veröffentlicht am 16.04.2018 um 17:57 Uhr
aktualisiert am 16.04.2018 um 19:00 Uhr

„Keiner weiß zurzeit genau, wie es ab August weitergeht“: Kritisch setzt sich der Stadtelternrat mit den landespolitischen Aussagen besonders zu Kindertagesstätten auseinander. Foto: dpa
Christian Branahl

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Christian Branahl Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Ob Gebührenfreiheit, Unterrichtsversorgung und Sprachförderung oder der flexibilisierte Einschulungsstichtag: „Schon allein diese Punkte führen zu einer großen Unsicherheit bei allen Beteiligten“, schreibt der Vorstand, der sich mit einer Zwischenbilanz der Regierungsarbeit nach hundert Tagen befasst hat. Dass Ministerpräsident Stephan Weil seine Regierungserklärung unter das Motto „Ein guter Anfang“ gestellt hatte, stößt bei Pyrmonter Eltern auf Widerspruch. „Ein guter Anfang sieht für Familien sicherlich anders aus“, lautet ihr Eindruck.

Das Gremium, aus einer Initiative von Eltern anlässlich der geplanten Erhöhungen der Kita-Gebühren in der Kurstadt hervorgegangen, richtete bei seiner jüngsten Sitzung den Blick in Richtung Landesregierung. „Schließlich sind das unsere Themen“, sagt Christine Scheer, die zusammen mit Marina Dohmann und Sven Wittlake den Vorstand bildet. Grundsätzlich zu befürwortende Änderungen seien oft noch mit Konjunktiven versehen, manchmal nicht zu Ende gedacht. Die Folge für Eltern, aber auch für Kommunen: „Keiner weiß zurzeit genau, wie es ab August weitergeht. Hier müssen dringend die entsprechenden Entscheidungen und Regelungen getroffen werden.“

Dass die Landesregierung den Stichtag für die Einschulung flexibilisiert, wird vom Stadtelternrat generell befürwortet. Dadurch können Eltern, deren Kinder zwischen dem 1. Juli und 30. September ihren sechsten Geburtstag feiern, selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder im gleichen Jahr einschulen. Bedenklich sei aber, dass diese Regelung schon in diesem Jahr gelte. Dabei seien im Februar bereits die Kitaplätze vergeben worden. Dadurch könne es zu Doppelbelegungen kommen, wenn Eltern es sich anders überlegen würden und ihr Kind ein weiteres Jahr betreut würde. Das könnte dazu führen, dass es in eine andere Einrichtung wechseln müsse – „das Kind dann aus seinem gewohnten Umfeld gerissen wird“. Christine Scheer weiß allein von der Kita in ihrem Wohnort Neersen, dass dort zwei Eltern überlegten, von der Neuregelung Gebrauch zu machen. Auf das gesamte Stadtgebiet bezogen könnte das schon eine beträchtlichte Zahl ausmachen. Unklarheit herrsche außerdem bei der angekündigten Gebührenfreiheit für die Kindergärten, wobei Krippen und Hort „anscheinend völlig ausgeklammert würden“, außerdem die Kommunen „vermutlich mehr belastet werden“.

„Welche Grundlagen für die Verträge ab dem neuen Kindergartenjahr im August zugrunde liegen sollen, bleibt aktuell ein Rätsel“, heißt es. Fragezeichen verbindet der Stadtelternrat mit der Sprachförderung.

Mit dem Beginn des nächsten Schuljahres wird die vorschulische Sprachförderung laut Landesregierung nicht mehr von Grundschullehrkräften durchgeführt. „Eine Qualitätssicherung oder gar Steigerung wird da sicherlich nicht zu erwarten sein“, heißt es in der Stellungnahme des Pyrmonter Gremiums.

Die Elternvertretung weiß, dass es nur eine von vielen Stimmen auf Landesebene ist, die sich zu den Themen zu Wort melden. Immerhin: Inzwischen hat der Stadtelternrat Rederecht im Ausschuss für Schulen, Jugend und Kultur des Pyrmonter Rates erhalten.

Premiere für Christine Scheer war im März – „spannend, das aus erster Hand mitzubekommen“, meint sie über die Beratungen in ihrer ersten Sitzung in neuer Funktion, beispielsweise zur Kita-Bedarfsplanung. Sie habe im Ausschuss einen guten Empfang erlebt. Scheer: „Es ist wichtig, dass die Meinung der Eltern ernst genommen wird.“

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