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Beiräte helfen behinderten Migranten

Keine Pingpong- Spielchen mit dem Sozialamt

Bad Pyrmont. Bekommen behinderte Menschen mit Migrationshintergrund in Bad Pyrmont und Lügde immer die Unterstützung und Hilfe, die sie benötigen? Und wie finden sie den Weg durch den deutschen Behördendschungel, wenn sie der deutschen Sprache nicht vollkommen mächtig sind? Um gehandicapte Einwanderer zu erreichen, wollen der Behindertenbeirat und der Integrationsbeirat der Stadt Bad Pyrmont sich zukünftig mehr diesen Menschen zuwenden.

veröffentlicht am 25.09.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 14:41 Uhr

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Autor:

Claudia Guenther
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„Wir denken insbesondere an Infoblätter in verschiedene Sprachen“, erläutert die Vorsitzende des Integrationsrates, Kiriakoula Koussataloglou-Mund. „Die Informationen müssen kurz und prägnant sein, sollten verständlich geschrieben werden und vor allem den Kontakt zwischen den Hilfsbedürftigen und den Beiräten herstellen. Denn wir müssen ja auch jemanden zum Übersetzen finden.“

Erschwerend kommt hinzu, dass manche Asylbewerber in ihren Herkunftsländern eine ungenügende Schulbildung genossen haben und – insbesondere Frauen – nicht selten muttersprachliche Analphabeten seien, erläutert die Diplom-Pädagogin Britta Langner, die für die Caritas jede Woche eine unabhängige Sozialberatung für Menschen mit und ohne Migrationshintergrund im katholischen Pfarrzentrum in Bad Pyrmont anbietet. Sie hilft auch beim Ausfüllen der Formulare, etwa wenn es um einen Schwerbehindertenausweis oder eine Pflegestufe geht. „Oftmals findet die Pflege in der Familie statt“, weiß sie. Leben Familie oder Freunde hier, so könne einfacher Kontakt zu Ärzten oder Beratern hergestellt werden, welche die Migranten in ihren gesundheitlichen Belangen unterstützen. „Doch wer auf sich allein gestellt ist, der hat es schwer“, so Langner.

„Diejenigen, die wirklich lange hier leben, kommen zum Arzt und erhalten Förderung oder die Kinder Frühförderung, und sie erhalten die gleichen Leistungen wie andere Mitbürger“, erklärt Dr. Ewa Ackermann, Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde aus Bad Pyrmont. Handele es sich jedoch um Asylbewerber, die noch keinen gesicherten Aufenthaltsstatus haben, werde es problematisch. „Jedes Rezept und jede Behandlung muss vom Sozialamt genehmigt werden. Und obwohl der Arzt die Behandlung für notwendig hält, wird sie oft von den zuständigen Sozialämtern abgelehnt, da bei Asylbewerbern nur die Behandlung von akuten Erkrankungen und Schmerzzuständen genehmigt und übernommen wird“, weiß die Kinderärztin.

Da Behinderungen nicht als akute Erkrankungen gelten, können Therapie und Hilfsmittel erst in Anspruch genommen werden, wenn der Asylantrag des Behinderten positiv beschieden wird. Erst danach erhält der Betroffene einen Schwerbehindertenausweis, obwohl er die Einschränkung bereits vor dem bewilligten Aufenthaltsstatus hatte. „In ungünstigen Fällen kann sich dies über Jahre hinziehen. Sie erhalten auch keine Bewilligung oder Zuschüsse, wenn sie eine Brille oder ein Hörgerät brauchen“, so Dr. Ackermann, die auch ein Beispiel nennt: Die Familie eines damals fünfjährigen Jungen mit Mehrfachbehinderung hatte um Fördermaßnahmen gebeten. Die Auseinandersetzung mit dem Sozialamt der Nachbarstadt Lügde zog sich über viele Monate hin. „Das war kostbare Zeit, in der das Kind nicht angemessen gefördert werden konnte“ , erinnert sich die Ärztin. „Das war ein Pingpong-Spielchen mit dem Sozialamt, und die Eltern waren völlig überfordert.“

Die Vorsitzende des Pyrmonter Behindertenbeirats, Stefanie Maltzahn, hält das für völlig inakzeptabel. Sie will Britta Langner von der Caritas zu einer der nächsten Sitzungen einladen. „Menschen, die von Behinderung und den Folgen von Migration betroffen sind, benötigen schnelle und umfassende Hilfe. Ämter sollten öfter ihren Ermessensspielraum zugunsten von menschlichen Entscheidungen nutzen“, so Maltzahn.

Kiriakoula Koussataloglu-Mund (re.) und Stefanie Maltzahn überlegen gemeinsam, wie sie behinderten Migranten helfen können, und wälzen schon einmal Fremdsprachenwörterbücher.cg



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