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Ein Pilz gefährdet die Standsicherheit

Keine Gnadenfrist mehr für die alte, kranke Weide

Bad Pyrmont (jl). Schlechte Nachrichten für Baumfreunde: Die Tage der alten Weide an der Ecke Waldecker/Bahnhofstraße sind gezählt. „Wir müssen den Baum fällen lassen“, sagt Stadt-Sprecher Wolfgang Siefert mit Blick auf den schon in Hüfthöhe aus dem Stamm sprießenden Pilz.

veröffentlicht am 18.01.2011 um 20:40 Uhr
aktualisiert am 04.11.2016 um 21:21 Uhr

Die Fruchtkörper des Schwefelporlings zersetzen das Holz.
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Eigentlich sollte die über 100 Jahre alte Weide schon vor einem Jahr gefällt werden. Doch damals stellten Baumschützer im Rathaus einen Eilantrag, umwickelten den Stamm mit einem Trauerflor und verhinderten die Fällung quasi in letzter Minute. Denn der Erste Stadtrat Eberhard Weber wollte die Entfernung des von der einstigen Grünen-Ratsfrau Ingrid Vogt aus Kleinenberg als „einmaliges Naturdenkmal“ bezeichneten Baumes in Abwesenheit der damals urlaubenden Bürgermeisterin nicht verantworten und überließ ihr die Entscheidung. Elke Christina Roeder beschloss dann, den Baum erst einmal nur aussägen zu lassen. Wegen der Verkehrssicherungspflicht. Denn: Kippt ein als geschädigt bekannter Baum im Sturm plötzlich um und begräbt ein Auto unter sich, dann muss die Stadt für die Folgen haften.

Das Aussägen hat indes nicht gefruchter. Jetzt geht es dem alten Baum schlechter als je zuvor: Er ist nicht mehr zu retten. Das hat sich die Stadt gerade von einem Sachverständigen bestätigen lassen. Dazu trafen sich Bauhof-Gärtnermeister Rolf Müller und sein Staatsbad-Kollege Michael Mäkler mit dem aus Beverungen angereisten Experten Helmut Schwengels vor Ort. Er besah sich nicht nur den sichtbaren Pilz, sondern legte auch sein Geschirr an und stieg in die Weide. Denn Schwengels ist nicht nur Baumpfleger, sondern war 2007 sogar Europameister im Baumklettern. Und sein Urteil steht: „Der Baum wird im Frühjahr zwar wieder knackegrün aussehen. Aber davon darf man sich nicht täuschen lassen. Innen ist er kaputt.“ Der Pilz – ein essbarer Schwefelporling – zersetze das Kernholz. „Ließe man die Weide mit diesen Symptomen hier stehen, wäre das zu riskant“, sagt Schwengels.

Mitunter versuchen Baumchirurgen zwar, solch kranke Bäume zu heilen. Aber in diesem Fall würde der Aufwand den Nutzen laut Schwengels nicht rechtfertigen. Stünde die Weide in einer Aue, dann könnte sie noch erhalten bleiben. „Aber eben nicht an diesem Platz“, so der Fachmann.

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Helmut Schwengels sieht sich den alten Baum ganz genau an.

Anderswo würde es dem Baum heute allerdings wohl auch noch besser gehen. Denn Schwengels vermutet, dass die Arbeiten sowohl für den Lidl-Neubau als auch an der Bahnhofstraße ihn geschwächt haben könnten. „Da werden die kleinen Wurzeln abgerissen“, weiß der Baumpfleger. „Das ist wie beim Menschen: Ist das Immunsystem erst geschwächt, dann wird der auch anfälliger für andere Sachen.“

Einen Trost immerhin hat die Stadtverwaltung: „Dort wird noch vor Ostern wieder ein Baum gepflanzt“, verspricht Stadt-Sprecher Siefert. Die Wahl sei auf eine Platane gefallen. „Von denen stehen in der Waldecker Straße schon einige.“

Zu riskant für den verkehrsreichen Standort: Baumpfleger Helmut Schwengels und Bauhof-Gärtnermeister Rolf Müller sehen sich den morschen Weidenstamm an. Fotos: ein



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