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Kripo-Frau als Frühstücksgast

„Keine Frau muss Angst haben, zur Polizei zu gehen“

BAD PYRMONT. „In Deutschland sind Polizisten keine korrupten Männer, die es nicht interessiert, ob jemand seine Frau schlägt“, sagt Nadine Barnert. Um diese Botschaft zu transportieren und Frauen über ihre Arbeit zu informieren, war die Pyrmonter Kriminalhauptkommissarin beim Internationalen Frauenfrühstück zu Gast.

veröffentlicht am 09.08.2017 um 18:53 Uhr

Kriminalhauptkommissarin Nadine Barnert stellt sich den Besucherinnen des Internationalen Frauenfrühstücks vor. Guljin Mohamed Heiun Amadou fungieren als Übersetzerinnen. Foto: Hei
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Karin Heininger Reporterin
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BAD PYRMONT. So kann Integration klappen: Wenn Menal aus dem Sudan und Paula aus Albanien, beide etwas über ein Jahr alt, sich ein Kuscheltier teilen, während ihre Mütter gemeinsam frühstücken, und wenn Nalan Cam, seit zehn Jahren in Bad Pyrmont lebende Türkin, die kleine Maurin aus Liberia liebevoll mit Brötchen vom Büfett füttert, dann ist das ein gutes, wenn auch kleines Beispiel für das Miteinander der Nationen in der Kurstadt.

Viele der über 80 Teilnehmerinnen am Internationalen Frauenfrühstück des Vereins für Arbeit und Integration (AIBP) sind inzwischen sichtlich vertraut miteinander. Zur Begrüßung umarmen sie einander freundschaftlich, haben sich viel zu erzählen und verteilen sich bunt gemischt an den Tischen im St.-Georgs-Gemeindesaal. Viele kommen aus der Türkei, aber auch aus Syrien und Somalia, aus Afghanistan und dem Irak, Bulgarien oder Rumänien, und sie haben in Bad Pyrmont eine neue Heimat gefunden. Dass immer mehr junge Frauen ihre Kinder zu der jährlichen Veranstaltung mitbringen, macht das Treffen lebendig. Und es erleichtert die Kontaktaufnahme der Frauen untereinander , auch wenn nicht alle die gleiche Sprache sprechen.

„Unser regelmäßiges Frauenfrühstück ist eine gute Basis zum Kennenlernen, ebenso sind es die Aktionsgruppen und Beratungsstunden“, erklärt Sozialberaterin Gülseren Aybay die zunehmend gute Resonanz auf das Frauenfrühstück. Gemeinsam mit ihren AI-Kolleginnen Elisabeth Theilen, Elke Ben Toumine, Bianca Vogel und Christel Grewe hat sie das Treffen organisiert, das von der Stadtsparkasse gesponserte mediterrane Büfett aufgebaut und zwei Gäste für Informations-Beiträge engagiert.

So steht das Frühstück diesmal unter einem ernsten Thema: Es geht um Gewalt gegen Frauen. Weil Gülseren Aybay in ihren Sprechstunden schon von Gewalterfahrungen der einen oder anderen Besucherin erzählt bekam, hat sie Nadine Barnert eingeladen. Bei der Pyrmonter Polizei ist die Kriminalhauptkommissarin unter anderem auf die Bearbeitung der Problemfelder häusliche Gewalt und Sexualdelikte spezialisiert.

„Ich bin eine ganz normale, nette Frau“, stellt sich Barnert vor. Ihr freundliches, zwangloses Auftreten soll ihren Zuhörerinnen signalisieren: „Keine Frau muss Angst haben, zur Polizei zu gehen, wenn sie in Gefahr ist. Und sie braucht auch nicht zu fürchten, dass sie dort nur mit Männern spricht.“

Aus ihrer Arbeit und hier den Gesprächen mit Opfern von häuslicher Gewalt, Sexualdelikten oder Kindesmissbrauch weiß die Ermittlerin: Die Hemmschwelle, solche Taten zur Anzeige zu bringen, ist hoch. Sowohl bei Einheimischen, als auch – und erst recht – bei Frauen aus anderen Kulturkreisen. Deshalb will sie sich „einfach mal zeigen“. So sähen die Besucherinnen, in deren Heimatländern Polizei mit Willkür und Gewalt gleichzusetzen ist: „In Deutschland sind Polizisten keine korrupten Männer, die es nicht interessiert, ob jemand seine Frau schlägt.“

Dass häusliche Gewalt in der Bundesrepublik verboten ist und sie sich Schläge nicht bieten lassen müssen, wüssten viele Frauen gar nicht. Allerdings: Das Gewaltschutzgesetzt gibt es auch hier erst seit 15 Jahren. Vorher galt Gewalt in Beziehungen auch in Deutschland als Privatsache.

Sprachbarrieren sind beim Frauenfrühstück übrigens kein Problem: Nadine Barnerts Informationen werden von Guljin Mohamed ins Arabische und von Heiun Amadou ins Kurdische übersetzt. Ergänzend dazu informiert die Pyrmonter Gleichstellungsbeauftragte Anja Sybill über ihre Tätigkeit. Beide Referate stoßen bei den Frauen auf sichtliches Interesse.

Information

Der direkte Kontakt

Opfer häuslicher Gewalt und eines sexuellen Missbrauchs haben grundsätzlich die Möglichkeit, sich direkt an Kriminalhauptkommissarin Nadine Barnert zu wenden, wenn sie ihre Geschichte nicht einem Mann, sondern lieber einer Frau erzählen möchten. Sie vermittelt Hilfsangebote, informiert präventiv und steht auch Kindergärten oder Schulen bei Fragen zur Verfügung. Ihre Durchwahl bei der Pyrmonter Polizei lautet 05281/9406-161.



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