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Wie das Staatsbad auf die Kritik einer Naturschützerin an der Schlossinsel-Baumfällung reagiert

Kein Spielraum für Diskussionen

Bad Pyrmont. Zeit für eine öffentliche Diskussion gab es nicht, als das Staatsbad die geplante Fällung mehrerer Linden auf der Schlossinsel bekanntgab. Der Protest hielt sich denn auch in Grenzen. Doch, immerhin: Die Naturschützerin Sibylle Voss hat von Kurdirektor Maik Fischer eine Antwort auf ihre E-Mail erhalten. (jl)

veröffentlicht am 08.02.2016 um 19:10 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:47 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Bad Pyrmont. „Die Unverwechselbarkeit von Bad Pyrmont liegt in der einmaligen Gestaltung eines 3000 Meter langen Alleen-Systems.“ So steht es im Entwurf des Pyrmonter UNESCO-Welterbe-Nominierungsantrags. Eine der Alleen in der Kurstadt ist jedoch gerade ziemlich angefressen. Streng genommen ist ein Stück Weg auf der Schlossinsel nur noch eine Halballee: Die fünf Linden hinter der nördlichen Hofmauer liegen am Boden. Und die wenigen Spaziergänger, die sich auf den Weg ums Schloss herum verirren, blicken ratlos auf die zersägten Teile der etwa 50 Jahre alten Bäume. Die mussten laut Staatsbad weg. Denn sie wuchsen zu nah an der Mauer und belasteten das Baudenkmal tonnenschwer (wir berichteten).

Dass sich verzweifelte Naturschützer an Bäume ketten, um deren Fällung aufzuhalten, passiert zwar noch in Stuttgart oder Istanbul. In Bad Pyrmont sind diese Zeiten indes lange vorbei. Proteste werden nur noch vereinzelt laut. So auch jetzt, mit Blick auf die aktuelle Fällung, über die das Staatsbad Ende Januar kurzfristig informiert hatte: „Ich kann kaum glauben, dass Sie ein derart einschneidendes Vorhaben umsetzen wollen und die Öffentlichkeit quasi zwei Minuten vor zwölf davon in Kenntnis setzen“, schrieb Sibylle Voss der Kurverwaltung in einer E-Mail, als sie in dieser Zeitung von der geplanten Fällung gelesen hatte. An ihre Kritik über die späte Information der Öffentlichkeit durch das Staatsbad knüpfte die Hamelnerin den Appell: „Bitte fällen Sie die Bäume einstweilen nicht!“ Sie mahnt: „Was gesunde alte Bäume für die Reinheit der Luft leisten, können neu angepflanzte Bäume auf Jahrzehnte hinaus nicht ersetzen.“ Dass eine Mauer in Gefahr ist, wenn sie sich binnen fünf Jahren stellenweise 1,2 Zentimeter weit wölbt, wollte sie nicht glauben.

Als Voss ihre Mail sendete, war die erste Linde zwar schon gefallen. Aber, immerhin: Kurdirektor Maik Fischer hat reagiert: Am Freitag erhielt die Hamelnerin eine E-Mail vom Geschäftsführer des Staatsbades. „Dass ich überhaupt eine Antwort bekam, die dann auch noch so detailliert ausfiel, fand ich sehr erfreulich“, sagt sie.

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  • Direkt an der denkmalgeschützten Pyrmonter Schlosshof-Mauer stehen nun keine Linden mehr. jl

In dem Schreiben erklärt Fischer die Fällung so: „Jeder Baum wiegt mehrere Tonnen, und die Höhe von mehr als 20 Metern führt im Baumumfeld durch Hebelwirkungen zu enormen Kraftübertragungen.“ Die hätten bisher der Wall und die Mauer abfangen müssen. Die Abholzung entlaste das Bauwerk nun deutlich. Hätte man auf die Mauer-Schädigungen nicht reagiert, wäre die Nutzung des Schlosshofes schon im Sommer „massiv gefährdet“ gewesen. Fischer versichert: „Auch wir sind traurig, diese Entscheidung mittragen zu müssen.“ Jedoch habe die Gesundheit der Gäste Priorität – weshalb das Staatsbad die Einschätzung der Verantwortlichen vom Bau-Management des Landes unterstütze.

Der Kurdirektor zeigt sich jedoch zuversichtlich, „dass wir für die Zukunft der Allee auf der Schlossinsel eine attraktive, aber auch für die Besucher sichere Lösung finden werden“.

Während Voss vermutet, dass die Fällung so spät öffentlich wurde, „um keine Zeit für Proteste zu lassen“ steht der Kurdirektor nach wie vor zur kurzfristigen Information der Öffentlichkeit. Obwohl das Staatsbad das nicht müsse, habe er die Maßnahme im Vorfeld bekanntmachen wollen, ergänzt Fischer am Montag auf Anfrage. Aber: „Wir beziehen die Öffentlichkeit nicht in solche Entscheidungen ein.“ Gerate ein über 400 Jahre altes Gemäuer derart in Bewegung, dann sei das bedenklich. Fischer: „Die Entscheidung der Fachleute war ziemlich eindeutig.“

Staatsbad-Chef Maik Fischer sieht im Fall der jüngsten Fällung keinen Spielraum für öffentliche Diskussionen.jl



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