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Warum sich eine Wahl-Pyrmonterin über das Einwohnermeldeamt wundert

Kein neuer Reisepass ohne uralte Heiratsurkunde?

BAD PYRMONT. Was muss man ins Einwohnermeldeamt mitbringen, wenn man einen neuen Reisepass beantragen will? Richtig: den alten Reisepass, ein neues biometisches Foto und 59 Euro. Doch wozu die Heiratsurkunde einer schon vor 14 Jahren geschiedenen Ehe? Das fragt sich die Wahl-Pyrmonterin Ingeborg Wüstenberg.

veröffentlicht am 24.08.2016 um 22:29 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:15 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Denn genau dieses Dokument wurde nun im Einwohnermeldeamt des Pyrmonter Rathauses von ihr verlangt. „Ich war einigermaßen verblüfft“, sagt die pensionierte Lufthansa-Mitarbeiterin, die vor drei Jahren aus Hamburg in die Kur-stadt zog. „Natürlich habe ich mich damals gleich hier angemeldet“, betont sie. Und findet: „Da wiehert der Amtsschimmel doch gewaltig.“

Sie versteht nicht: „Was hat ein neuer Pass mit meiner alten Heiratsurkunde zu tun?“ Um die korrekte Schreibweise ihres Familiennamens sowie ihres Mädchennamens (, den sie im Übrigen schon mit ihrer ersten Eheschließung 1972 abgelegt hatte), zu prüfen, hätte ein Blick in ihren noch gültigen Reisepass genügt, findet die Rentnerin. „Das ist doch auch ein Dokument.“

Ob sie die 19 Jahre alte Heiratsurkunde überhaupt auf die Schnelle finden würde, war ihr zunächst nicht klar. „Die hätte ich nach der Scheidung ja auch zerrissen haben können“, sagt sie, halb im Scherz. Zum Glück stieß Wüstenberg in ihren Unterlagen dann doch noch auf eine Kopie des längst vergessenen Personenstandsdokuments. Die zeigte sie dann im Rathaus vor, und der Antrag ging auf den Weg. „Den Pass brauchte ich für einen Flug in die USA“, erklärt die reisefreudige Rentnerin. Ihr alter Pass gilt zwar noch, aber Ingeborg Wüstenberg will auf Nummer sicher gehen.

Und was, wenn sie den Zettel nicht entdeckt hätte? „Die Mitarbeiterin im Einwohnermeldeamt sagte, dann müsse ich das Dokument anfordern.“

An eine schlüssige Begründung für das Verlangen erinnert sich die Pyrmonterin nicht. Nur soviel: Wenn jemand erstmals einen Pass beantrage, müsse das eben sein. „Dabei wird das jetzt mein dritter Reisepass. Aber sowas ist mir noch nicht passiert“, sagt die Rentnerin und deutet auf den noch gültigen und den abgelaufenen, den sie ebenfalls im Rathaus dabeigehabt habe. Als sie die Behörden-Mitarbeiterin gefragt habe, ob sie die Daten nicht im Computer recherchieren und prüfen könne, habe die Frau erklärt, das sei wegen aus Datenschutzgründen nicht möglich.

Doch auf welcher Grundlage verlangt das Amt eine Uralt-Heiratsurkunde? „Wir bitten darum, damit die Unterlagen hieb- und stichfest sind“, erklärt Stadtsprecher Wolfgang Siefert auf Anfrage. Wer die Urkunde nicht gleich dabeihabe, könne sie auch bei der Abholung des neuen Passes nachreichen. Siefert: „Wir weisen niemanden ab.“

Als deutlich häufigeres Problem bei den jährlich etwa 560 im Einwohnermeldeamt bearbeiteten Reisepass-Antragen nennt der Sprecher, dass viele Leute Fotos mitbrächten, die schon mehrere Jahre alt seien und nicht den biometrischen Vorgaben genügten. „Und viele glauben noch immer, sie könnten ihren alten Pässe hier verlängern lassen.“ Das sei jedoch schon seit 2005 nicht mehr möglich. Alle zehn Jahre ist nun ein neuer Reisepass für 59 Euro fällig für all jene, die außerhalb der EU unterwegs sind. Menschen unter 24 Jahre müssen wegen der nur sechsjährigen Gütigkeit 37,50 Euro zahlen.

Die gesetzliche Grundlage für den Urkunden-Bedarf ist im Rathaus kurz vor Dienstschluss auf die Schnelle nicht herauszufinden. Eine anschließende Recherche im Internet ergibt: Die Namensprüfung könnte etwas mit einer Vorgabe des Bundesinnenministeriums zu tun haben. Dort wurde am 1. November 2015 nämlich die angestrebte Umsetzung der „unstrukturierten Namensdarstellung“ auf die Schiene gesetzt. Das heißt offenbar: Die neuen elektronischen Datenblätter über jeden Bundesbürger werden erst nach einer genauen Prüfung erfasst. In den Verfahrenshinweisen aus Berlin steht unter „Ablauf im Detail“: „Die kommunalen Bürgerämter nehmen (…) jeden persönlichen Kontakt mit dem Bürger (…) zum Anlass, die Namensschreibweise zu überprüfen.“ Dort steht allerdings auch: „Die Prüfung erfolgt anhand vorgelegter deutscher Personaldokumente oder anderer deutscher Personenstandsurkunden.“ Nicht auszuschließen also, dass man im Pyrmonter Einwohnermeldeamt ein bisschen genauer hinschaut als anderswo.

Städte, die das Prozedere im Internet anschaulich oder nachvollziehbar erklären, gibt es in Deutschland kaum. Eine Ausnahme bildet Senftenberg in Brandenburg. Auf der Homepage der Stadt heißt es zu der bis 2025 laufenden Umstellung von der strukturierten zur unstrukturierten Namensdarstellung unter anderem, die Einwohner „werden bei Ihrer Vorsprache im Einwohnermeldeamt gefragt, ob die hier registrierte Namensführung zutrifft. Die Vorlage einer Personenstandsurkunde (Geburtsurkunde, Eheurkunde, Geburtsurkunde von Kindern) ist dabei hilfreich, aber nicht zwingend erforderlich.“

Eine bei der Presseabteilung des Bundesinnenministeriums gestartete Anfrage zum Thema blieb bis Redaktionsschluss offen.



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