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Neu: „interkultureller“ Raum im Krankenhaus

Kein Muslim muss mehr im Flur beten

Bad Pyrmont. Dem Bathildis-Krankenhaus steht im Namen zwar das „Evangelische“ voran. Das schließt andere Religionen aber nicht aus. Im Gegenteil: „Respekt und Interesse für das, woran andere glauben, sowie gegenseitige Toleranz ist das wichtigste Thema überhaupt“, sagt Annett Speel. Deshalb können die Pastorin und ihr Kollege Bernhard Jess, die sich zusammen mit der katholischen Ordensschwester Irmgild Krallmann die Krankenhausseelsorge teilen, die Einrichtung eines neuen „interkulturellen Gebetsraums“ gleich vis-à-vis der christlichen Kapelle im Bathildis nur begrüßen.

veröffentlicht am 09.03.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 17.01.2017 um 16:03 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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„Klein, aber fein“, nennt Annett Speel das Zimmer, das vor allem Muslimen die Möglichkeit zum ungestörten Gebet einräumt, aber – so betont die Pastorin – „interreligiös“ ist und allen Menschen offensteht.

Dort, wo früher die Diabetesberatung abgehalten wurde, liegen nun zwei kleine, bunte Brücken auf dem neu verlegten grauen Teppichboden. Ein an der Wand davor angebrachtes Bild des muslimischen Zentralheiligtums Kaaba kennzeichnet die vorgeschriebene Gebetsrichtung gen Mekka. Die Möblierung besteht aus zwei Regalen: einem auf dem Boden für die vorm Beten auszuziehenden Schuhe sowie einem an der Rückwand mit einigen Koran-Exemplaren und ein paar religiösen Prospekten.

Die Trennung der Geschlechter wird im kleinen Krankenhaus-Betraum weniger streng vollzogen als in der Moschee. „Frauen dürfen hier auch rein“, erklärt Dilek Gökce. Die Lügderin hat den Raum schon vor dessen offizieller Einweihung genutzt, als sie unlängst einen Angehörigen im Krankenhaus besuchte. Gemeinsam dürfen Männer und Frauen den zwei Betende fassenden Raum allerdings nur benutzen, wenn sie miteinander verheiratet sind. „Sonst beten erst die Männer und dann die Frauen“, so Gökce. „Oder umgekehrt.“

„Interreligiöser“ Rückzugsort: die Gebetsteppiche liegen schon. jl

Wie Bathildis-Geschäftsführer Alfred Karl Walter zur Begrüßung der Einweihungsgäste im Flur vor dem Betraum betonte, wünscht er sich, das neue Angebot möge Trennendes überwinden und zur Gesundung der Patienten beitragen. Ebenso stehe der Raum auch Mitarbeitern offen. Geschätzte zehn Prozent der etwa 630 Krankenhaus-Angestellten sind Muslime.

Deren Religion macht für den Ort des Gebets zwar keine Vorgaben. Dennoch ist der Rückzugsort willkommen. „Als mein Vater im Krankenhaus war, hat er im Flur oder neben seinem Bett gebetet“, erinnert sich Naci Yilmaz, der der türkisch-muslimischen Gemeinde in Lügde vorsteht. Deren Frauengruppe bereicherte die Einweihung mit Gebäck und Tee. Zudem überreichten Mitglieder der Gemeinde den nicht-muslimischen Besuchern rote Rosen, die als Symbol für den Propheten Muhammad gelten.

Zuvor hatte Lügdes islamischer Vorbeter Yacup Ucmaz dem Krankenhaus für die Bereitstellung des Raums gedankt. „Das Gebet ist für die kranken Menschen wie eine Heilung. Deshalb schützt des gegen Krankheiten und vor schlimmen Krisen“, verlas der aus der Türkei abgeordnete Hodscha auf Deutsch. Die zwei gegenüberliegenden Gebetsräume deutete er als Symbol für das Zusammenleben zwei verschiedener Religionen in Frieden, Freundschaft, Respekt und gegenseitiger Wertschätzung.



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