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Lesecafé erfreut sich großer Beliebtheit / Zwischen den Vorstellungen gab es humorvolle Gedichte

„Kein anspruchsloses Zeug“

BAD PYRMONT. Wenn im Lese-Café einer evangelischen Gemeindebücherei eine Biografie über Papst Franziskus vorgestellt wird, dann spricht das sicher für den Heiligen Vater und seinen sprachgewandten Biografen Andreas Englisch. Einerseits. Andererseits spricht es auch für das ökumenische Verständnis des ehrenamtlich tätigen Teams, das die etwa 1100 Medien der Bücherei im Souterrain des Stadtkirchen-Gemeindehauses verwaltet und verleiht.

veröffentlicht am 23.02.2018 um 17:54 Uhr

Anrührend: Bettina Tietjens Buch „Mein Vater, die Demenz und ich“ stellte Elke Lock vor. Foto: Hei

Autor:

Karin Heininger und juliane Lehmann
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Die Leselust und die Liebe zum gedruckten Buch scheint hier trotz des Siegeszugs digitaler Medien ungebrochen – wenn sich auch der hohe Altersdurchschnitt in Bad Pyrmont an der Ausleihe bemerkbar macht, wie die Sprecherin des zehnköpfigen Mitarbeiter-Teams, Cornelia Schlorhaufer, bestätigt. „Von daher ist es auch selbstverständlich, dass wir der Stadtbibliothek keine Konkurrenz machen wollen“, betont sie. Vor allem Belletristik, Biografien und Krimis stehen auf der Wunschliste der meist älteren Kunden.

Zweimal wöchentlich, montags von 15 bis 17 Uhr und donnerstags von 10 bis 12 Uhr, ist die Bücherei „Blickpunkt“ für jedermann geöffnet. Und im Rhythmus von vier bis sechs Wochen wird zu einem Lese-Café eingeladen, bei dem dann ganz unterschiedliche Bücher vorgestellt werden. „Es kommen immer um die 20, 25 Leute“, sagt Helga Lütge aus dem Team. „Den Besuchern stellen fünf von uns jeweils ein Buch vor.“ Dabei legen sich die Präsentatorinnen aber nicht auf Bestseller fest. Denn, so Lütge: „Das sind ja nicht immer die besten Bücher.“ Auch hübsche, nette Geschichten würden vorgestellt, „aber kein anspruchsloses Zeug – das ginge gar nicht“, betont Lütge. Thematisch polarisierende Bücher kämen hingegen schon gelegentlich auf den Tisch. „Da prallen dann auch politische Einstellungen aufeinander.“

Wir wollen der Stadtbibliothek keine Konkurrenz machen.

Cornelia Schlorhaufer, Ev. Gemeindenbücherei

Die Biografie „Der Kämpfer im Vatikan – Papst Franziskus“ von dem leidenschaftlichen Insider und TV-bekannten Schnellsprecher Andreas Englisch stand auf der Liste beim jüngsten Lese-Café. Cornelia Schlorhaufer hatte sich diesen Band zur Besprechung ausgewählt, nannte ihn ein „erstaunliches und fesselndes Buch“, das wie ein Kriminalfall auch das für die Kurie oft unbequeme Wirken des aktuellen Papstes schildere.

Cornelia Schlorhaufer, Ev. Gemeindenbücherei
  • Cornelia Schlorhaufer, Ev. Gemeindenbücherei

Dass keine näheren Details aus dem Buch verraten werden, gehört zum Prinzip bei der Veranstaltung: Mit kleinen Leseproben und kurzen Inhaltsangaben soll zwar die Neugier der Zuhörer geweckt werden, doch lesen sollte man die Bücher dann schon selbst.

So war es auch bei der humorvoll erzählten Romanze „Und jetzt lass uns tanzen“ von Karine Lambert, von Inge Witte „mit Freude und Genuss gelesen“, wie sie erzählte.

Den Roman von Alexandra Fröhlich „Gestorben wird immer“ stellte Sieglinde Bußmann vor, die Familiengeschichte dreier zerstrittener Generationen mit vielen Facetten.

Anrührend, doch ganz unsentimental wirkten die Schilderungen aus Bettina Tietjens Buch „Unter Tränen gelacht – Mein Vater, die Demenz und ich“, die Elke Lock vorlas. Die Geschichte eines „schönen, schweren Abschieds, sehr offen geschrieben und trotz allem tröstlich“, schilderte sie ihren Eindruck.

Zum „Umschalten“ der Zuhörer zwischen den einzelnen Vorstellungen trug Christa Meyer humorvolle Gedichte von Eugen Roth und Mascha Kaleko vor.

Aktuell überlegen die Organisatorinnen der Gemeindebücherei übrigens, wie sie das anstehende Zehnjährige des Lesecafés feiern „und wen wir einladen könnten“, sagt Elke Lütge. Vor einigen Jahren war den Frauen ein echter Coup gelungen: Da las die aus Bad Pyrmont stammende Schriftstellerin Nina George aus ihrem damals aktuellen „Lavendelzimmer“.

Information

Buchtipps aus dem Lesecafé

Sieglinde Bußmann über Die Geschichte der Bienen (Autorin: Maja Lunde, Verlagsgruppe Random House, 20 Euro): Drei Länder, drei Kontinente, drei Schicksale, drei Jahrhunderte. Das Buch behandelt einige der drängendsten Fragen unserer Zeit: Wie gehen wir um mit der Natur und ihren Geschöpfen? Welche Zukunft hinterlassen wir unseren Kindern?

Elfriede Drefenstedt über Wann darf ich klatschen? (Autor: Daniel Hope, Rowohlt Taschenbuch Verlag, 9,99 Euro): Daniel Hope ist einer der besten Violinisten unserer Zeit. Er erzählt auf vergnügliche Weise viel Interessantes und Wissenswertes aus der Welt des Konzertbetriebes. Er plaudert über Komponisten, Dirigenten und Solisten und beantwortet auch die Frage vieler Konzertbesucher: Wann darf ich klatschen?

Elke Lock über Barfuß auf dem Sommerdeich (Autorin: Katja Just, Eden-books-Verlag, 14,95 Euro): Eine spannende Geschichte: Nach einem Aufenthalt auf der Hallig Hooge entschließt sich die Autorin, ihr Leben in München aufzugeben und ganz auf die Hallig zu ziehen. Nach vielen Höhen und Tiefen führt sie dort auch noch nach 18 Jahren ein glückliches Leben. Am Ende des Buches hat man Lust, auf die Hallig zu reisen.

Cornelia Schlorhaufer über Das Alte Böse von Nicholas Searle Kindler Verlag, Rowohlt Taschenbuch 9,99 Euro, Hardcover 19,95 Euro): Allein der Titel macht neugierig. Ein raffinierter, spannender Krimi mit ungewöhnlichen Personen in den Hauptrollen. Für alle Krimifans zu empfehlen.

Helga Lütge über Was das Leben sich erlaubt - Mein Deutschland und ich (Autor: Hardy Krüger, Hoffmann & Campe, 20 Euro): Hardy Krüger schreibt hier so, wie er spricht. Und das liest sich ganz authentisch und angenehm. Er hat einen fesselnden Schreibstil.

Eindringlich und ehrlich berichtet er über die Geschehnisse im und nach dem Zweiten Weltkrieg mit allen Gefahren und Erlebnissen. Auch über sein eigenes langes, unstetes Leben erfährt der Leser viel. Ein wichtiges, aktuelles und lesenswertes Buch für Jung und Alt.

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