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Konzertabend im Pyrmonter Kurtheater

Katja Ebsteins kritische Sicht auf die Welt

Bad Pyrmont. Eine Schlagersängerin zu sein, genügt Katja Ebstein schon lange nicht mehr. Obwohl sie 1970 sogar das schaffte, was kaum einem Star der deutschen Musikszene gelang, nämlich einen dritten Platz beim Grand Prix zu gewinnen, erhebt sie heute ihre Stimme nicht mehr nur für ihre Lieder, sondern für die Menschen, die auf der Schattenseite des Lebens stehen. Das sind vor allem die Kinder, die unschuldig Opfer von Krieg und Gewalt werden.

veröffentlicht am 06.09.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 16:41 Uhr

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Autor:

Karin Heininger
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Beim dritten Pyrmonter Gastspiel, im für sie ,,kuscheligen Kurtheater“, wurde es ganz deutlich: Die Frau hat eine Botschaft, ein Anliegen. Ihre ausdrucksvolle Stimme mit dem für sie typischen Vibrato ist heute mehr Mittel zum Zweck, tritt zurück hinter dem Inhalt ihrer Vorträge. Mit Liedern und Texten von Hans Dieter Hüsch, Stephan Sulke, Robert Long, Hermann van Veen, Bertold Brecht und Georg Kreisler legt sie den Finger in die Wunden dieser Welt, ohne dass es aufgesetzt wirkt.

Gegen jeden Krieg und für die Verständigung zwischen den Völkern (,,Jesus war Jude und Palästinenser“), Umweltverschmutzung, die Macht der Großen und die Ohnmacht der Kleinen – das sind ihre Themen. Sehr schön auch ihre Parabel auf die paradiesische Insel Samoa und den Moloch Großstadt: Was wäre, wenn wir tauschen könnten? Und: Brauchen wir eigentlich alles, was uns in der Zivilisation unverzichtbar scheint? Die Künstlerin ermutigt ihr Publikum, auch im Hinblick auf die kommende Wahl, immer wieder zum eigenständigen Denken: ,,Eigentlich sind wir der Staat und die Politiker unsere Angestellten“. Aber als echte ,,Berliner Göre“ kann sie auch ganz anders sein: Sie singt mit Kinderstimme Moritaten aus dem Milieu und bringt die Zuhörer zum Schmunzeln, wenn sie sich ausmalt, wie Vater sich freuen wird, wenn er nach etlichen Jahren Zuchthaus eine große Familie vorfindet: ,,Als er ging, war ick alleen, und nu sind wer ville Kinder bei Muttern“.

Der Pianist Stefan Kling begleitet die Sängerin am Klavier und zeigt in einigen Solo-Passagen seine musikalischen Qualitäten. Bangemachen gilt nicht für Katja Ebstein, und obwohl es so viel Negatives auf dieser Erde gibt, nennt sie den Abend trotzig und hoffnungsvoll ,,Na und? – Wir leben noch“.

Autor und Regisseur des neuen Bühnenprogramms von Katja Ebstein war ihr Mann, Klaus Überall, der vor einigen Monaten gestorben ist. An ihn erinnert sie zum Schluss, aber ohne wehleidig zu wirken. Und so schwingt in dem Beifall des Publikums nicht nur die Begeisterung für eine überzeugende Künstlerin mit, sondern auch der Respekt für eine starke Frau.

Katja Ebstein erhebt ihre Stimme für die Menschen, die auf der Schattenseite des Lebens stehen.

Foto: Hei



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