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Wie die Pyrmonterin Susanne Koch ihren Besuch empfand

Katastrophengebiet Ahrtal: Eindrücke, die schwer zu verdauen sind

AD PYRMONT. „Die Fotos aus den Hochwassergebieten zu sehen, ist das eine“, sagt Susanne Koch. „Aber wenn man dann da steht, sieht das nochmal ganz anders aus. Bis das angekommen ist in Kopf und Seele, dauert es.“ Am Sonntag sind die Pyrmonterin und ihr Mann Bernd Hundacker-Koch ins Ahrtal gefahren.

veröffentlicht am 11.08.2021 um 11:00 Uhr
aktualisiert am 11.08.2021 um 15:30 Uhr

Juliane Lehmann

Autor

Reporterin (Pyrmonter Nachrichten) zur Autorenseite

Die Initiatorin einer Hilfsaktion, die in Bad Pyrmont eine Weinhandlung betreibt, wollte die bislang in der Kurstadt und darüberhinaus gesammelten Spendengelder abgeben und wenigstens einen Tag lang mit anpacken im Weindorf Rech. Dem Ort, in dem sie selbst zehn Jahre lang gelebt und gearbeitet hat. Aber sie wollte auch aus erster Hand wissen, wie den von der Katastrophe Betroffenen weiter geholfen werden kann.

Nach der Fahrt steht für sie noch mehr als vorher fest: „Da ist noch so viel zu tun. Wir müssen weitermachen!“

„Echt schlimm“ nennt sie ihren ersten Eindruck. „Wenn man auf den Ort zufährt, sieht alles so friedlich aus. Dann fährt man um die Kurve – und alles ist nur noch braun.“ In dem Dorf, das sie so gut kennt, musste sie sich erst einmal orientieren, weil sie es nicht wiedererkannte. „Es fehlen so viele Häuser. Und es ist unglaublich dreckig und staubig.“ Die Pflanzen im Weinberg ihres früheren Chefs hatte sie sich abgeknickt vorgestellt. „Aber sie waren gar nicht mehr da.“Winzer Achim Sebastian berichtete von einem im Hang angeschwemmten Kuhkadaver. Auch das zeuge von der zerstörerischen Kraft des Wassers. „Die nächste Weide war 20 Kilometer flussaufwärts.“

In Rech selbst habe sie nicht furchtbar viel machen können, erzählt Susanne Koch. Überall im Ort würden große Räumfahrzeuge von Feuerwehr, THW und Bundeswehr noch immer Unmengen von schlammigem Schrott beiseiteschaffen. „Wir haben dann in einer auswärts angemieteten Lagerhalle den ganzen Sonntag lang Weinflaschen gewaschen.“ Denn anders als einige ebenfalls betroffene Kollegen, wolle ihr Winzer keinesfalls verschmutzte Flaschen zum Kauf anbieten. „Denn es ist nicht klar, was in dem Schlamm alles drin ist.“

Beeindruckt ist sie von der Hilfs- und Spendenbereitschaft in Bad Pyrmont. „Wir haben binnen vier Tagen 115 Überraschungspakete für je 50 Euro mit gespendetem Wein verkauft“, überschlägt sie und kündigt an: „Wir machen weiter.“ Die Ahr-Weine finden sich in diesen Kartons freilich nicht. Deren Verkauf soll schließlich dem Winzer Einnahmen bringen, dessen Existenzgrundlage die Flut großteils fortgespült hat.

Rund 5000 Euro steuerte auch der Pyrmonter Lions Club bei. Für das Geld hat der Serviceclub im Lügder Ahrens-Fachmarkt zu guten Konditionen Drucksprühpumpen angeschafft. „Die brauchen die Helfer, um in den gefluteten Häusern die Wände zu desinfizieren“, sagt Susanne Koch. Der Kontakt ergab sich, weil ihr Mann bis vor kurzem als Präsident des Clubs fungierte. Sein Nachfolger Jan-Gottfried Wiedel war schnell mit im Boot.

Sehr imponiert hat der Pyrmonterin auch der Einsatz von Menschen aus ganz Deutschland. „Koordiniert wird das über die ehrenamtliche Gruppe Helfershuttle.de, sie sich über Facebook organisiert“, erzählt sie. „Am Sonntag haben sie 4500 freiwillige Helfer ins Tal gefahren.“



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