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Mit Horst durch die Kurstadt getappert

Karin Heininger - seit 52 Jahren für die Pyrmonter Nachrichten unterwegs

Seit fast unglaublichen 52 Jahren ist Karin Heininger als freie Autorin der Pyrmonter Nachrichten im Einsatz. Wie es dazu gekommen ist und was sie in dieser Zeit erlebt hat, erzählt sie in diesem Artikel.

veröffentlicht am 23.10.2021 um 11:30 Uhr

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Reporterin

Alles begann mit einer kleinen Anfrage bei den Pyrmonter Nachrichten. Von der Würzburger „Mainpost“, bei der ich als junge Redakteurin gearbeitet hatte, bekam ich 1970 den Auftrag, aus Bad Pyrmont über eine bundesweite Meisterschaft im Versehrtensport zu berichten. Als Neubürgerin der Kurstadt informierte ich mich vorab in der PN-Redaktion. Als der Lokalchef Heinzfriedrich Müller (hfM) hörte, dass ich ein professioneller „Zeitungsmensch“ sei, fragte er, ob ich denn als freie Mitarbeiterin gelegentlich für das Lokalblatt berichten könnte. Nichts lieber als das!

Zwei Tage später kam ein Anruf: Da wäre der MTV-Karneval im Hotel Quellenhof in Bad Pyrmont und tags darauf die Einweihung einer Friedhofskapelle in einem Pyrmonter Bergdorf – ob ich vielleicht Zeit und Lust hätte… Zeit eigentlich weniger, mit zwei kleinen Kindern und einer Hotelpension, aber Lust immer. So absolvierte ich ein Wochenende mit Kontrastprogramm, und offensichtlich gefielen „hfM“ die Berichte.

Von da an ging’s bergauf. Immer öfter erklomm ich die schmale Wendeltreppe, die in die gemütliche PN-Redaktion in der Rathausstraße führte, fragte nach dem nächsten Termin, holte mir einen Stapel Manuskriptpapier, auf dem ich zu Hause mit der Schreibmaschine im Zwei-Finger-System meine Berichte schrieb, und die Schwarz-Weiß-Filme, die am nächsten Tag in der kleinen Dunkelkammer der Redaktion entwickelt wurden.

Mit Curd Jürgens verbindet PN-Autorin Karin Heininger gute Erinnerungen: Er lobte die Interviewerin. Foto: dpa

Ich besuchte Vereine und Schützenfeste, war dabei, wenn Schulen eingeweiht und Abiturienten entlassen wurden, sah Ausstellungen im Museum, hörte mir Vorträge an, durfte auch eigene Themenvorschläge machen und wurde schon bald in den Versammlungen freundlich als „die Presse“ begrüßt und mit dem Satz verabschiedet, den man noch heute hört: „Schreiben Sie was Nettes!“

Das Schönste aber war und ist, dass ich als Kritikerin immer wieder meine große Leidenschaft fürs Theater ausleben kann – und das auch noch gegen Bezahlung! Damals, als noch prominente Schauspieler die Strapazen einer Tournee auf sich nahmen und in Bad Pyrmont gastierten, waren die meisten auch zu einem Interview bereit.

Da stapfte ich zu später Stunde gemeinsam mit Horst Tappert durch verschneite Straßen, weil er unbedingt noch was essen wollte und ich leichtsinnigerweise die Namen einiger Restaurants genannt hatte, die dann alle schon dicht waren (peinlich!).

Da raunzte Bernhard Wicki: „Was ist denn das für eine blöde Frage“, als ich wissen wollte, wie das Zusammenspiel mit Ehefrau Agnes Fink als zerstrittenes Bühnenpaar war, während Curd Jürgens lobte: „Das ist eine interessante Frage“, als ich erfahren wollte, ob er im Zweifel lieber als Schauspieler oder Buchautor tätig sein würde.

Weil Roberto Blanco zu der Zeit absolut keine Presse mochte, schmuggelte Veranstaltungsleiterin Elisabeth Petersen mich als harmlose Freundin mit ins Lokal. Später, bei gelöster Stimmung, nahm er das Outing gelassen hin.

Unvergessen die sanfte Noblesse von Sir Yehudi Menuhin und die leicht snobistische Art von Ephraim Kishon. Dass Carlo von Tiedemann und das NDR-Aufnahmeteam der „Aktuellen Schaubude“ jeden Journalisten auf dem Set mit dem hochprozentigen „Schaubuden-Bagger“ zu beglücken pflegten, brachte mir einen schweren Kater ein – und den Respekt des Fernsehteams, als ich am nächsten Tag zwar blass, aber pünktlich zur Sendung auf dem Brunnenplatz erschien.

Zu den lustigsten Erinnerungen der jahrzehntelangen Berichterstattung gehören die Reisen in den Norden des Landes, wo der Pyrmonter Boßelclub unter Leitung des Ostfriesen Helmut Daro, jahrelang Geschäftsstellenleiter der Pyrmonter Nachrichten, eine Sportfreundschaft mit dem dortigen Boßelclub unterhielt. Eine absolut reine Männersache. Doch damit die Berichterstattung gesichert war, wurde ich für die Dauer der Reise kurzerhand in Karlheinz umgetauft und durfte als einzige Frau mitfahren.

In der Redaktion hatte es unterdessen immer mal wieder Abwechslung gegeben. Heinzfriedrich Müller wurde in Hameln Chefredakteur und Hermann Spohr für viele Jahre Leiter der Lokalredaktion. Danach kamen unter anderem Achim Krause, Nicole Lödige, Jens Rathmann und schließlich Uli Kilian und Juliane Lehmann.

Nicht nur die Aufmachung der Zeitung, auch die Art der Berichterstattung änderte sich im Laufe der Jahre und Jahrzehnte natürlich. Besonders wichtig auch für die freien Mitarbeiter: Die Einführung des Computers, der das Abfassen eines Artikels und seine Änderungen erleichtert. Ebenso wie der Umgang mit der Digitalkamera: War das Fotografieren bei einem Ereignis früher ein Spiel mit vielen Unbekannten, das sich erst auflöste, wenn der Film am nächsten Tag entwickelt wurde, so kann man bei der Digitalkamera jetzt schon vor Ort entscheiden, ob die Anzahl und Qualität der geschossenen Bilder ausreicht.

Geblieben sind in der Berichterstattung die Vielfalt der Themen und die Begegnung mit ganz unterschiedlichen Menschen. Das macht die Arbeit als freie Mitarbeiterin nach wie vor so reizvoll: Einer der schönsten Jobs, die man sich vorstellen kann.



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