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Premiere für Rückepferde

Kaltblütig und arbeitswillig

BAD PYRMONT. Bad Pyrmonts Stadtforst setzt am Königsberg zu Testzwecken erstmals Rückepferde ein. Mit zwei Kaltblütern ist Karsten Wüstefeld aus Einbeck damit beschäftigt, gefällte Baumstämme dorthin zu ziehen, wo sie auf Lastwagen aufgeladen und abtransportiert werden können.

veröffentlicht am 28.05.2018 um 12:44 Uhr
aktualisiert am 28.05.2018 um 19:30 Uhr

Ein Bild von einem Pferd: Arno lässt sich von Karsten Wüstefeld durch den Wald am Königsberg dirigieren. Die dünnen Stämme sind ein Klacks für den Percheron. Foto: uk
Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
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Arno ist eine eindrucksvolle Erscheinung. Sein Fell glänzt, er strotzt vor Kraft. Arno ist sieben Jahre alt, zählt zur französischen Pferderasse der Percheron und er ist ein ausgesprochen schönes Exemplar seiner Art. Und: Arno ist als Kaltblüter kaltblütig. Das müsse er für seinen Job auch sein, sagt Karsten Wüstefeld aus Einbeck, der sich immer wieder kräftig in die Zügel legen muss, um Arno dahin zu bugsieren, wo er hin soll. „Hüh und Har und komm, komm“, ruft er. Arno ist ein Rückepferd und in diesen Tagen im Auftrag der Stadtforst am Königsberg im Einsatz, um gefällte Bäume dorthin zu ziehen, wo sie später aufgeladen werden.

„Für uns ist das ein Test“, sagt Revierförster Philipp Klapper, denn der Einsatz eines Pferdes zum Holzrücken ist in den Pyrmonter Stadtwäldern eine Premiere. „Unter wirtschaftlichen Aspekten hat der Einsatz von Pferden nicht unbedingt den besten Ruf. Aber ich bin auf einer Messe positiv gestimmt worden, dass es durchaus wirtschaftlich sein kann“, begründet er seinen Sinneswandel.“ Das Gelände am Königsberg sei zudem ideal für so einen Einsatz. Die Topografie sei schwierig, es gebe auf der ehemaligen Sturmwurffläche viele Löcher und umgebrochenen Wurzeltellern von früher. „Das ist für Maschinen schwierig zu befahren und zu erschließen. Der Einsatz eines Pferdes, das sowohl witterung- als auch standortunabhängig ist, hat hier durchaus seine Berechtigung“, meint der Revierförster.

„Ein Pferd kann sich den idealen Laufweg im Wald suchen, Maschinen können nur auf den Rückewegen fahren“, wirft Wüstefeld ein und schiebt gleich ein wenig Werbung für sich nach. „Der Einsatz von Pferden ist nicht teurer, sondern hochwertiger, denn es gibt weniger Schäden am bleibenden Bestand als beim Einsatz von Maschinen.“ Und noch einen Vorteil gibt er zu bedenken: „Wenn ich alle 20 Meter eine Rückegasse anlege, dann brauche ich keine Pferde. Ich muss aber wissen, ob ich das will, denn dann habe ich in 30 bis 40 Jahren 20 Prozent weniger Holz, denn in den breiten Gassen wächst nichts mehr und die Räume am Rand sind meistens auch geschädigt durch den Maschineneinsatz.“

Arno interessiert das alles nicht. Ruhig steht er während des Gesprächs neben seinem Boss, der ihn eineinhalb Jahre ausgebildet hat und seit zwei Jahren für diese Arbeit einsetzt. „Kraft muss er haben und arbeitswillig muss er sein“, nennt Wüstefeld zwei weitere Kriterien, die ein Rückepferd braucht. 15 bis 16 Jahre Berufsleben kann Arno noch vor sich haben, danach geht er in Rente. Arbeitswillig ist der Kaltblüter und Kraft scheint er im Überfluss zu haben. Die beiden auf jeweils sechs Meter Länge zugeschnittenen dünnen Baumstämme sind für ihn lediglich eine Vorwärmübung für die dickeren Exemplare. Von „Vogeltrittholz“ spricht Wüstefeld scherzhaft. Zwei Stunden ist Arno im Einsatz, dann wird er von einem Kollegen abgelöst, der derweil an einem Pferdetransporter wartet.

Gelernt hat Wüstefeld Kfz-Mechaniker. Als Holzrücker ist er Quereinsteiger. „Ich wollte unbedingt einen Beruf haben, der mit Pferden zu tun hat, denn mit denen bin ich aufgewachsen“, sagt er.

Revierförster Klapper sieht der Arbeit des Teams interessiert zu, und auch Bürgermeister Klaus Blome ist gekommen. „Wenn wir die Kosten im Auge behalten können, dann hat dieses Verfahren unter dem Aspekt der Standortschonung voll seine Berechtigung und macht vielleicht auch auf anderen Flächen bei uns Sinn“, sagt Klapper. Er verschweigt aber auch nicht, dass am Königsberg viele Spaziergänger sehr genau beobachten, was dort passiert. Und schwere Maschine und vor allem ihre Spuren sehen viele kritisch. Ein Pferd macht sich da einfach besser. Das sorgt sogar dafür, dass der Waldboden hier und da mit Pferdeäpfeln gedüngt wird.



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